Börse Tokio
Erleichterung über US-Einigung verpufft

Die Sorgen über eine mögliche Herabstufung der US-Bonität und schlechte US-Konjunkturdaten wiegen schwerer als die Erleichterung. Gerüchte über eine Devisenintervention machen in Japan die Runde.
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TokioDie anfängliche Erleichterung über die Einigung im US-Schuldenstreit ist auch an den asiatischen Aktienmärkten verpufft. Bei den Anlegern kam die Sorge auf, dass die weltgrößte Volkswirtschaft trotz des Kompromisses im US-Kongress ihre Top-Bonitätsnote aberkannt bekommen könnte. Zudem belasteten schwache Konjunkturdaten aus den USA die Stimmung - wie bereits am Vortag die Wall Street. Bei den Devisen kam der Dollar unter Druck. Der Anstieg des Yen führte zu Spekulationen, dass die japanische Notenbank bald eingreifen könnte.

In Tokio schloss der 225 Werte umfassende Nikkei-Index 1,2 Prozent tiefer bei 9844 Punkten. Der breiter gefasste Topix-Index sank um 0,9 Prozent auf 844 Zähler. Am Montag hatte die Börse in Tokio nach Bekanntgabe der US-Einigung noch fester geschlossen. Nun dominierten aber auch an den anderen wichtigen asiatischen Börsenplätzen die Verluste. So tendierten die Märkte in Südkorea, Taiwan, Singapur, Hongkong und Shanghai im Minus.

„Auch wenn die USA vorerst die globale Finanzkrise 2.0 umschifft haben, kommen sie um weitere Einschnitte bei den Staatsausgaben nicht herum“, sagte Analyst Joseph Capurso von der Commonwealth Bank in Sydney mit Blick auf den Kompromiss im US-Schuldenstreit. Die Wachstumsaussichten seien daher ungewiss. Zusammen mit den schwachen Konjunkturdaten erhöhe dies den Druck auf die US-Notenbank, mit weiteren Maßnahmen die US-Wirtschaft zu stützen. „Ich sehe den Dollar schwächer werden.“ Bei den Einzelwerten standen wegen des starken Yens Exportwerte im Mittelpunkt. Die Aktien des Autobauers Toyota verloren 0,3 Prozent. Nach Börsenschluss gab der Konzern den ersten Quartalsverlust seit zwei Jahren bekannt.

Wegen des Anstiegs des Yens bereitet die japanische Notenbank einem Zeitungsbericht zufolge eine weitere Intervention am Devisenmarkt vor. Die Bank of Japan diskutiere derzeit Schritte zur Lockerung der Geldpolitik, berichtete die Zeitung „Nikkei“. Der Yen steuert gegenüber dem Dollar auf ein Rekordhoch zu. Das verteuert japanische Waren im Ausland und belastet die exportorientierte Wirtschaft, die zudem mit den Folgen der Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe zu kämpfen hat. Dem Blatt zufolge könnte das Führungsgremium der Zentralbank zusätzliche Schritte bei einem am Donnerstag beginnenden zweitägigen Treffen prüfen.

Bei den Devisen geriet auch der Euro unter Druck. Die Gemeinschaftswährung kostete 1,4206 Dollar nach 1,4262 Dollar im späten US-Handel vom Montag. Grund war nach Auffassung von Beobachtern die anhaltende Schuldenkrise in der Eurozone. Zur japanischen Währung wurde der Euro mit 110,05 Yen gehandelt. Ein Dollar kostete 77,33 Yen. Der Schweizer Franken notierte bei 0,7798 Franken je Dollar und 1,1099 Franken je Euro.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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