Börse Tokio
Euro-Krise drückt die Stimmung in Asien

Die Angst vor einer Krise in Italien und dem Ausgang der Wahl in Griechenland haben den Handel bestimmt. Die Europäer können trotz des Hilfspaketes für Spanien nicht die Zweifel der Investoren zerstreuen.
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TokioDie Euphorie über die geplante europäische Hilfe für Spaniens Banken ist auch an den Börsen in Fernost wieder verflogen. Nach den Kursgewinnen zum Wochenauftakt nahmen die Anleger am Dienstag Reißaus und drückten die Märkte auf breiter Front ins Minus. In den Fokus rückte die Frage, ob die in Aussicht gestellten Mittel von bis zu 100 Milliarden Euro für die maroden spanischen Geldhäuser ausreichen. Zudem gibt es die Furcht, als nächstes könne Italien in den Krisenstrudel gerissen werden. Auch die anstehenden Wahlen in Griechenland sorgten für erhebliche Nervosität. Das Votum am Sonntag gilt als Entscheidung über den Verbleib des Landes im Euro-Währungsraum.

Die Rekapitalisierung der spanischen Banken sei zwar ein wichtiger Beitrag zur Lösung der Schuldenkrise, sagte Pranay Gupta von Lombard Odier. "Aber das war nur ein Pflaster auf der Wunde und keine Heilung." Auch Jeff Sica, Präsident von SICA Wealth Management, zeigte sich skeptisch über die vereinbarten europäischen Finanzhilfen für Spaniens Banken: "Die Nachrichten am Wochenende über die Rettung zeigen nicht, dass Europa ernsthaft entschlossen ist, seine Finanzkrise anzugehen, sondern vielmehr einen Akt der Verzweiflung, der das Unvermeidliche hinauszögern soll, nämlich den Konkurs der spanischen Banken."

Unklarheiten über die Ausgestaltung der Banken-Rettung drückten nicht nur die Aktienkurse, sondern belasteten auch den Euro. Er tendierte bei 1,2485 Dollar und damit deutlich unter den Höchstständen von Montag von 1,2672 Dollar, allerdings auch deutlich über dem im Juni erreichten Zwei-Jahres-Tief von 1,2288 Dollar. "Wir wissen sehr wenig über den spanischen Deal. Der Zins und die Laufzeit des Kredits sind eine große Unbekannte, gar nicht zu erwähnen die Herkunft der Mittel", kritisierte Daisuke Karakama von Mizuho Corporate Bank. "Ich bin nicht überrascht, dass die Märkte nicht richtig wissen, wie sie reagieren sollen."

Der Nikkei-Index schloss ein Prozent schwächer bei 8536 Punkten. Der breiter gefasste Topix-Index verlor 0,8 Prozent auf 724 Zähler. Auch die übrigen Börsen im asiatisch-pazifischen Raum erlitten Verluste. Einzige Ausnahme war Australien mit einem leichten Plus, das vor allem auf Kursgewinne der Fluggesellschaft Qantas zurückging. Die australische Airline rüstet sich gegen Übernahmeversuche von Finanzinvestoren, was die Investoren zugreifen ließ.

In Tokio trennten sich die Anleger vor allem von Aktien, die am Montag noch zugelegt hatten. So gaben Panasonic um mehr als zwei Prozent und Mazda Motor um fast drei Prozent nach. Gesucht waren dagegen wenig konjunkturanfällige Titel wie Japan Tabacco, die rund zwei Prozent anzogen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Börse Tokio: Euro-Krise drückt die Stimmung in Asien"

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  • PAPPERLAPAPP - GRIECHENLAND IST PLEITE!
    Wenn ich Japaner wäre (also mit Blickwinkel auf die Nordhalbkugel unserer Erde), dann käme mir nicht in den Sinn, warum in einem korrupten und desolat bankrotten Land wie Griechenland, eine politische Wahl etwas bestimmen könne. Also den Verbleib in einer Staatenunion wie der EU, z.B. Und selbstverständlich würde ich den Morgen des Tages im Land der aufgehenden Sonne genießen und die mir anvertrauten Vermögensstände im fernen Europa in Sicherheit bringen. In japanische Sicherheit. Logo!
    Die Wahl in Athen bestimmt demzufolge nichts mehr, würde ich denken.
    Klartext: Griechenland ist pleite und fliegt raus.
    Aber vielleicht ist die Frage erlaubt, wieso sich ein japanischer Wirtschaftsmanager sich grämen sollte, wenn eine Euro-Krise so vor sich hin schäppert?

    Fiddlesticks - ギリシャを破っている!

  • Ein sehr interessanter Beitrag aus der Perspektive von der Südhalbkugel zu dem Euro Thema und Deutschland's Beitrag http://www.businessspectator.com.au/bs.nsf/Article/Germany-eurozone-crisis-Budesbank-Target-2-pd20120611-V64YC?opendocument&src=idp&utm_source=exact&utm_medium=email&utm_content=50385&utm_campaign=kgb&modapt=commentary

  • @Bankenrun: Wie naiv gedacht, als ob bedrucktes Papier nur der Zahlen wegen einen eigenen Wert hätte. Wenn alles kracht (und es wird krachen) nützt einem auch Bargeld unterm Kissen nichts. Geld wird wertlos werden, wie schon hunderte Male in der Geschichte. Das liegt am immergleichen Systemfehler Zinseszins, den anscheinend immer noch keiner begreifen will. Ein gerechtes, funktionierendes Geldsystem wäre möglich- das wollen aber unsere Eliten nicht- weil deren leistungslose Einkommen schmäler werden würden.

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