Börse Tokio Daten aus Europa belasten Nikkei

Die Sorgen zur Konjunktur in Europa haben die Stimmung unter den Börsianern in Tokio belastet. Außerdem hielten sich Investoren im Vorfeld des am Freitag beginnenden G20-Treffens in Moskau zurück.
Update: 15.02.2013 - 06:25 Uhr Kommentieren
Zwei Männer vor einer Börsenanzeigentafel. Quelle: Reuters

Zwei Männer vor einer Börsenanzeigentafel.

(Foto: Reuters)

TokioEnttäuschende Konjunkturdaten aus Europa haben die japanische Börse am Freitag belastet. Aktien exportorientierter Unternehmen verloren an Wert. Der Nikkei-Index gab 1,2 Prozent auf 11.173 Punkte nach. Der MSCI-Index für die Region Asien/Pazifik (ohne Japan) notierte auf dem Stand vom Donnerstag.

Die jüngsten Daten zur Wirtschaftsentwicklung in Europa interpretierten viele Anleger als Zeichen, dass die Schuldenkrise noch nicht ausgestanden ist. Die Euro-Zone steckt tief in der Rezession. Die Wirtschaft der Währungszone ist Ende 2012 so stark zurückgegangen wie seit dem Höhepunkt der Finanzkrise vor knapp vier Jahren nicht mehr.

Die Anteilscheine von Canon tendierten ein Prozent leichter, Toyota -Papiere verloren fast drei Prozent an Wert, Sony-Aktien waren 3,8 Prozent günstiger zu haben.

Investoren hielten sich zudem im Vorfeld des am Freitag beginnenden G20-Treffens in Moskau zurück. Es wird erwartet, dass dort unter anderem das Thema Währungsdumping zur Sprache kommt - und Japan in die Kritik geraten könnte, weil das Land mit einer Geldschwemme eine Talfahrt seiner Landeswährung angeschoben und so die Wettbewerbschancen seiner Firmen im Ausland verbessert hatte.

Die Weltbank und auch die russische Zentralbank hatten mit Blick auf die Gefahr, dass andere Staaten nachziehen, vor einem heraufziehenden Währungskrieg gewarnt. Die sieben führenden Wirtschaftsnationen, zu denen Japan gehört, haben sich demonstrativ vor dem Treffen zu freien Wechselkursen bekannt.

Japans Ministerpräsident Shinzo Abe ist offenbar kurz davor, sich auf einen Kandidaten für den Chefsessel der Notenbank des Landes festzulegen. Der Regierungschef werde voraussichtlich in den kommenden Tagen seine Wahl treffen, wen er für den am 19. März freiwerdenden Posten nominieren wolle, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters am Freitag von mit dem Prozess vertrauten Personen.

Favorit für die Nachfolge von Masaaki Shirakawa ist demnach Toshiro Muto. Der 69-Jährige stand bereits 2008 kurz vor seinem Karriereziel und hatte dann gegenüber Shirakawa das Nachsehen. Vor seinem Karriereknick, dem ihm damals die Opposition zufügte, als sie ihn durchfallen ließ, war Muto fünf Jahre stellvertretender Gouverneur der Notenbank gewesen. Er plädiert für umfangreichere und unkonventionelle geldpolitische Maßnahmen und mehr Mut im Kampf gegen die Deflation.

Shirakawa gilt als konservativer Reformer und könnte sich deswegen wohl bei einer radikalen Lockerung der Geldpolitik zurückhalten, wie sie von vielen Investoren am Markt erwartet wird. Muto dürfte auf den traditionellen Pfaden der Geldpolitik bleiben, sagte Norihiro Fujito von Mitsubishi UFJ Morgan Stanley Securities.

"Investoren gehen davon aus, dass es schwierig werden dürfte, das Inflationsziel von zwei Prozent zu erreichen, ohne dass der Geldhahn drastisch aufgedreht wird. Wir können uns nicht vorstellen, dass Muto etwa ausländische Devisenbestände aufkauft, was die Talfahrt des Yen beschleunigen könnte."

Japan will mit Milliardenhilfen die Entwicklung kostengünstiger Energiequellen fördern. Wie die Wirtschaftszeitung "Nikkei" am Donnerstag berichtete, sind Garantien über bis zu eine Billion Yen (rund acht Milliarden Euro) für entsprechende Investitionsdarlehen geplant. Im Blick habe die Regierung in Tokio vor allem Schiefergasprojekte.

Als erstes dürften drei Konsortien japanischer Unternehmen in den Genuss des Pogramms kommen, die solche Pläne in den USA verfolgen, hieß es. Aber auch Schiefergasvorhaben in Russland, Australien und Afrika sollen demnach unterstützt werden. Das neue Darlehensprogramm werde am Montag von Wirtschaftsminister Toshimitsu Motegi vorgestellt. Verantwortlich dafür solle das Staatsunternehmen Japan Oil, Gas and Metals National Corp (JOGMEC) sein.

Wenn das Geld nichts mehr wert ist
Staatskrisen und politischer Wille
1 von 13

Der Tausch einer Währung kann viele Gründe haben. In Deutschland waren es politische, wie bei der Einführung des Euro. Aber auch Inflation wie bei der Einführung der Rentenmark mit drohendem Staatsbankrott könne Gründe für einen Währungswechsel sein. Auch nach Kriegen werden die Geldsorten gewechselt, in Deutschland etwa im Jahre 1948. 

Foto: Peter Hintze, ehemaliger CDU-Bundesgeschaeftsführer, stellt ein Plakat zur Euroeinführung vor.

Staatliche Wechselstube
2 von 13

Die Auswirkungen sind enorm und Währungswechsel kommen sehr häufig vor. So erlebte etwa ein Deutscher, der im Jahr 1921 in Leipzig geboren wurde, sechs Währungen. Im Durchschnitt wechselte bei ihm die Währung alle 15 Jahre. Handelsblatt Online zeigt auf den nächsten Seiten die wichtigsten Währungsreformen in Deutschland.

1871 bis 1873
3 von 13

Nach der Gründung des deutschen Reichs aus zahlreichen souveränen Einzelstaaten sollte auch eine einheitliche Währung her. Im Laufe der Jahre tauschten die Deutschen ihre Taler, Gulden und Kreuzer in Mark. Als letztes Land führte Bayern die Mark ein.

1923 bis 1925
4 von 13

Die Hyperinflation in der Weimarer Republik besiegelte das Schicksal der Mark. Wegen des Weltkrieges hatte die Währung bereits mehr als die Hälfte an Kaufkraft verloren. In den Folgejahren verlor die Währung- auch wegen Kriegskosten und Reparationsleistungen drastisch an Wert.

Reichsmark
5 von 13

In der Folge wurde die Mark auf die Renten- und später Reichsmark umgestellt. Der Wechselkurs betrug eine Billion Mark zu einer Reichsmark. Auch wenn die Reichsmark als Goldkernwährung keinen Goldstandard hatte, bewirkte sie eine Entspannung bei der Inflation. Der Währungskurs pendelte sich zum US-Dollar auf den Stand vor 1914 ein. Nach der Machtübernahe der Nazis und im folgenden Krieg stieg das Geldvolumen wieder stark an.

1948 (BRD)
6 von 13

Nach den Verheerungen des Zweiten Weltkrieges wurde in den alten Bundesländern die Deutsche Mark eingeführt. Die Reichsmark hatte keinen Wert mehr, die Deutschen schlugen sich mit Tauschgeschäften durch oder rechneten mit Zigaretten ab.

D-Mark
7 von 13

Die Deutschen konnten ihre neue D-Mark an den Ausgabestellen für Lebensmittelmarken abholen: 40 DM sofort und weitere 20 DM zwei Monate später. Nach der Einführung folgte ein enormer Wirtschaftsaufschwung.

Bild: Am 20. Juni 1948, dem Stichtag der Wahrungsreform in den westlichen Besatzungszonen, drängen sich die Bürger in einer Hamburger Umtauschstelle, um sich die neue Währung auszahlen zu lassen.

  • rtr
Startseite

0 Kommentare zu "Börse Tokio: Europäische Konjunkturdaten belasten Nikkei"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%