Börse Tokio
Europas Krise belastet Asiens Börsen

Die Herabstufung von neun Eurozonen-Staaten durch die Rating-Agentur Standard & Poor's brockt den fernöstlichen Aktienmärkten Verluste ein. Finanz- und Exporttitel geraten unter Druck
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TokioDie Herabstufung von neun Eurozonen-Staaten durch Standard & Poor's hat den Anlegern in Asien das Geschäft verdorben. Der Tokioter Nikkei-Index schloss am Montag so niedrig wie seit einem Monat nicht mehr. Die mächtige Rating-Agentur hatte am Freitag nach US-Börsenschluss dem europäischen Wirtschaftsriesen Frankreich wie auch Österreich das begehrte Top-Rating entzogen. Der Schlag gegen die Euro-Zone schürte auch in Asien Befürchtungen, dass Europa seiner Schuldenmisere nicht mehr Herr werden könnte. Aus Furcht vor einer drohenden Bankenkrise gerieten vor allem Finanztitel unter Druck. Der S&P-Schock ließ den Euro zum Yen auf den niedrigsten Stand seit fast elf Jahren sinken. Die Anleger trennten sich von Exporttiteln.

Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index schloss 1,4 Prozent im Minus bei 8378 Zählern. Der breiter gefasste Topix-Index verlor 1,3 Prozent auf 725 Punkte. Die Börse in Singapur notierte fast 1,5 Prozent niedriger, während die Verluste in Taiwan, Korea, Hongkong und Shanghai geringer ausfielen.

Spekulationen über den gefürchteten S&P-Rundumschlag in Europa und erste Bestätigungen aus Frankreich hatten die Börsen in Europa und den USA schon am Freitag belastet. Die Wall Street startet in dieser Woche wegen eines Feiertags erst am Dienstag in den Handel. In Asien trübte der Stillstand bei den Verhandlungen über einen Forderungsverzicht privater Gläubiger in Griechenland zusätzlich die Stimmung auf dem Parkett.

„Es ist schwer vorstellbar, dass der Euro kurzfristig wieder an Boden gewinnt“, sagte Ryota Sakagami von SMBC Nikko Securities. Das bedeute für die Exportunternehmen nichts Gutes. Ein starker Yen schmälert die Gewinne von Firmen, die einen Großteil ihrer Produkte im Ausland verkaufen. Zu spüren bekamen dies am Montag Canon und Toyota. Der Kamerahersteller verbilligte sich um 2,4 Prozent, der Autobauer um 1,5 Prozent.

Das Bankhaus Sumitomo Mitsui verlor 2,2 Prozent, Rivale Mitsubishi UFJ Financial wurde 2,7 Prozent niedriger gehandelt.

Gegen den Trend zulegen konnten Aktien von Unternehmen aus der Bauindustrie, die von Wiederaufbauprogrammen in Japan profitierten. Konzerne wie Taisei und Kajima gewannen jeweils rund ein Prozent.

Verluste hinnehmen mussten dagegen der Computer- und Chiphersteller Toshiba sowie der skandalumwitterten Kamera- und Medizingerätehersteller Olympus. Toshiba dementierte einen Bericht über ein Kooperationsangebot an Olympus. Toshiba büßte 2,6 Prozent, Olympus 4,5 Prozent an Börsenwert ein.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Eine Währungsunion zwischen Ländern mit so verschiedenen natürlichen Standortvorteile und Ausgangsvoraussetzungen kann, ohne gemeinsame Verantwortung, einfach nicht funktionieren.
    Diese Art von Währungsunion, sollte sie gegen aller Erwartungen überleben, würde am Ende nur zu einer Art von Neokolonialismus führen, mit einer horizontale Arbeitsteilung. Mit einigen hochindustrialisierten Länder auf der einen Seite und Bananenrepubliken auf der Anderen.

  • In den drei Jahrzehnten vor der Euro-Einführung fand eine stärkere Integration zwischen den 6 Gründer-Ländern statt als seither. Dass Deutschland seine Steuerhoheit mit anderen Ländern teilt (dies würde eine Fiskalunion bedeuten), deren wirtschaftliche und geopolitische Interessen nicht mehr unbedingt deckungsgleich mit den seinen sind, erscheint nur schwer vorstellbar. Und selbst wenn – Deutschland würde im Gegenzug Bedingungen stellen, die die anderen Länder abschrecken könnten.
    Jedoch kann die Eurorettung nur durch eine echte Fiskalunion gelingen.
    Die "Schuldenbremse" ist für die Eurorettung nur das was eine Sonnebrille zum Blauen Auge ist, liebe Frau Merkel

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