Börse Tokio
Inselstreit belastet Auto-Aktien

Autobauer gerieten an der Börse in Tokio unter Druck, weil sich die Aussichten im China-Geschäft eintrüben. Wegen des herannahenden Hurrikans "Sandy" fällt der Aktienhandel an der Wall Street am Montag weitgehend aus.
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TokioDie Aktienmärkte in Fernost sind zum Wochenauftakt nicht recht in Schwung gekommen. In Tokio schloss der Nikkei-Index kaum verändert, und auch in Südkorea trat der Aktienmarkt auf der Stelle. Andernorts in Asien ging es an den Börsen abwärts, weil die ungewisse Konjunkturlage und nicht gerade berauschende Konzerngewinne den Investoren die Laune verdarben.

In Japan belastete zudem ein enttäuschender Geschäftsausblick von Honda die Kurse. Der Autobauer kappte am Montag seine Gewinnprognose für das bis Ende März laufende Geschäftsjahr um ein Fünftel. Auf neue Impulse aus den USA werden die Fernost-Börsen zunächst verzichten müssen, da Hurrikan "Sandy" die Wall Street zu einer Zwangspause zwingt.

Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index schloss in Tokio ohne spürbare Veränderungen bei 8929 Zählern. Der breiter gefasste Topix-Index verlor 0,1 Prozent auf 740 Punkte. Die Börse in Südkorea beendete das Geschäft praktisch auf dem Stand des vorangegangenen Handelstages. Die Aktienmärkte in Hongkong, Shanghai, Singapur und Taiwan tendierten schwächer.

Hoffnungen auf eine weitere Konjunkturspritze der japanischen Notenbank stützten den Tokioter Markt etwas. Allerdings waren die Anleger unsicher über den Umfang der Hilfe, die die Bank von Japan am Dienstag bei ihrer geldpolitischen Sitzung beschließen könnte.

Honda führte die Absatz-Einbußen in China auf Ressentiments gegen Japan zurück, die durch einen Streit beider Länder um eine Inselgruppe entstanden seien. Die Aktie von Honda gab 4,6 Prozent nach. Auch die Papiere anderer Autobauer gerieten durch die eingetrübten Aussichten im China-Geschäft unter Druck: Die Anteilsscheine von Toyota verloren 1,6 Prozent. Die Titel von Nissan fielen um 2,2 Prozent.

Der japanische Autobauer Honda kappte am Montag sein Prognose für das Nettoergebnis in dem bis Ende März laufenden Geschäftsjahr um ein Fünftel auf umgerechnet 3,6 Milliarden Euro (375 Milliarden Yen). Allein im September sei der Absatz im China-Geschäft um rund 40 Prozent eingebrochen. Experten gehen davon aus, dass auch andere japanische Autobauer wie Toyota und Nissan bei der Vorlage ihrer Quartalsbilanz in der kommenden Woche ihre Prognosen senken werden. Aus Verärgerung über das Verhalten Japans im Streit um Inseln im ostchinesischen Meer boykottieren die Chinesen seit Mitte September zahlreiche japanische Waren.

Im zweiten Geschäftsquartal von Juli bis September konnte Honda seinen Gewinn um 36 Prozent auf rund 800 Millionen Euro (82,2 Milliarden Yen) steigern. Allerdings blieb der Konzern damit trotz des kräftigen Zuwachses hinter den Erwartungen von Experten zurück, die eine stärkere Aufholjagd nach den Einbußen im vergangenen Jahr in Folge der Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe in Japan erwartet hatten.

Wegen des herannahenden Hurrikans "Sandy" fällt der Aktienhandel an der New York Stock Exchange am Montag aus. Aufgrund der gefährlichen Lage könne die Sicherheit der Mitarbeiter und Händler nur schwer gewährleistet werden, teilte der Börsenbetreiber Nyse Euronext zur Begründung der kurzfristigen Entscheidung mit. Die Sicherheit müsse aber oberste Priorität haben. Möglicherweise bleibe der Handel auch am Dienstag noch geschlossen. Die Nyse hatte zunächst geplant, nur den Parkett-Handel zu schließen, den elektronischen Handel aber nach dem Wochenende wieder zu öffnen.

Auch die New Yorker Börse Nasdaq bleibt am Montag wegen des aufziehenden Hurrikans "Sandy" geschlossen. An allen Handelsplätzen des Unternehmens in den USA fielen die Geschäfte aus, teilte der transatlantische Börsenbetreiber Nasdaq OMX in der Nacht mit. Die Entscheidung sei in Absprache mit anderen Börsenbetreibern, der US-Regierung und den Aufsichtsbehörden gefallen. Möglicherweise bleibe der Handel auch am Dienstag geschlossen. Die Börsen des Unternehmens außerhalb der USA sollen wie geplant am Montag öffnen. Zuvor hatte bereits die New York Stock Exchange (Nyse) erklärt, wegen des Sturms nicht zu öffnen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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