Börse Tokio
Japan greift offenbar in den Devisenmarkt ein

Gerüchte über einen erneuten Eingriff der japanischen Notenbank beschäftigen die Märkte in Fernost. Der Yen verlor an Wert. Die Börse in Tokio grenzte die Verluste im späten Handel etwas ein, lag zum Schluss aber immer noch ein Prozent im Minus.
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TOKIO. Die anhaltenden Spannungen zwischen Japan und China haben die Tokioter Börse belastet. Wegen Spekulationen über eine erneute Intervention Japans am Devisenmarkt hielten sich die Verluste aber in Grenzen. Der Nikkei-Index der 225 führenden Werte ging mit einem Minus von 0,99 Prozent bei 9 471 Punkten aus der Handelswoche. Der breiter gefasste Topix-Index notierte 0,96 Prozent niedriger bei 838 Zählern.

Die Währungshüter des Landes hatten zuletzt am 15. September nach Schätzungen 1,7 bis 1,8 Billionen Yen (rund 16 Mrd. Euro) investiert, um den Yen abzuschwächen. Es war der erste Devisenmarkteingriff seit 2004. Die Festigung des Yen belastet zunehmend Japans Exportindustrie und gefährdet damit die wirtschaftliche Erholung.

Die japanische Regierung verweigerte jegliche Bestätigung des Eingriffs. Staatssekretär im Finanzministerium Fumihiko Igarashi sagte in Tokio, er habe nichts gehört von irgendeiner Intervention in den Devisenmarkt.

Marktteilnehmer gingen davon aus, dass ein weiterer Eingriff am Devisenmarkt nicht die Auswirkungen haben würde wie am 15. September, als Japan zum ersten Mal seit sechs Jahren mit milliardenschweren Yen-Verkäufen gegen den stetig steigenden Kurs des Yen zur Wehr setzte. "Angesichts der Tatsache, dass dies schon das zweite Mal und damit keine Überraschung wäre, wären die Folgen allenfalls recht begrenzt", sagte Masayoshi Okamoto von Jujiya Securities. Dennoch fiel die japanische Währung - wie von der Regierung gewünscht - zum Dollar um rund ein Prozent. Ein Dollar kostete im Handelsverlauf 85,40 Yen. Ein schwächerer Yen hilft japanischen Exportfirmen. Der Euro wurde zur japanischen Währung mit 113,05 Yen bewertet.

Negativ auf die Aktienmärkte wirkte sich der Seestreit zwischen Japan und China aus. Der Disput entzündet sich an der Aufbringung eines chinesischen Fischtrawlers in einem umstrittenen, wahrscheinlich rohstoffreichen Gebiet. Der Trawler soll zwei Schiffe der japanischen Küstenwaffe gerammt haben.

Allerdings zeichnete sich am Freitag eine Entspannung ab: Medienberichten zufolge wurde der zuvor festgenommene Kapitän des chinesischen Schiffes wieder freigelassen. Seit 2009 ist China der größte Handelspartner Japans. Die schwächelnde Wirtschaft Japans ist zunehmend auf die chinesische Wachstumsdynamik angewiesen.

Positive Impulse erhielt die Tokioter Börse etwa von Toyota. Die Aktien des Autoherstellers gingen mit einem Plus von 0,66 Prozent aus dem Handel. Zu den Verlierern gehörte Toyotas Konkurrent Honda, dessen Anteilsscheine 0,75 Prozent verloren.

An den übrigen asiatischen Börsen zeigte sich ein uneinheitliches Bild: In Hongkong und Südkorea wurde ein leichtes Plus verzeichnet, in Taiwan ein Minus.

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