Börse Tokio
Japan lockert die Geldpolitik

Die japanische Notenbank weitet ihr milliardenschweres Anleihen-Kaufprogramm aus. Doch das beeindruckt die Aktienmärkte kaum. Der Nikkei-Index fällt ein Prozent, hält sich aber über der Marke von 10.000 Punkten.
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TokioDie erneute Lockerung der Geldpolitik in Japan hat an den Börsen in Fernost am Donnerstag keine Jubelstürme ausgelöst. Die Ausweitung des milliardenschweren Anleihen-Kaufprogramms war erwartet worden und konnte die Stimmung nicht heben. Mit diesem Schritt reagierte die Zentralbank auf den zunehmenden Druck des Wahlsiegers und designierten Ministerpräsidenten Shinzo Abe, stärker gegen die Deflation vorzugehen.

"Einige Investoren waren enttäuscht von der Summe des Ankaufprogramms", sagte Analyst Norihiro Fujito von Japans Mitsubishi UFJ Morgan Stanley Securities. Zugleich sorgte der quälende Haushaltsstreit in den USA, in dem eine Lösung aussteht weiterhin die sogenannte "Fiskalklippe" droht, für Verunsicherung und drückte die Aktienmärkte überwiegend ins Minus. Es seien keine Fortschritte in den Verhandlungen zwischen Demokraten und Republikanern erkennbar, kritisierte Analystin Natalie Rampono von der australischen Bank ANZ.

Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index ging mit einem Minus von 1,2 Prozent mit 10.039 Punkten aus dem Handel. Der breiter gefasste Topix-Index sackte 0,1 Prozent auf 838 Zähler ab. Die Märkte in Taiwan, Shanghai und Hongkong lagen ebenfalls im Minus.

Lediglich die Börsen in Australien und Südkorea tendierten im Plus. In Seoul sorgte die Wahl der konservativen Politikerin Park Geun Hye zur neuen Präsidenten für eine positive Grundstimmung. Anleger hofften auf neue Initiativen, um beispielsweise den Immobiliensektor zu stützen.

Die japanische Notenbank beschloss am Donnerstag einstimmig, den Gesamtumfang des Programms zur Stützung der japanischen Wirtschaft um zehn Billionen Yen auf 101 Billionen Yen (rund 908 Milliarden Euro) zu erhöhen. Damit lockert die japanische Notenbank ihre Geldpolitik das dritte Mal innerhalb von vier Monaten.

Zudem teilte die BOJ mit, dass man bei der nächsten Sitzung im Januar die bisherigen Richtwerte zur Inflation überdenken wolle. Bislang gilt hier ein Korridor von null bis zwei Prozent als Orientierung. Japans Wirtschaft steckt in der Rezession und könnte diese nach Ansicht von Ökonomen Anfang 2013 hinter sich lassen. Dabei setzen Beobachter und die Anleger an den Finanzmärkten auf Schützenhilfe der Notenbank.

Der angehende Ministerpräsident Shinzo Abe hatte im Wahlkampf für eine lockere Geldpolitik und Konjunkturprogramme geworben, um Japan aus der Spirale von Wirtschaftsflaute und Deflation zu befreien. Ökonomen gehen davon aus, dass Abes Politik mittelfristig zur Abwertung des Yen führt, was vor allem die exportabhängige Industrie sehnsüchtig erwartet.

Im japanischen Handel standen wenige Einzeldaten im Mittelpunkt. Die Mitsubishi-Aktie sank um 5,5 Prozent. Der Autobauer muss 1,2 Millionen Kleinwagen zurückrufen. Der Schritt dürfte Mitsubishi 90 Millionen Dollar kosten. Als Grund für den Rückruf nannte der Konzern Probleme mit Dichtungen am Motor. Auch die Kurse anderer Autohersteller kamen unter die Räder: So verloren die Anteilsscheine von Nissan Motor 7,4 Prozent an Wert, Honda Motor gaben 1,8 Prozent ab.

Der Euro gab im asiatischen Handel zum Dollar etwas nach. Die europäische Gemeinschaftswährung kostete 1,3215 Dollar und damit etwas weniger als im späten US-Handel am Vortag. Im Vergleich zur japanischen Währung kostete der Dollar 83,95 Yen.

In einem Milliardendeal übernimmt eine Gruppe von Beteiligungsgesellschaften den chinesischen Werbekonzern Focus Media. Das von Carlyle angeführte Konsortium bezahlt nach Angaben vom Mittwoch rund 3,7 Milliarden Dollar für Focus Media, die in der Volksrepublik Werbeflächen in Bürogebäuden, Fahrstühlen und Supermärkten unterhalten.

Mindestens zwei Drittel der Focus-Aktionäre müssen dem Vorhaben noch zustimmen, das im zweiten Quartal 2013 abgeschlossen werden soll. Für China, wo Kapitalkontrollen an der Tagesordnung sind, stellt die Übernahme einen enorm großen fremdfinanzierten Firmenkauf dar. Neben der Credit Suisse und UBS stellt auch die Deutsche Bank einen Teil der 1,53 Milliarden Dollar schweren Finanzierung des Kaufs.

 
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • ja sieht so aus.

    Gleichzeitig wird Gold brutal runter gepruegelt.

    Bin gespannt, wie lange man das durchhalten kann...

  • Was da in Japan an Geld gedruckt wird, ist nicht mehr zu ueberbieten. Aber Bernanke ist ja auch im Kampf und Draghi versucht zu folgen. Also wenn man Produkte so drucken koennte wie Geld, dann haette die Welt keine Sorgen. Umgekehrt aber kann dies nur in totaler Geldentwertung enden.

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