Börse Tokio
Japan rüstet gegen Spekulanten auf

Der starke Yen bereitet den Japanern Kopfzerbrechen. Die Regierung will nun im Kampf gegen Währungsspekulanten aufrüsten. An der Börse in Tokio ging dem Nikkei nach einem vielversprechenden Start die Puste aus.
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Tokio Beherrschendes Thema in Asien war wieder einmal der starke Yen. Japan will seinen Fonds für Währungsinterventionen aufstocken. Der Fonds solle um 15 Billionen Yen (umgerechnet rund 140 Milliarden Euro) auf 165 Billionen Yen erhöht werden, kündigte Finanzminister Jun Azumi am Freitag an. Dadurch solle mehr Spielraum für den Fall geschaffen werden, dass Japan erneut gegen Spekulanten vorgehen müsse, die den Yen antrieben. Azumi zufolge wird der Staatshaushalt bei der Zusammenstellung des - mittlerweile dritten - Sonderhaushaltes zum Wiederaufbau nach der Beben- und Atomkatastrophe entsprechend angepasst. Zudem werde eine Auflage bis Dezember verlängert, wonach Banken und Handelshäuser in Japan mehr Informationen über ihre Devisen-Positionen bereitstellen müssen.

Die Aktienmärkte in Fernost haben sich am Freitag uneinheitlich präsentiert. Zwar kam Hoffnung auf, dass die Staats- und Regierungschefs Europas eine Ausweitung der Schuldenkrise verhindern können. Vor allem die Zustimmung Deutschlands zum Ausbau des Euro-Rettungsschirms sorgte für Zuversicht. Doch in Tokio büßte der Nikkei seine Gewinne gegen Börsenschluss wieder ein und verabschiedete sich kaum verändert aus dem Handel. Damit verteidigte das japanische Börsenbarometer zwar annähernd seine Gewinne der letzten drei Tage, beendete aber zugleich das schwächste Quartal seit mehr als einem Jahr.

Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index schloss praktisch unverändert bei 8700 Zählern. Der breiter gefasste Topix-Index verlor 0,2 Prozent auf 761 Punkte. Die Börse in Korea trat auf der Stelle, während der Aktienmarkt in Taiwan leicht zulegte. Die Börsen in Singapur , und Shanghai und Hongkong mussten dagegen Einbußen hinnehmen.

Die Zustimmung des Bundestages zur Ausweitung des Euro-Rettungsschirms habe unter den Anlegern für etwas Erleichterung und Zuversicht gesorgt, sagte Mitsushige Akino von Ichiyoshi Investment. Zudem deckten sich die Investoren noch mit überdurchschnittlich leistungsstarken Titeln ein, um ihr Portfolio zum Quartalsschluss aufzupeppen. Doch große Sprünge konnte der Nikkei nicht machen, nachdem er schon am Donnerstag kurz vor Handelsschluss in der Erwartung eines positiven Euro-Votums in Deutschland zugelegt hatte.

Am japanischen Aktienmarkt standen die Bankenwerte im Mittelpunkt. Kreisen zufolge will Sumitomo Mitsui Financial den Konzern Promise komplett übernehmen. SMFG hält bereits 22 Prozent an dem Kreditgeber. Sumitomo-Aktien lagen zunächst 1,3 Prozent im Plus, schlossen aber 0,6 Prozent im Minus. Promise-Papiere wurden wegen zu starker Nachfrage vom Handel ausgesetzt.

Die Aussicht auf eine Konsolidierung der Branche weckte bei den Anlegern auch das Interesse an den Titeln anderer Finanzinstitute: Aiful schoss mehr als 16 Prozent in die Höhe und ging 7,6 Prozent höher aus dem Handel. Acom verteuerten sich um gut zwei Prozent.

Schlechter erging es dagegen den Finanztiteln an der Börse in Hongkong. Dort lasteten auf der Branche Befürchtungen, dass es zu einer für die Banken schmerzlichen Korrektur des Immobilienmarktes kommen könnte. China Minsheng Bank verlor 8,7 Prozent, der Immobilienkonzern Evergrande Real Estate stürzte sogar mehr als 17 Prozent in die Tiefe.

Vor Beginn einer feiertagsbedingten Schließung in der kommenden Woche büßte die Börse in Shanghai 0,3 Prozent ein. Unter Druck gerieten hier auch vor allem Exporttitel. Die chinesischen Behörden hatten zuvor eine Verringerung des Handelsüberschusses sowie einen Rückgang der Industriegeschäfte den dritten Monat in Folge gemeldet .

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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