Börse Tokio
Japanische Aktien stürzen wieder ab

Ein Belastungsmix aus Rezessionsängsten, schlechten US-Vorgaben und Sorgen vor dem starken Yen haben in Tokio massive Verkäufe ausgelöst. Der Nikkei-Index brach um mehr als elf Prozent ein.

HB TOKIO. Mit heftigen Kursverlusten ist der japanische Aktienmarkt dem Einbruch an den US-Börsen gefolgt. Der Nikkei-225-Index verlor 11,4 Prozent und rutschte auf 8 458 Punkte ab. Es war der größte Tagesverlust seit 1987. Damit hat der japanische Leitindex mehr als zwei Drittel seines historischen Gewinns vom Dienstag schon wieder eingebüßt.

„Tokio folgt den Vorgaben aus New York“, sagte Börsenexperte Hideyuki Ishiguro von Okasan Securities. „Die Anleger werfen Aktien in großen Mengen auf den Markt.“ Man müsse von Panikverkäufen sprechen. An der Wall Street war der Dow Jones Index am Mittwoch um knapp acht Prozent eingesackt, weil sich die Anleger vor einer tiefen Rezession fürchten.

Neben den Kursverlusten an der Wall Street sorgte auch der erneute Anstieg der Landeswährung Yen für Verkaufsdruck an der Börse in Tokio. In den vergangenen Jahren hatten viele Anleger den Yen als Basiswährung für Carry Trades genutzt. Dabei werden Kredite in einer Niedrigzinswährung wie dem Yen aufgenommen, um das Geld anschließend in Anlagen aus Ländern mit hohem Zinsniveau zu investieren. Mit der enorm gestiegenen Unsicherheit an den Märkten sind diese Carry Trades aber weitgehend eingeschlafen, viele Investoren lösen ihre Position zudem auf, sodass großer Aufwertungsdruck auf den Yen entsteht.

Der starke Yen – zwischenzeitlich mussten für einen Dollar weniger als 100 Yen bezahlt werden – ist ein großes Problem für die exportlastige japanische Wirtschaft. Entsprechend gaben Exporttitel auch stark nach. Die Aktie des Autogiganten Toyota büßte mehr als 9 Prozent ein. Die Papiere der Elektronnikriesen Sony und TDK verloren jeweils rund 13 Prozent.

Auch Halbleiterwerte gaben kräftig nach, nachdem der Halbleiterindex in den USA um 8,9 Prozent gefallen war. Advantest-Aktien sanken um rund 18 Prozent. Sorgen um eine schwächere globale Nachfrage nach Industriemetallen und der damit einhergehend rückläufige Ölpreis lasten zudem auf Rohstofftiteln. Itochu und Mitsui & Co. verbilligten sich jeweils um rund 17 Prozent. Die Papiere des Ölförderers Inpex Holdings verloren 14 Prozent.

Die Furcht vor den Folgen der Finanzkrise hatte den Nikkei bereits in der vergangenen Woche 24 Prozent abrutschen lassen. Allein am Freitag erlitt der Leitindex mit einem Minus von knapp zehn Prozent den bis dato größten Tagesverlust seit rund 21 Jahren. Nach den weltweiten Rettungspaketen vom Wochenende hatte der Nikkei dann am Dienstag mit einem Kurssprung von mehr als 14 Prozent den größten Tagesgewinn seiner fast 60-jährigen Geschichte erzielt.

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