Börse Tokio
Japanische Notenbank enttäuscht Investoren

Die Bank von Japan hat ihre Geldpolitik erneut lockert. Darauf hatten Investoren gehofft. Doch als die Nachricht die Runde machte, fielen die Kurse erneut. Der Nikkei-Index schloss im Minus.
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TokioEnttäuschende Konjunkturdaten haben die Tokioter Börse am Dienstag belastet. Die Industrieproduktion in Japan setzte ihre Talfahrt im September fort und fiel überraschend kräftig um 4,1 Prozent. Es ist der stärkste Rückgang seit dem rekordhohen Einbruch von 16,2 Prozent nach der Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe im März 2011. Experten hatten nur mit einem Minus von 3,3 Prozent gerechnet.

Schon im Juli und August war die Industrieproduktion in der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt gefallen. Nach einer Umfrage der Regierung rechnen die Unternehmen im Oktober mit einem weiteren Rückgang von 1,5 Prozent, bevor es im November mit 1,6 Prozent wieder aufwärtsgehen soll.

Den japanischen Firmen machen der starke Yen, die Schuldenkrise in Europa und Probleme auf ihrem wichtigen Export-Markt China infolge des Streits zwischen beiden Ländern um eine Inselgruppe zu schaffen. Der Streit schürte China anti-japanische Stimmungen in der Bevölkerung, wodurch die Geschäfte der Unternehmen in der Volksrepublik beeinträchtigt wurden.

Die japanische Notenbank verkündete wie erwartet eine weitere Konjunkturstütze. Im Kampf gegen eine drohende Rezession hat die Notenbank ihre Geldpolitik erneut gelockert. Ein Programm zum Ankauf von Anleihen und zur Vergabe von Krediten wird um umgerechnet 107 Milliarden Euro auf 884 Milliarden Euro ausgeweitet, wie die Zentralbank am Dienstag mitteilte.

Die Währungshüter beschlossen zudem, Geschäftsbanken langfristig zu günstigen Konditionen mit Geld zu versorgen. Eine Obergrenze wurde nicht festgesetzt. Der Leitzins bleibt dagegen unverändert. Investoren hatten sich offenbar mehr erwartet: Der Nikkei-Index rutschte nach der Bekanntgabe ins Minus und schloss mit einem Verlust von einem Prozent.

Bereits im September hatte die Notenbank ihr Programm zum Ankauf von Wertpapieren ausgeweitet. Die Währungshüter reagierten damit auf die sich eintrübenden Konjunkturperspektiven. Die Exportnation leidet unter der Schuldenkrise in Europa und dem starken Yen, der die Ausfuhren verteuert. Zudem belastet ein Streit mit dem wichtigen Handelspartner China um eine unbewohnte Inselgruppe die Geschäfte in der Volksrepublik.

Wegen des Handelsstopps an der Wall Street aufgrund des Supersturms "Sandy" wagten sich die Investoren aber kaum aus der Deckung. Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index drehte nach anfänglichen Gewinnen ins Minus und dann doch wieder ins Plus. Nachmittags lag er zeitweise 0,6 Prozent höher bei 8984 Punkten.

Auf Unternehmensseite stand Japans größtes Brokerhaus Nomura im Blickpunkt. Die Aktie legte rund zwei Prozent zu, nachdem das Geldhaus am Vortag mit einem florierenden Geschäft mit festverzinsliche Wertpapieren glänzen konnte. Der Zuwachs im Anleihe-Bereich konnte die Schwäche im Aktiengeschäft ausgeglichen und brachte dem Konzern den vierten Quartalsgewinn in Folge ein. "Die Ergebnisse von Nomura waren nicht so schlimm wie befürchtet", sagte ein Händler. Dies habe die Anleger ermutigt.

Die Aktien von Sharp kletterten um fünf Prozent. Auslöser war eine Meldung der Nachrichtenagentur Kyodo, wonach der angeschlagene Elektronikkonzern mit Apple, Google und Microsoft über die Lieferung von hochauflösenden Bildschirmen mit der neuen IGZO-Technologie verhandelt.

Die indische Notenbank hat dem Druck der Regierung stand gehalten und den Leitzins zur Ankurbelung von Investitionen nicht gesenkt. Der Zinssatz bleibe unverändert bei acht Prozent, teilten die Währungshüter am Dienstag mit. Gleichzeitig senkte die Zentralbank den Reservesatz der Banken und stellte eine Lockerung der Geldpolitik in Aussicht.

Während sich das Wirtschaftswachstum in Indien deutlich abgekühlt hat, erreichte die Inflationsrate in Asiens drittgrößter Volkswirtschaft im September einen Höchstwert von mehr als sieben Prozent.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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