Börse Tokio
Japanische Wirtschaft schmiert ab - Nikkei steigt trotzdem

Trotz neuer Hiobsbotschaften von der Konjunktur zogen die Kurse an der japanischen Börse zu Wochenbeginn an. Mit einem Bündel von Maßnahmen kämpfen die japanische Regierung und die Notenbank Bank of Japan gegen den Abschwung und die Kreditkrise an. Anleger schöpfen hieraus neuen Mut.

HB TOKIO. Die Börse in Tokio ist mit Gewinnen in die Woche gestartet. Vor allem konjunkturstützende Maßnahmen der japanischen Regierung sowie Erleichterung über die Hilfen für die US-Autobranche trieben die Kurse an. Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index notierte zum Handelsschluss in Tokio 1,5 Prozent höher bei 8 723 Punkten. Der Handel blieb jedoch dünn, da viele Investoren bereits auf dem Weg in den Urlaub waren. Japans Börsen bleiben am Dienstag wegen eines Feiertags geschlossen. An den anderen asiatischen Börsenplätzen dominierten weitgehend die Minuszeichen. In Hongkong gab der Hang-Seng-Index in der ersten Handelshälfte rund 1,6 Prozent nach.

Zu den größten Gewinnern in Tokio gehörten unter anderem Banktitel, nachdem die Bank of Japan am Freitag ihren Leitzins auf 0,1 von 0,3 Prozent gesenkt hatte und andere Schritte beschloss, um die Lage am Kreditmarkt zu entspannen. Die Bank of Japan kündigte zudem an, dem Markt mit Käufen von Commercial Papers und verstärkten Anleiherückkäufen zusätzliche Liquidität zur Verfügung zu stellen. Die Aktien von Mitsubishi UFJ Financial legten gut drei Prozent zu, die Papiere der Mizuho Financial Group gewannen mehr als vier Prozent hinzu.

Auch die Regierung springt der Wirtschaft zur Seite: Japans Kabinett hatte am Samstag einen zusätzlichen Etat in Höhe von 54 Milliarden Dollar gebilligt, um die zweitgrößte Volkswirtschaft vor einem noch tieferen Abgleiten in die Rezession zu bewahren. Wie ernst die Lage ist, zeigen neue Außenhandelsdaten: Japans Exporte sind wegen der Weltwirtschaftskrise im November so stark eingebrochen wie noch nie. Wie das Finanzministerium in Tokio am Montag bekanntgab, schrumpften die globalen Ausfuhren im Vergleich zum Vorjahresmonat um 26,7 Prozent. Das war der stärkste Rückgang seit Erfassung vergleichbarer Daten im Januar 1980.

Die Bank of Japan konstatiterte zudem erstmals seit sechseinhalb Jahren ihre Beurteilung eine Verschlechterung der Wirtschaftslage in Japan. Zurückzuführen sei dies auf die Eintrübung des Geschäftsklimas, den schwächeren Privatkonsum und einen deutlichen Produktionsrückgang.Dabei rechnet die BoJ damit, dass sich die Konjunkturlage in nächster Zeit weiter deutlich verschlechtern wird.

Dass die Kurse an der Börse Tokio trotzdem zulegten, erklärten Händler mit dem Eingreifen von Staat und Notenbank. Dank der Stützungsmaßnahmen sei der Markt nun wieder hoffnungsvoller, was die Gesamtlage angehe, da die Regierung alles in ihrer Macht stehende tue, um das Finanzsystem zu stützten, sagte Soichiro Monji von Daiwa SB Investments.

Von der guten Stimmung, die durch einen etwas fallenden Yen noch gesteigert wurde, profitierten auch die meisten Autobauer an der Börse: Die Aktien von Honda legten fast fünf Prozent zu, die des Rivalen Nissan stiegen rund 1,5 Prozent. Gegen den Trend verloren die Aktien von Toyota Motor vor der für nach Börsenschluss angekündigten Jahresend-Pressekonferenz knapp zwei Prozent. Japanischen Medienberichten zufolge könnte der Autobauer aufgrund der sinkenden Nachfrage und eines starken Yen in diesem Geschäftsjahr erstmals einen operativen Verlust verbuchen. Die Zeitung "Mainichi" berichtete zudem, Toyota könne die Dividende für das Geschäftsjahr streichen. Die Aktien des Toyota-Rivalen Honda legten dagegen fast fünf Prozent zu.

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