Börse Tokio
Kräftige Kursaufschläge trotz neuem Beben

Trotz des erneuten Erdbebens hat der japanische Aktienmarkt mit satten Gewinnen geschlossen. Anleger reagierten erleichtert, dass es nicht zu weiteren Großschäden kam.
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Tokio/HongkongDie Aktienmärkte in Fernost haben zum Wochenausklang zugelegt. Anleger reagierten erleichtert, dass das jüngste Beben in der japanischen Katastrophen-Region glimpflich verlief und keine größeren Schäden anrichtete. Die Nachricht von den neuen Erdstößen hatte die Börsen in den USA und in Europa am Vorabend noch ins Minus gedrückt. Der Euro legte nach der ersten Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank seit fast drei Jahren weiter zu. Der Ölpreis stieg wegen der anhaltenden Sorgen vor Lieferengpässen wegen des Bürgerkriegs in Libyen und der Unruhen in anderen arabischen Ländern auf den höchsten Stand seit zweieinhalb Jahren.
In Tokio schloss der Nikkei-Index der 225 führenden Werte 1,9 Prozent im Plus bei 9768 Punkten und damit auf dem höchsten Stand seit dem Beben vor vier Wochen. Der breiter gefasste Topix gewann 1,4 Prozent auf 853 Zähler. „Der Markt hat sich nach dem erneuten Beben als überraschend robust erwiesen“, sagte Analyst Takashi Ohba von Okasan Securities.
Auch an den anderen asiatischen Börsen ging es zumeist bergauf. Der chinesische Leitindex in Shanghai notierte 0,6 Prozent fester. Der Markt in Hongkong lag 0,7 Prozent höher. Die Börsen in Südkorea, Australien und Singapur legten ebenfalls zu. Dagegen gab der Markt in Taiwan leicht nach.
Der Nikkei konnte inzwischen mehr als zwei Drittel seiner Verluste nach dem verheerenden Erdbeben und dem Tsunami am 11. März wieder aufholen. Experten mahnten aber auch wegen der andauernden Unsicherheiten über die Folgen der Katastrophe im AKW Fukushima zu Vorsicht. „Die Leute kaufen zwar gerade Aktien, aber das wird nicht so lange anhalten“, sagte Fondsmanager Mitsushige Akino von Ichiyoshi Investment Management. „Die Aussichten für die wirtschaftlichen Fundamentaldaten und die Geschäfte der Unternehmen bleiben unklar.“
Zu den Gewinnern in Tokio zählte Toyota. Der weltgrößte Autobauer kündigte an, die durch das Beben unterbrochene Produktion in seinen japanischen Werken bis Ende des Monats zumindest wieder zu 50 Prozent anzufahren. Die Toyota-Aktie legte 1,4 Prozent zu. Rivale Honda erklärte, in zwei bis drei Monaten wieder mit voller Kraft produzieren zu können. Die Honda-Titel gewannen ebenfalls 1,4 Prozent.

Um fast 24 Prozent in die Höhe schossen die zuletzt schwer gebeutelten Aktien des Fukushima-Betreibers Tepco. Die Analysten von Mizuho Securities senkten zwar das Kursziel für die Aktie auf 900 Yen. Es liegt damit aber immer noch mehr als doppelt so hoch wie der gegenwärtige Kurs der Aktie. Zudem stuften die Experten das Papier mit der Note „outperform“ ein.

Langfristig muss sich die Konjunktur jedoch auf eine Durststrecke einstellen. Die Zentralbank befürchtet, dass die Industrieproduktion und die Exporte für eine ganze Zeit auf einem niedrigen Niveau verharren werden. Erst wenn die durch das Erdbeben und den Tsunami vor vier Wochen unterbrochene Zulieferer-Kette intakt sei, werde die Produktion wieder anspringen. Zudem dürfte der private Konsum zurückgehen. Die Regierung in Tokio warnt, dass die Wirtschaft in einer ernsten Lage sei. Sie ruft die Unternehmen und Privathaushalte auf, wegen der Schäden an Kraftwerken und Leitungen in den Sommermonaten Energie zu sparen, um größere Stromausfälle zu verhindern. Die Tokioter Börse hat bereits reagiert und die eigenen Pläne für längere Handelszeiten als hinfällig erklärt.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • vermutlich kennen die Händler das brisante AREVA-Dokument zu den wahren katastrophalen Verhältnissen um Fukushima noch nicht, das die abgrundtief verlogene Informationspolitik von TEPCO und Japanischer Regierung dokumentiert

    http://www.wdr.de/tv/monitor//sendungen/2011/0407/pdf/areva-fukushima-report.pdf

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