Börse Tokio
Kurse plumpsen wie schon an der Wall Street

Der Handelstag an den asiatischen Börsen steht unter keinen guten Vorzeichen. Wie in New York rutschen auch in Tokio die Kurse in den Keller. Die Enttäuschung über die EZB und den EU-Gipfel sitzt tief.
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TokioDie ersten Marktreaktionen auf den EU-Gipfel sind am Freitag in Fernost negativ ausgefallen. Enttäuscht von den Ergebnissen der stundenlangen Verhandlungen in Brüssel schickten die Anleger die Börsenbarometer der Region auf Talfahrt. Marktteilnehmer sprachen aber auch von überzogenen Erwartungen an die Politik. „Insgesamt bewegt sich Europa in die richtige Richtung“, räumte Ryota Sakagami von SMBC Nikko Securities ein. Die EU hatte in der Nacht eine Fiskalunion der Euro-Zone vorangebracht, den dauerhaften Rettungsschirm ESM zur Enttäuschung der Märkte aber nicht mit einer Banklizenz ausgestattet. Auch die Weigerung der EZB, zur Linderung der Schuldenkrise massiv Staatsanleihen zu kaufen, sorgte in Asien für Verdruss.

Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index schloss in Tokio 1,5 Prozent im Minus bei 8536 Zählern. Der breiter gefasste Topix-Index verlor 0,9 Prozent auf 738 Punkte. Auch die Börsen in Singapur, Taiwan, Korea und Shanghai mussten Federn lassen. Besonders steil bergab ging es in Hongkong mit einem Minus von 2,5 Prozent. Am Vorabend hatte schon die Wall Street mit kräftigen Abschlägen auf die Entwicklung in Europa reagiert.

Auf dem Krisengipfel in Brüssel einigten sich die 17 Euro-Staaten zusammen mit sechs Nicht-Euro-Länder der EU auf verschärfte Spar- und Kontrollauflagen. Die von Deutschland und Frankreich geforderte Änderung des EU-Vertrages der 27 Mitgliedstaaten scheiterte aber vor allem am Widerstand Großbritanniens.

Doch die Märkte hatten auf die EZB als die ultimative Retterin in der Not gesetzt. Auch dass sich die Bundesrepublik mit ihrer Ablehnung von Euro-Bonds durchsetzte, missfiel einigen Investoren. „An den Märkten wird es allein durch die Verständigung auf eine Fiskalunion keine Entspannung geben“, sagte Junya Tanase von JPMorgan Chase in Tokio. Der EU-Gipfel wurde am Freitag fortgesetzt.

Bei den Einzeltiteln standen an den japanischen Börsen die Aktien des Autoherstellers Toyota im Mittelpunkt. Der VW-Rivale rechnet in diesem Geschäftsjahr mit einem deutlich geringeren Betriebsgewinn als bisher. Zur Begründung führte Toyota Produktionsausfälle nach den Überschwemmungen in Thailand an. Doch die Märkte ließen sich kaum von dieser Entschuldigung trösten: Toyota-Papiere gaben 0,4 Prozent nach.

In Südkorea konnte der Handy-Riese Samsung nicht von seinem Etappensieg gegen den US-Rivalen Apple profitieren. Ein Gericht in Australien hatte ein von dem iPhone- und iPad-Hersteller beantragtes Verkaufsverbot der Galaxy-Geräte aufgehoben. Die Samsung-Aktie gab trotzdem mehr als ein Prozent nach. Am Donnerstag war Samsung mit dem Versuch gescheitert, in Frankreich per Gerichtsentscheid den Verkauf des iPhone 4s zu verhindern.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • @AMI-Comeback
    Na ja, jede Gemeinschaft braucht einen Pausenclown. Eventuell haben sie ja ein / zwei Trimester in Amiland studiert und sind bis heute beeindruckt wie weit man dann mit 50% Halbwissen kommen kann. Da torkeln ja einige Beispiele auf Managerebene herum. Allerdings sollten auch sie sich anstrengen nicht immer auf der falschen Seite dieser 50% zu stehen. Es fällt wirklich auf.

  • Ihre Schlußfolgerungen werden nicht realistischer, auch wenn Sie sie noch zig mal wiederholen.
    Bitte gegebenfalls Tastatur Repeat überprüfen.

    Schönen Tag noch.

  • Der permanente Kapitaltransfer von Süden nach Norden über die Leistungsbilanzüberschüsse und -defizite wird mit Sicherheit zu politischer Unruhen innerhalb der Eurozone führen.
    Automatische Sanktionen, wie immer wieder von Merkel verlangt, würden dieses Kapitaltransfer nur noch vergrößern.
    Wichtig und richtig wären Vertragsänderungen die diese Leistungsbilanzungleichgewichte verhindern, damit die schwächere Wirtschaften nicht von den stärkeren erstickt werden. (wegen der Freihandelszone)
    Diese Änderungen wären im Interesse Europas und folglich auch langfristig im Interesse Deutschlands.
    Solange aber die Merkozy das Sagen haben wird genau in die entgegen und falsche Richtung hingearbeitet.
    Es wäre daher wünschenswert wenn die USA wieder für Ordnung in Europa sorgten, und diesmal rechtzeitig.

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