Börse Tokio legt zu
Aktien-Anleger greifen in Asien wieder zu

Die japanische Wirtschaft hat mit den Auswirkungen von Erdbeben und Tsunami zu kämpfen. Der Bürogerätehersteller Ricoh kündigte an, 10.000 Jobs streichen zu wollen. Trotzdem verbucht die Börse Gewinne.
  • 2

Tokio/HongkongDer japanische Nikkei-Index hat nach dem gestrigen Zweimonatstief Gewinne verbucht.

Eine Erholung von Rohstoffpreisen und des Euro hat am Donnerstag den Börsen in Fernost Auftrieb gegeben. Die Investoren kehrten an die Märkte zurück und deckten sich insbesondere mit Rohstoff- und Konsumtiteln ein. Gefragt waren ferner Aktien, die zuletzt eher schwach abschnitten. Die weiteren Perspektiven für die Aktienmärkte beurteilten Börsianer allerdings skeptisch. Sie verwiesen darauf, dass zur Jahresmitte das gigantische Anleihenkauf-Programm der US-Notenbank (Fed) abläuft und viele Schwellenländer aus Angst vor einer konjunkturellen Überhitzung ihre Wirtschaft drosseln. „Die aufstrebenden Volkswirtschaften, die der Motor des globalen Wachstums waren, schwächen sich ab, nachdem viele von ihnen geldpolitisch die Zügel angezogen haben“, sagte Investmentstratege Norihiro Fujito von Mitsubishi UFJ Morgan Stanley Securities.

In Tokio schloss der 225 Werte umfassende Leitindex Nikkei 1,5 Prozent höher mit 9.562 Zählern. Der breiter gefasste Topix-Index lag 1,1 Prozent im Plus bei 827 Punkten. Auch die Börsen in Hongkong, Shanghai, Südkorea und Taiwan legten zu. Singapur notierte wenig verändert.

Am japanischen Markt griffen viele Investoren nach Aktien, die aufgrund der jüngsten Kursverluste aus ihrer Sicht günstige Einstiegsmöglichkeiten boten. So zogen die Titel des Baumaschinenherstellers Komatsu um ein Prozent an. Der Kurs des Kopiererherstellers Ricoh kletterte um vier Prozent. Das Unternehmen will seine Belegschaft um fast zehn Prozent abbauen, um mehr Gewinn machen zu können. Die Aktie des Konkurrenten Canon sprang sogar um 5,8 Prozent nach oben. Das Management kündigte einen Aktienrückkauf im Volumen von umgerechnet bis zu 432 Millionen Euro an. Außerdem wurde die Tokioter Börse gestützt durch den Start von zwei Anlagefonds, die in japanische Aktien investieren.

Am Devisenmarkt legte der Euro 0,6 Prozent zu auf 1,4160 Dollar. Dazu trug bei, dass Hedgefonds ihre Wetten gegen die Gemeinschaftswährung zurückfahren. Außerdem reagierten Anleger auf einen Bericht der „Financial Times“, wonach China und andere asiatische Investoren voraussichtlich einen großen Teil des Rettungspaketes für Portugal mit dem Kauf von Anleihen finanzieren werden. Der Euro-Rettungsfonds EFSF will Mitte Juni die ersten Bonds für das 78 Milliarden schwere Hilfsprogramm begeben.

Für den Zuwachs in Tokio sorgte unter anderem die Gründung von zwei Investmentgesellschaften, die in dieser Woche japanische Aktien kaufen. Der Nikkei der 225 führenden Werte notierte im späten Handel mit einem Plus von 1,4 Prozent bei 9.554 Punkten. Der breiter gefasste Topix-Index stieg um 1,1 Prozent auf 826 Zähler. Marktteilnehmern zufolge sind weitere Gewinne aber eher unwahrscheinlich. In Hongkong legte der Hang-Seng-Index um 0,49 Prozent auf 22.857 Punkte zu.

Sorgen bereitet etwa das Ende des Sonderliquiditätsprogrammes der US-Notenbank. Auch die straffere Geldpolitik in Schwellenländern könnte nach Ansicht von Investoren zu einem schwächeren Wirtschaftswachstum in der Welt führen. Die japanische Wirtschaft kämpft ohnehin noch mit den Auswirkungen des verheerenden Erbebens im März.

Im Interesse der Anleger standen Papiere des Bürogeräteherstellers Ricoh, der nach einem Bericht der Zeitung „Nikkei“ rund 10.000 Arbeitsplätze streichen will. Die Aktien lagen 7,2 Prozent im Plus. Für Canon ging es um 5,5 Prozent aufwärts. Der Kamerahersteller hatte bekanntgegeben, eigene Aktien zurückzukaufen.

Offenbar Anschläge in China

Keine Auswirkungen auf die überwiegend freundliche Performance der asiatischen Märkte hatte zunächst eine Serie von Detonationen vor Regierungsgebäuden in der chinesischen Provinz Jiangxi.

Eine Serie von Explosionen hatte Behördenangaben und Medienberichten zufolge am Donnerstag die südchinesische Stadt Fuzhou erschüttert. Innerhalb von 30 Minuten hätten sich vor drei Regierungsgebäuden in der Stadt Detonationen ereignet, einige davon seien auf Autobomben zurückzuführen, hieß es. Es habe Tote gegeben.

Nach Angaben des Informationsbüros der chinesischen Provinz Jiangxi explodierte vor dem Büro der Staatsanwaltschaft in Fuzhou ein Auto. Zehn Minuten später habe sich vor einem Gebäude der Bezirksregierung eine Explosion ereignet. Weitere 15 Minuten später sei ein Auto vor dem Büro einer Arzneimittelverwaltung explodiert.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Börse Tokio legt zu: Aktien-Anleger greifen in Asien wieder zu"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Jajaja, die Tokioyaner mal wieder. Würden wir die Beteiligungen aus dem ING Investment mal außen vor lassen, würde nicht mehr als ein kryptoneller SCX-Zyklus vorliegen. Aber nein, die guten alten Bankster aus der gothischen Blechbläserzeit müssen ja ihre undurchsichtigen Hedging Ballesken durchziehen. Call, Put, Schutt... nein nein nein nicht zuletzt aufgrund des YENS gehen die gratotalen Schinkenspicker der örtlichen Rammsch-Messe auf die Barrikaden. Was hier abläuft ist jenseits von Gut und Böse. Ich schließe mich den Worten von Herrn Yingjariki an uns sage: "shiawase kon tau"
    Vielen Dank!

  • Jajaja, die Tokioyaner mal wieder. Würden wir die Beteiligungne aus dem ING Investment mal außen vor lassen, würde nicht mehr als ein kryptoneller SCX-Zyklus vorliegen. Aber nein, die guten alten Bankster aus der gothischen Blechbläserzeit müssen ja ihre undurchsichtigen Hedging Ballesken durchziehen. Call, Put, Schutt... nein nein nein nicht zuletzt aufgrund des YENS gehen die gratotalen Schinkenspicker der örtlichen Rammsch-Messe auf die Barrikaden. Was hier abläuft ist jenseits von Gut und Böse. Ich schließe mich den Worten von Herrn Yingjariki an uns sage: "shiawase kon tau"
    Vielen Dank!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%