Börse Tokio
Nikkei-Index erholt sich auf mehr als 9000 Punkte

Schlechte Zahlen einiger großer US-Konzerne haben die Stimmung am japanischen Aktienmarkt zunächst gedrückt. Die Kurse fallen knapp ein Prozent, erholen sich dann jedoch ins Plus. China will die Konjunktur ankurbeln.
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TokioDie schwachen Unternehmenszahlen aus den USA haben zum Wochenauftakt die Märkte in Asien belastet. Auch ein erneuter Rückgang der japanischen Exporte im September drückte am Montag auf die Stimmung. Ein schwacher Yen stützte japanische Exporttitel und begrenzte so den Rückgang in Tokio. Bei den Einzelwerten stach Sharp heraus mit einem Plus von 7,4 Prozent. Medienberichten zufolge erhöht der Bildschirm-Hersteller seine Kapazitäten.

In Tokio schloss der 225 Werte umfassende Nikkei-Index nach einer Talfahrt im Verlauf sogar noch etwas höher: bei 9010 Punkten. Auch der breiter gefasste Topix-Index trat bei 753 Zählern auf der Stelle. Während der Markt in Hongkong positiv tendierte, zeigten sich Australien, Südkorea und Taiwan schwächer. Der Schwung am Markt sei verflogen und damit überwiegten die Gewinnmitnahmen, erklärte Oh Tae Dong von Taurus Securities. Auch Ric Spooner von CMC Markets sagte, nach einer mehrwöchigen Rally sei dem Markt der Dampf ausgegangen.

Die Ausfuhren aus Japan gingen im September den vierten Monat in Folge zurück, wie das Finanzministerium mitteilte. Der Rückgang betrug im Vergleich zum Vorjahr 10,3 Prozent, während Analysten mit 9,6 Prozent gerechnet hatten. Die neuen Daten verstärken die Furcht, dass Japans Wirtschaft in eine Rezession abgleiten könnte.

Nach schwächeren Geschäftsaussichten für den US-Chipkonzern Advanced Micro Devices ließen die Händler in Tokio zunächst die Finger von japanischen Wettbewerbern. Anteilsscheine von Tokyo Electron, Shinko Electric Industries und Ibiden lagen im Verlauf im Minus, konnten sich aber bis zum Handelsschluss zur Nulllinie retten. Ibiden-Aktien legten sogar leicht zu.

Exportwerte wie Cannon profitierten von einem schwächeren Yen-Kurs zum Dollar - die japanische Währung stieg kurz nach dem Schluss des Aktienmarkts auf ein Drei-Monats-Hoch von 79,66 Yen. Der Wahlerfolg des spanischen Regierungschefs Mariano Rajoy bei Kommunalwahlen in Galicien stützte unterdessen den Euro: Die Gemeinschaftswährung notierte mit 1,3052 Dollar leicht über ihrem New Yorker Freitagsschluss von 1,3022 Dollar.

Der US-Agrarkonzern Archer Daniels Midland greift nach dem letzten unabhängigen australischen Getreide-Händler GrainCorp. Das Unternehmen habe ein Gebot über 2,8 Milliarden Dollar abgegeben, teilte GrainCorp in der Nacht zu Montag mit. Aktien von GrainCorp sprangen mehr als 40 Prozent in die Höhe und lagen mit 12,4 Dollar über dem Angebotswert. Investoren spekulierten auf einen Bieterwettkampf oder ein höheres Angebot.

GrainCorp teilte mit, die Offerte prüfen zu wollen. ADM hält bereits fast 15 Prozent an den Australiern. Die Branche konsolidiert sich und steckt im harten Wettbewerb, aufstrebende Nationen zu versorgen.

Die chinesische Führung zieht offenbar eine ehrgeizige Reformagenda in Betracht, um dem abflauenden Wirtschaftswachstum entgegenzuwirken. Mehrere Regierungsberater sagten am Sonntag, sie seien um die ambitioniertesten Pläne seit Jahrzehnten gebeten worden. Es gehe etwa darum, die Privilegien der Staatsbetriebe zu beschneiden, aber auch Zinsen freier zu setzten.

Ganz oben auf der Liste steht demnach die Frage, wie die Einmischung der Staates in die Wirtschaft eingegrenzt werden kann. Daneben geht es darum, wie die enormen Vorteile der mehr als 100.000 Staatsbetriebe gemindert werden können, die sie derzeit etwa beim Zugang zu Krediten oder Regierungsaufträgen genießen. Die Regierung müsse fundamentalere Reformen anschieben, sagte Shi Xiaomin, Vize-Präsident der Gesellschaft für Wirtschaftsreformen, einem Think-Tank unter dem Dach des führenden Planungsausschusses.

Der Auftrag für die Reformpläne kam nach Angaben der Berater von Mitgliedern des Staatsrates. Die Führung der Volksrepublik soll in wenigen Wochen wechseln. Beim Kongress der Kommunistischen Partei ab dem 8. November soll Xi Jinping das Präsidentenamt von Hu Jintao übernehmen. Li Keqiang wird Wen Jiabao als Ministerpräsidenten ersetzen.

Das Wachstum der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt war im dritten Quartal auch wegen der sinkenden Investitionen mit 7,4 Prozent so schwach ausgefallen wie seit mehr als drei Jahren nicht mehr. Dem Exportweltmeister macht die Rezession in vielen Euro-Ländern und die Flaute in den USA zu schaffen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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