Börse Tokio: Nikkei-Index klettert auf Siebenmonatshoch

Börse TokioNikkei-Index klettert auf Siebenmonatshoch

Die Stimmung an der Börse in Tokio bleibt gut. Überraschend gute Industriedaten und ein schwächerer Yen treiben die Aktienkurse weiter hoch. Auch an anderen Aktienmärkten in Fernost griffen die Investoren zu.
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TokioAn Asiens Aktienmärkten haben die Investoren vor dem Monatsende noch einmal zugegriffen. Die Börsenbarometer kletterten am Freitag teils auf die höchsten Stände seit mehreren Monaten. In Japan stützte insbesondere der schwächere Yen weiter die Kurse.

Etwas in den Hintergrund trat das Gezerre im US-Haushaltsstreit. Präsident Barack Obamas republikanischer Gegenspieler John Boehner sorgte am Donnerstag für einen Stimmungsdämpfer mit der Einschätzung, dass es in den vergangenen beiden Wochen keine signifikanten Fortschritte gegeben habe.

Doch auch an der Wall Street hatte diese Bemerkung keine durchschlagende Wirkung, die Indizes legten am Donnerstag moderat zu. Noch am Mittwoch hatte sich Boehner optimistisch gezeigt, dass die USA das an den Märkten derzeit beherrschende Problem der sogenannten Fiskalklippe lösen und eine Rezession damit abwenden können.

"Der Markt hängt an Stimmungsschwankungen von Investoren, die auch kleinen Wendungen in den US-Haushaltsgesprächen viel Aufmerksamkeit schenken", sagte Analyst Takuya Takahashi von Daiwa Securities. Mit Blick auf die Tokioter Börse fügte er hinzu: "Aber solange der Yen nicht weit über die aktuellen Stände steigt, dürften wir einen langsamen, aber kontinuierlichen Anstieg des Marktes sehen."

Investoren gehen davon aus, dass die japanische Parlamentswahl am 16. Dezember zu einem Regierungswechsel führen wird, und wetten auf eine weitere Lockerung der Geldpolitik. Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index schloss 0,5 Prozent höher auf 9446 Punkten. Im Handelsverlauf hatte das Barometer das höchste Niveau seit Ende April markiert. Der breiter gefasste Topix gewann 0,3 Prozent auf 781 Stellen.

Erneut standen die Aktien von exportstarken Unternehmen im Mittelpunkt. Die Papiere von Nissan legten 0,9 Prozent zu, Canon 1,2 Prozent. Hitachi schossen 4,2 Prozent in die Höhe, nachdem das Unternehmen eine Zusammenlegung von Kraftwerkstechnik-Geschäften mit denen von Mitsubishi Heavy angekündigt hatte. Der Kurs von Mitsubishi Heavy stieg drei Prozent.

Auch an anderen Märkten in Fernost waren die Anleger in Kauflaune. Der MSCI-Index für die Region Asien-Pazifik mit Ausnahme Japans rückte 0,6 Prozent vor. Er hatte zuvor seinen höchsten Stand seit Anfang März erreicht.

Das Wirtschaftswachstum Indiens hat sich leicht abgeschwächt. Im dritten Quartal zog das Bruttoinlandsprodukt um 5,3 Prozent an nach 5,5 Prozent im vorherigen Vierteljahr, wie am Freitag veröffentlichte Daten der Regierung zeigen. Der Anstieg fiel zudem etwas schwächer aus als erwartet. Volkswirte hatten im Schnitt mit einem Plus von 5,4 Prozent gerechnet.

Die drittgrößte Volkswirtschaft Asiens wächst immer noch schneller als die meisten anderen großen Länder. Doch die Konjunktur hat sich merklich abgekühlt. Im Fiskaljahr 2011/12 betrug die indische Wachstumsrate noch 6,5 Prozent und in den zwei vorangegangenen Jahren jeweils 8,4 Prozent.

Die Industrieproduktion in Japan ist im Oktober überraschend gestiegen. Wie aus am Freitag veröffentlichen Daten hervorging, stieg sie um 1,8 Prozent, während Analysten im Durchschnitt ein Minus von 2,2 Prozent erwartet hatten. Im September war die Industrieproduktion überraschend deutlich um 4,1 Prozent gefallen. Die Entwicklung im Oktober nährte Hoffnungen, dass die japanische Wirtschaft das Gröbste überstanden haben könnte. Nach einer Umfrage der Regierung rechnen die Unternehmen im November mit einem kleinen Rückgang von 0,1 Prozent, bevor es im Dezember mit 7,5 Prozent wieder deutlich nach oben gehen soll.

"Es sieht so aus, als habe die Wirtschaft ihre Talsohle früher durchschritten als angenommen", sagte Wirtschaftsexperte Tatsushi Shikano von Mitsubishi UFJ Morgan Stanley Secrurities. Dennoch könnte die Zentralbank der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt bereits im kommenden Monat mit weiteren Maßnahmen unter die Arme greifen. Japanische Firmen leiden unter der mauen Weltwirtschaft sowie Problemen auf dem wichtigen Exportmarkt China infolge eines Streits der beiden Länder um eine Inselgruppe. Viele Chinesen boykottierten deshalb japanische Waren.

An den fernöstlichen Devisenmärkten notierte der Euro mit 1,3005 Dollar über seinem Niveau im New Yorker Handel am Donnerstagabend.

 

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