Börse Tokio
Nikkei schließt unter 9000 Punkten

Belastet von der Furcht vor einer globalen Konjunkturflaute sind die Aktienmärkte in Fernost mit Verlusten in die neue Handelswoche gestartet. In Tokio fiel der Nikkei unter 9000 Punkte.
  • 1

TokioNach dem enttäuschende US-Arbeitsmarktbericht vom Freitag schürte am Montag auch die sinkende Inflationsrate in China die Angst der Anleger, dass der Weltwirtschaft die Puste ausgeht. Investoren blickten zudem mit banger Hoffnung auf ein Treffen der Eurofinanzminister am Nachmittag und scheuten deshalb das Risiko. Schließlich überbaten sich die Themen in Brüssel schon im Vorfeld förmlich an Brisanz: Sie reichen von einer Reform der Bankenaufsicht über die Verwendung von Geld aus den Rettungsfonds EFSF und ESM, Hilfen für Spanien und Zypern bis hin zur Lage im hoch verschuldeten Griechenland.
Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index schloss 1,4 Prozent im Minus bei 8896 Zählern. Der breiter gefasste Topix-Index verlor 1,0 Prozent auf 763 Punkte. Auch die Börsen in Hongkong, Shanghai, Singapur und Korea büßten jeweils mehr als ein Prozent ein, nur in Taiwan fielen die Verluste etwas milder aus.

Die US-Arbeitsmarktzahlen hatten am Freitag schon die Wall Street nach unten gezogen. Die amerikanische Wirtschaft schuf im Juni weniger neue Stellen als erwartet. So stieg die Zahl der Beschäftigten nur um 80.000, statt wie von Ökonomen erwartet um 90.000. Dies ließ Forderungen nach neuen Konjunkturmaßnahmen der US-Notenbank lauter werden, die am Montag auch ein Fed-Spitzenvertreter selbst bei einem Besuch in Asien äußerte: Im Kampf gegen die hohe Arbeitslosigkeit müsse die Fed energischere Schritte zur Lockerung der Geldpolitik unternehmen, sagte der Präsident der Federal Reserve von Chicago, Charles Evans, in Bangkok.
Genau diese Verbindung zwischen Bangen um den US-Jobmarkt und Hoffen auf die Fed-Politik trieb am Montag die asiatischen Anleger um. "Die zentrale Frage ist, ob die Sorge in dem Ausmaß zunimmt, dass die Federal Reserve mit QE3 beginnt", sagte Hiroyuki Fukunaga von Investrust mit Blick auf eine dritte Runde des als "Quantitative Easing" bezeichneten Anleihekaufprogramms.

In China schwächte sich der Preisanstieg stärker ab als erwartet, was die Anleger als Fluch und Segen zugleich wahrnahmen. Zwar untermauert die Entwicklung den Trend eines sich verlangsamenden Wirtschaftswachstums auch in der Volksrepublik, gleichzeitig erhöht sie die Chance auf eine Lockerung auch der chinesischen Geldpolitik.
In Tokio litten aber zunächst Maschinenbauer wie Komatsu und Sumitomo Heavy Industries unter einem drohenden Rückgang von Aufträgen aus dem Reich der Mitte. Schon im Mai fielen Bestellungen in der Branche insgesamt mit Rekordgeschwindigkeit, wie aus neusten Statistiken hervorging. Komatsu-Aktien büßten vier Prozent ein, Sumitomo-Papiere 3,3 Prozent. Die Hoffnung auf Konjunkturmaßnahmen der chinesischen Notenbank begeisterte die Anleger dagegen für mittelgroße Reeder, die von einem solchen Schritt besonders profitieren würden. So legten die Titel von Meiji Shipping 3,4 Prozent zu.
Für einen besonders drastischen Auftragseinbruch abgestraft wurde die Aktie des Maschinenbauers Tokyo Electron. Der Hersteller von Geräten zur Fertigung von Computerchips verlor 6,1 Prozent.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Börse Tokio: Nikkei schließt unter 9000 Punkten"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Welch ein Wunder, oh, der EURO schmiert ab....

    Die anglo-amerikanische Finanzmafia hat sich doch bereits seit längerem auf den Absturz vorbereitet und sitzt bereits auf dicken Gewinnen.

    Schon vor Tagen wurde im Börsen-TV gesagt, nun gelte es, die 1,20 zu verteidigen. Na die Parität zum $ schaffen wir sicher auch noch. Und eine Pleite eines Euro-Staates ebenso. Und die Finanz-Mafia hat wieder alles richtig gemacht und neue Milliardäre kreiert...

    Nach Roubini werden wir noch mehr Federn lassen, er sprach von 20-30 %...

    Merkel sagte in Frankreich ganz aktuell: Europa ist "mehr als Währung", ja warum verteidigt man denn noch die Währung? Ist doch eh alles egal, oder?

    Und Merkel und Hollande zelebrieren sogar auch wie gehabt bei Sarkozy nun Küßchen hier und da, man ist sich wieder so nah und ganz einig. Freundschaft eben....

    Unsere Politiker sind auf eine Schauspielbühne abgedriftet und merken es nicht einmal.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%