Börse Tokio
Nikkei verliert nach Griechen-Nein

Tokio startet unsanft in die Woche, nachdem die Griechen in einem Referendum gegen die Reformpläne der Euro-Länder gestimmt haben. Der japanische Leitindex Nikkei startet mit einem Minus von 1,65 Prozent in den Handel.
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TokioIn Japan versuchte Finanzminister Taro Aso die Märkte noch vor dem Handelsbeginn an der Tokioter Börse zu beruhigen. „Die wirtschaftlichen und finanziellen Beziehungen zwischen Griechenland sind begrenzt“, sagte Aso. Außerdem signalisierte er, dass die Regierungen und Notenbanken in aller Welt eng kooperierten, um mögliche Folgen einzudämmen. Auch Japans Notenbank-Chef Haruhiko Kuroda meldete sich zu Wort: „Wir werden die Entwicklung der Märkte beobachten, während wir mit Organisationen daheim und im Ausland eng kooperieren.“

Damit stärkten Japans finanz- und geldpolitischen Wortführer Asiens Mantra, dass die Auswirkungen der Griechenland-Krise schon nicht auf die Boomregion der Welt übergreifen würden. Auch die Märkte folgen dieser Auffassung.

Zwar gaben die Aktienmärkte in Japan und Südkorea nach. In Tokio schloss der 225 Werte umfassende Leitindex Nikkei 2,08 Prozent im Minus bei 20.112 Punkten. Der breiter gefasste Topix rutschte um 1,92 Prozent nach unten auf 1620 Punkte. Aber Händlern zufolge reagierten die Märkte nicht panisch. Es gebe keine Anzeichen für Liquiditätsengpässe.

Japans Strategen warnen allerdings, dass es noch weiter bergab gehen könnte. „Japans Aktien werden wahrscheinlich durch eine globalen Risk-off-Stimmung beeinträchtigt werden“, meint die japanische Investmentbank Nomura in einem ersten Kommentar. Der Nikkei-225-Aktienpreisdurchschnitt könnte daher die 20000-Yen-Marke testen. Doch den eigentlichen Härtetest erwarten die Beobachter noch.

Der Fokus werde sich von nun an auf die Reaktion der Europäischen Zentralbank und die Zinsen für italienische Staatsanleihen verlagern. Falls die EZB die griechischen Banken weiterhin unterstützt, könnte eine Bankenkrise in dem Land zurzeit noch verhindert werden, so die Japaner. „Aber wenn die Wahrscheinlichkeit steigt, dass Griechenland die Euro-Zone verlässt, erwarten wir, das die Zukunftsfähigkeit des Euro Thema wird.“

Noch gehen die Asiaten allerdings davon aus, dass die Europäer die Lage kontrollieren können. In ihrem Szenario gehen sie davon aus, dass die Anleger zuerst auf erneute Abwertungen der Kreditwürdigkeit von Ländern in der europäischen Peripherie warten und und auf italienische Zinsen schielen. „Aber wir erwarten nicht, dass Griechenlands Probleme auf Italien übergreifen.“ Denn die EZB ein Kaufprogramm für Staatsanleihen aufgelegt.

Im Planspiel der japanischen Berufsoptimisten könnte sich das griechische Leid als Japans Freude entpuppen. „Wenn die Krise auf Griechenland beschränkt wird, erwarten wir, dass japanische Aktien von der reichlich vorhandenen Liquidität profitieren werden.“
Die möglichen Folgen einer Infektion Italiens oder gar anderer europäischer Staaten malten die Strategen ihren Kunden bisher allerdings lieber nicht aus.

Martin Kölling, Handelsblatt-Redakteur und Korrespondent in Tokio. Quelle: privat
Martin Kölling
Handelsblatt / Asien-Korrespondent

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