Börse Tokio
Schwache China-Daten enttäuschen Asiens Märkte

Die neunte Woche in Folge sind die japanischen Aktienkurse gefallen. Nur wenige Punkte fehlen dem Nikkei-Index noch, um die Jahrestiefs aus dem Januar einzustellen.
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Enttäuschende Konjunkturdaten aus China und den USA haben am Freitag die Aktienmärkte in Asien belastet. Der offizielle Einkaufsmanager-Index für die chinesische Industrie fiel im Mai überraschend kräftig auf 50,4 Punkte und damit den tiefsten Stand des Jahres. Im April hatte er noch ein 13-Monats-Hoch von 53,3 Punkten erklommen. Ebenfalls auf die Stimmung drückte, dass die US-Wirtschaft im ersten Quartal stärker an Tempo verlor als bislang angenommen. Beides schüre Sorgen, dass sich die Schuldenkrise in Europa immer stärker auf die Weltwirtschaft auswirke, sagten Händler. Die Befürchtungen trieben auch den Yen an, der gegenüber dem Euro so hoch notierte wie zuletzt vor elfeinhalb Jahren. Dies belastete vor allem Exportwerte, die bereits mit einer sinkenden Nachfrage kämpfen.

Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index verlor 1,2 Prozent auf 8440 Punkte und beendete damit die neunte Woche in Folge mit Verlusten. Das ist die längste Durststrecke seit 20 Jahren. Seit dem Ein-Jahres-Hoch am 27. März ist der Leitindex um mehr als 17 Prozent eingebrochen. Der breiter gefasste Topix-Index gab knapp 1,5 Prozent auf 708 Punkte nach. Es war ebenfalls die neunte Woche in Folge mit Verlusten und damit die längste Serie seit 1975. Auch die Märkte in Taiwan, Australien, Singapur und Südkorea lagen im Minus. Lediglich in Hongkong ging es leicht bergauf.

Exportwerte zählten zu den größten Verlierern. So büßten die Aktien des Autobauers Nissan rund drei Prozent ein. Die Papiere des Elektronikkonzerns Toshiba verloren 4,4 Prozent. Sony büßten 3,5 Prozent ein. Anleger suchten ihr Heil vor allem in defensiven Werten. Telekom-Anbieter NTT DoCoMo legte drei Prozent zu.

Die Konjunkturdaten aus China ließen den Euro am Freitag auf ein 23-Monats-Tief zum Dollar fallen. Die Gemeinschaftswährung gab bis auf 1,2323 Dollar nach von 1,2359 im späten US-Handel, erholte sich im Handelsverlauf aber wieder leicht. Zum Yen wurde der Euro mit 96,94 Yen gehandelt. Im Handel war die japanische Landeswährung auf ein Elf-Einhalb-Jahres-Hoch zur europäischen Gemeinschaftswährung gestiegen. Der Dollar kostete in japanischer Währung 78,44 Yen.

Enttäuschende US-Wirtschaftsdaten haben am Donnerstag an der Wall Street für Ernüchterung gesorgt. Das Wachstum der US-Wirtschaft verlor im ersten Quartal mehr Tempo als bislang angenommen. Zudem stiegen die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in der vergangenen Woche überraschend stark. Der Arbeitsagentur ADP zufolge schufen die US-Unternehmen im Mai zwar 133.000 neue Jobs. Analysten hatten jedoch mit mehr gerechnet. In der Folge verzeichnete der S&P 500 den größten Monatsverlust seit September. Das Minus wurde durch einen Medienbericht eingegrenzt, demzufolge der Internationale Währungsfonds erwägt, einen Rettungskredit für das krisengeschüttelte Spanien aufzulegen. Allerdings bezeichnete der spanische Wirtschaftsminister dies als "kompletten Unsinn".

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte verlor 0,2 Prozent auf 12.393 Punkte. Im Tagesverlauf pendelte der Leitindex zwischen 12.316 und 12.489 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 notierte 0,2 Prozent schwächer bei 1310 Zählern. Der Index der Technologiebörse Nasdaq gab knapp 0,4 Prozent auf 2827 Stellen nach. Auf Monatssicht verlor der Dow 6,2 Prozent, der S&P 500 6,3 Prozent und die Nasdaq 7,2 Prozent. In Frankfurt ging der Dax mit einem Minus von 0,3 Prozent bei 6264 Stellen aus dem Handel.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
Annika Reinert
Petrina Engelke
Handelsblatt Online / Freie Mitarbeiterin

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