Börse Tokio
US-Haushaltsstreit belastet asiatische Börsen

Japan macht weitere Fortschritte im Kampf gegen die Deflation. Dennoch beeindruckt das die Investoren nicht. Der Nikkei-Index fällt leicht zurück.
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TokioDer ungelöste US-Haushaltsstreit hat am Freitag die Asien-Märkten belastet. Auch positiv gewertete US-Arbeitsmarktdaten konnten zum Wochenende die Stimmung nicht heben. Der Tokioter Leitindex Nikkei ging mit einem Minus von 0,26 Prozent bei 14.760 Punkten aus dem Handel. Dabei konnten auch unerwartet positive japanische Konjunkturdaten das Ruder nicht herumreißen.

Händler sagten, die jüngsten Verbraucherpreise seien zwar kräftiger gestiegen als erwartet, was ein gutes Zeichen im Kampf gegen die Deflation sei. Dennoch zweifelten viele Anleger an dem Ziel der Notenbank, dass die Inflation bis 2015 auf zwei Prozent steigt. In den Fokus der Anleger rückten daher nun die Pläne der Regierung, die Konjunktur mit niedrigeren Steuern zu beleben.

Die anderen asiatischen Märkte verbuchten überwiegend leichte Gewinne. Die Börse in Hongkong tendierte mit 0,84 Prozent im Plus, in Taiwan lag das Plus bei 0,56 Prozent. Der breit gefasste MSCI-Index für asiatische Aktien außerhalb Japans legte 0,4 Prozent zu.

Die Gewinne seien damit bescheiden ausgefallen, Lichtblicke am US-Arbeitsmarkt spiegelten sich darin kaum wider, sagten Händler. In der vergangenen Woche stellten weniger Amerikaner einen Erstantrag auf Arbeitslosenhilfe als zuletzt, wie das US-Arbeitsministerium am Donnerstag mitteilte. "Die Investoren brauchen aber weitere Beweise dafür, dass die US-Wirtschaft sich erholt und dass es eine politische Lösung in Washington gibt", sagte Lim Dong-Rak von Hanyang Securities.

Einigen sich die US-Parteien nicht und wird die Schulden-Obergrenze nicht abermals angehoben, steht die weltgrößte Volkswirtschaft möglicherweise vor dem finanziellen Kollaps. Bis zum 1. Oktober müssen Demokraten und Republikaner im Kongress zunächst provisorisch dafür sorgen, dass den USA nicht das Geld ausgeht - sonst droht Staatsbediensteten der Zwangsurlaub. In einem zweiten Schritt muss die Schuldenobergrenze von derzeit 16,7 Billionen Dollar angehoben werden.

Zu den Verlierern in Japan zählten erneut die großen Exportunternehmen: Toyota-Aktien verloren 1,08 Prozent an Wert, Canon-Papiere büßten 0,16 Prozent ein. Die Anleger des Atomkraftwerkbetreibers Tepco konnten sich dagegen über einen Kursanstieg von mehr als sechs Prozent freuen.

Der Betreiber des Katastrophen-Meilers Fukushima hatte am Donnerstag die Erlaubnis erhalten, dass weltweit größte Atomkraftwerk Kashiwazaki Kariwa wieder in Betrieb zu nehmen. Die Anlage steht im Nordwesten von Japan und soll dem Energieversorger dabei helfen, wieder Gewinne zu schreiben. Seit der Fukushima-Katastrophe hat Tepco Verluste von mehr als 27 Milliarden Dollar gemacht. Die langfristigen Schäden an Mensch und Umwelt durch radioaktive Verseuchung sind dabei noch nicht berücksichtigt.

Der japanische Konsumgüterkonzern Panasonic verkauft einem Zeitungsbericht zufolge seine Gesundheitssparte für 150 Milliarden Yen (1,52 Milliarden Dollar) an den Finanzinvestor KKR. In dem im März beendeten Geschäftsjahr habe Panasonic Healthcare einen Umsatz von 134 Milliarden Yen erzielt, berichtete die Wirtschaftszeitung "Nikkei" am Donnerstag. Das Unternehmen stellt Blutzucker-Messgeräte und elektronische Speichersysteme für Behandlungsunterlagen her.

Panasonic hat in den vergangenen zwei Jahren 15 Milliarden Dollar Verlust gemacht. Das Unternehmen will sich künftig auf andere Unternehmensbereiche wie die Automobil-Zulieferindustrie, Industriemaschinen und Haushaltsgeräte konzentrieren.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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