Börse Tokio
US-Schatten liegt über Japan

Die anhaltende Haushaltsdiskussion und Schuldenkrise in den USA drücken die Stimmung an der Börse in Tokio. Da halfen auch ermutigende Quartalsberichte nicht: Die Börsen schließen im Minus.
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TokioDer Countdown im US-Schuldenstreit sorgt auch an Asiens Börsen für anhaltende Nervosität. Der japanische Aktienmarkt schloss am Mittwoch tiefer, obwohl von den heimischen Unternehmen ermutigende Quartalsberichte erwartet wurden. Die Investoren suchten verstärkt Sicherheit im Gold: Der Preis für das Edelmetall kletterte auf ein Rekordhoch von 1623,86 Dollar je Feinunze. Er hat in diesem Jahr bereits 14 Prozent zugelegt.

Die bangen Blicke der Börsianer richteten sich auf Washington. Dort haben sich US-Regierung und Opposition in einen Streit über eine Anhebung der Schuldengrenze verbissen - weiter ohne Aussicht auf eine Verständigung. Am Dienstag verschoben die Republikaner eine Abstimmung über ihr Sparpaket um einen Tag auf frühestens Donnerstag. Nach Darstellung des Finanzministeriums muss bis zum Dienstag eine Einigung her, sonst kann die Regierung ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen.

Am Markt würden immer wieder die Szenarien durchgespielt, sagte ein Händler in Singapur. „Aber die Leute sind vor dem Fristablauf im August in einer Wartestellung. Sie fragen sich: Werden die USA eine technische Zahlungsunfähigkeit verhindern oder nicht?“ Panikverkäufe an den Börsen hat es bislang noch nicht gegeben. Die meisten Marktteilnehmer setzen auf eine Lösung im US-Schuldenstreit in letzter Minute, sichern sich zugleich aber auch vermehrt für den Fall ab, dass es nicht dazu kommt. Viele Investoren sehen auch keine Alternativen zum Engagement in US-Staatsanleihen.

In Tokio schloss der 225 Werte umfassende Nikkei-Index 0,5 Prozent tiefer bei 10.047 Zählern. Der breiter gefasste Topix-Index verlor 0,8 Prozent auf 859 Punkte. „Etwas Unterstützung kommt von der Erwartung, dass die japanischen Unternehmenszahlen stark ausfallen“, sagte Yoshito Sakakibara von JPMorgan Asset Management. Solange die Sorgen über die Wirtschaft in den USA und in Europa anhielten, scheuten sich die Anleger jedoch, in Risikopapiere zu investieren.

Nach Börsenschluss standen Quartalszahlen unter anderem von Nissan Motor, Hitachi Construction und Advantest an. Zuletzt hatte unter anderem Canon mit robusten Zahlen und einer angehobenen Gesamtjahresprognose die Anleger überzeugt. In Japan erholen sich nach dem Jahrhundertbeben im März Verbrauchernachfrage und Lieferketten mittlerweile schneller als erwartet.

Die Börsen in Hongkong, Shanghai, Taiwan und Korea lagen leicht im Plus, der Aktienmarkt in Singapur wenig verändert.

An den Devisenmärkten blieb der Dollar unter Druck. Der Dollar-Index, der die US-Währung mit einem Korb aus sechs anderen großen Währungen vergleicht, fiel auf ein Drei-Monats-Tief von 73,421. Zum Schweizer Franken notierte der Dollar nahe eines Rekordtiefs bei 0,7997 Franken. Der Euro stieg auf ein Drei-Wochen-Hoch von 1,4537 Dollar.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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