Börse Tokio
Zentralbank beendet Aufholjagd des Nikkei

Vier Tage lang konnten sich Anleger an der Börse Tokio freuen. Doch nun geht es wieder in die Gegenrichtung. Gewinnmitnahmen und enttäuschende Aussagen der Bank of Japan werfen den Markt zurück.
  • 0

ke/HB TOKIO. Nach vier Tagen mit Kursgewinnen hat der japanische Aktienmarkt am Dienstag wieder nachgegeben. Der Nikkei-Index der 225 größten japanischen Aktien lag zum Handelsschluss 0,8 Prozent im Minus bei 9226 Punkten, der marktbreite Topix-Index gab 0,45 Prozent nach auf 835 Punkte.

Ohne Vorgaben aus den USA bewegte sich der Handel in Tokio zunächst in engen Bahnen. Der leichte Optimismus, der von den US-Arbeistmarktdaten am Freitag ausgegangen war, hielt sich zum Teil zwar noch im Markt. Auf der anderen Seite nahmen aber einige Anleger Gewinne mit, nachdem der Nikkei in den vergangenen Tagen rund fünf Prozent zugelegt hatte.

Im späten Handel rutschte der Nikkei dann deutlicher ab, nachdem die japanische Zentralbank entschieden hatte, die Leitzinsen einmal mehr unverändert zu lassen und die Liquiditätszufuhren für den Markt nicht weiter auszudehnen. Zwar betonte, die Zentralbank erneut, sie seit bereit für weitere Stimuli, wenn diese erforderlich seien. Am Markt war jedoch auf ein offensiveres Vorgehen spekuliert worden, weswegen der vorläufige Verzicht auf weitere Schritte mit Enttäuschung quittiert wurde.

Das Gremium entschied, den Zins, zu dem sich die Banken im Land Geld leihen können, weiter bei 0,1 Prozent zu belassen. Damit widersteht sie einer in Politik und Wirtschaft oft diskutierten weiteren Aufweichung ihrer Geldpolitik.

Grund für diese Entscheidung ist, dass die Männer um Notenbank-Chef Masaari Shirakawa zunächst abwarten wollen, wie sich die US-Wirtschaft und der Yen entwickeln, nachdem die Notenbank erst vor ein paar Tagen ein Sonderkreditprogramm ausgeweitet und die Regierung ein Konjunkturprogramm angekündigt hatten. Die Bank von Japan ließ zugleich auch das Sonderkreditprogramm unangetastet, dass um 10 Billionen Yen auf 30 Billionen Yen aufgestockt worden war. Die Bank betonte, dass man "angemessene" Maßnahmen ergreifen werde, wenn diese "notwendig werden". Die Daten zeigten jedoch eine "moderate Erholung" der Wirtschaft.

Japans Exportwirtschaft leidet seit Monaten unter einem ständig stärker werdenden Yen. Die heimischen Unternehmen sind teilweise bereits dazu übergegangen, die Preise im Ausland anzuheben oder bestimmte Waren vollständig im Ausland zu fertigen. Zudem macht Japan die Deflation zu schaffen. Der beständige Verfall der Preise führt im Ergebnis zu niedrigeren Gewinnen, Pleiten und steigender Arbeitslosigkeit.

Größter Verlierer in Tokio war Clarion. Die Aktie des Autoradioherstellers verlor mehr als acht Prozent, nachdem die Wirtschaftstageszeitung "Nikkei" berichtet hatte, das Unternehmen werde seinen Platz im japanischen Leitindex verlieren.

An den anderen asiatischen Börsen gab es am Dienstag nur wenig. Der chinesische CSI-Index gab 0,2 Prozent nach, der Hang Seng Index in Hongkong verharrte auf Vortagesniveau. Dagegen gab es an der indischen Börse leichte Kursgewinne.

Kommentare zu " Börse Tokio: Zentralbank beendet Aufholjagd des Nikkei"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%