Börse Wall Street

US-Börsen finden keine einheitliche Richtung

Der Dow-Jones-Index bleibt weiter auf Rekordhoch doch die Tech-Werte stehen unter Druck: An den US-Börsen herrscht nach Trumps Wahlsieg Uneinigkeit. Die Anleger setzen auf einen Wirtschaftsboom.
Update: 10.11.2016 - 23:31 Uhr
Nach dem Wahlsieg von Donald Trump herrscht an den US-Börsen Uneinigkeit. Quelle: AP
Wall Street

Nach dem Wahlsieg von Donald Trump herrscht an den US-Börsen Uneinigkeit.

(Foto: AP)

Die US-Börsen haben nach der Wahl Donald Trumps zum Präsidenten am Donnerstag keine gemeinsame Richtung gefunden. Zwar beflügelten Spekulationen auf eine Deregulierung die Finanzwerte und Hoffnungen auf groß angelegte Infrastruktur-Investitionen unter dem neuen Staatsoberhaupt die Kurse. Der US-Standardwerteindex Dow Jones markierte mit 18.873 Punkten sogar ein Rekordhoch. Bei den US-Technologiewerten setzte aber eine Verkaufswelle ein.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss 1,2 Prozent höher auf 18.807 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 legte um 0,2 Prozent auf 2167 Zähler zu. Der Index der Technologiebörse Nasdaq verlor dagegen 0,8 Prozent auf 5208 Stellen. Dax und EuroStoxx50 gingen jeweils knapp im Minus bei 10.630 und 3048 Punkten aus dem Handel.

Zwischen den Stühlen

"Technologiewerte sitzen etwas zwischen den Stühlen", sagte Art Hogan, Chef-Anlagestratege des Vermögensverwalters Wunderlich. "Sie profitieren nicht wirklich von einem Trump'schen Konjunkturprogramm." Außerdem seien ihre Aktien in der Vergangenheit nicht unter die Räder geraten wie zum Beispiel diejenigen aus der Finanzbranche. Mike Bailey, Research-Chef des Vermögensberaters FBB, verwies auf die Pläne Trumps zum Aufbau von Handelsschranken. "Dies würde den Sektor ziemlich hart treffen." Die Aktien des Online-Händlers Amazon ließen fast vier Prozent Federn, Apple-Papiere verloren knapp drei Prozent.

Wie Donald Trump durch die Wirtschaft fegt

STXE 600 FOOD & BEVERAGE INDEX (PRICE) (EUR)

WKN
ISIN
EU0009658749
Börse
DJSTOXX

-1,48 -0,22%
0,00€
Chart von STXE 600 FOOD & BEVERAGE INDEX (PRICE) (EUR)
1 von 10

Flop Nr. 1: Nahrungsmittel und Getränke

Stoxx Europe 600 Food & Beverage

Die größten Verlierer des US-Wahlausgangs an den Aktienmärkten sind Lebensmittelhersteller. Mit dem Wahlsieg des Polit-Außenseiters Donald Trump sieht die Branche einen ihrer größten Wachstumsmärkte in Gefahr: Mexiko. Denn Trump hatte den Kampf gegen illegale Migranten, aber auch gegen Billigimporte aus dem Mittelamerikastaat zu einem Hauptanliegen seines Wahlkampfs gemacht. Prompt folgten die ersten Analystenkommentare, die Nahrungsmittel- und Getränkehersteller abstuften. Tate & Lyle aus England etwa brachen um elf Prozent ein, aber auch die Brauerei Anheuser-Busch Inbev verlor zwei Prozent.

STXE 600 AUTOMOBILES & PARTS INDEX (PRICE) (EUR)

WKN
ISIN
EU0009658681
Börse
DJSTOXX

-0,09 -0,01%
0,00€
Chart von STXE 600 AUTOMOBILES & PARTS INDEX (PRICE) (EUR)
2 von 10

Flop Nr.2: Autos und Zulieferer

Stoxx Europe 600 Automobiles & Parts

Fahrzeugbauer gehörten zu den schwächsten Titeln am Mittwoch. Mit Donald Trump kommt ein neuer Präsident an die Macht, der den Freihandel beschränken will. Europas Autobauer fürchten um ihren Zugang zum zweitgrößten Pkw-Markt der Welt. Der deutsche Autoverband VDA warnte die USA bereits vor Protektionismus und zusätzlichen Handelsbarrieren. Dies brächte weder den Vereinigten Staaten etwas, noch den Handelspartnern. Vor allem die Deutschen fürchten um ihr gutes Amerika-Geschäft, zählen sie doch zu den Favoriten der US-Kunden im Oberklasse-Segment.

STXE 600 PERS. & HOUSEH.GOODS INDEX (PRICE) (EUR)

WKN
ISIN
CH0019112330
Börse
DJSTOXX

-1,39 -0,16%
0,00€
Chart von STXE 600 PERS. & HOUSEH.GOODS INDEX (PRICE) (EUR)
3 von 10

Flop Nr. 3: Gebrauchsgüter

Stoxx Europe 600 Personal & Household Goods

Wie bei jedem politischen Umbruch, der für konjunkturelle Unsicherheit sorgt, sind die Einzelhändler die ersten, die Federn lassen. Seien es Kosmetiker wie Beiersdorf und Loreal, Luxuslabels wie Burberry oder Hugo Boss oder Unterhaltungssoftware-Hersteller wie Ubisoft. All ihrer Investoren eint die Angst, einer konjunkturellen Abkühlung, zumal Donald Trump mit seiner „America first“-Devise mit protektionistischen Allüren kokettiert.

STXE 600 OIL & GAS INDEX (PRICE) (EUR)

WKN
ISIN
EU0009658780
Börse
DJSTOXX

+2,99 +0,92%
0,00€
Chart von STXE 600 OIL & GAS INDEX (PRICE) (EUR)
4 von 10

Flop Nr. 4: Energie

Stoxx Europe 600 Oil & Gas

Europas Energie-Unternehmen müssen mit schärferen Gegenwind aus den USA rechnen. Trump setzte im Wahlkampf auf Energie-Autarkie und das Wiederbeleben der kohlebasierten Energiegewinnung. Zudem ist unklar, wie sich Amerika außenpolitisch und gegenüber der Opec positionieren wird.

STXE 600 BANKS INDEX (PRICE) (EUR)

WKN
ISIN
EU0009658806
Börse
DJSTOXX

+0,40 +0,21%
0,00€
Chart von STXE 600 BANKS INDEX (PRICE) (EUR)
5 von 10

Flop Nr. 5: Banken

Stoxx 600 Banks Index

Finanztitel waren im schwierigen Frühhandel von allen Branchen am meisten unter die Räder gekommen, konnten sich im Laufe des Handels aber fangen. Kriselnde Geldhäuser wie die Deutsche Bank oder italienische Institute sehen sich nun einer schwierigeren Kapitalbeschaffung gegenüber, weil die generelle Unsicherheit wächst. Zudem muss die Deutsche Bank mit einer härteren Gangart der neuen US-Führung in der Aufarbeitung von Rechtsstreitigkeiten aus der Finanzkrise rechnen. Und einige spanische Banken fürchten, dass mit Trumps Anti-Mexiko-Kurs das Mittelamerikageschäft in Gefahr gerät.

STXE 600 INDUSTRIAL G&S INDEX (PRICE) (EUR)

WKN
ISIN
EU0009658905
Börse
DJSTOXX

-0,81 -0,14%
0,00€
Chart von STXE 600 INDUSTRIAL G&S INDEX (PRICE) (EUR)
6 von 10

Top Nr. 5: Industriegüter- und -dienstleistungen

Stoxx Europe 600 Industrial Goods & Services

Die große Gruppe von Industrietiteln gab ein unklares Bild ab. Während einige Anlagebauer, vor allem aber Logistiker wie die Deutsche Post, aus Angst vor einem Abschwung der Konjunktur und der Zunahme von Handelsbeschränkungen Punkte lassen mussten, schossen Papiere der Verteidigungsindustrie in die Höhe. Das Kalkül der Anleger: Mit Trumps Isolationismus und dem angekündigten Zurückfahren des amerikanischen Engagement innerhalb der NATO werden Europas Regierungen die Ausrüstungsausgaben hochfahren.

STXE600 REAL ESTATE INDEX (PRICE) (EUR)

WKN
ISIN
CH0043274395
Börse
DJSTOXX

-0,37 -0,21%
0,00€
Chart von STXE600 REAL ESTATE INDEX (PRICE) (EUR)
7 von 10

Top Nr. 4: Immobilien

Stoxx Europe 600 Real Estate
Am Tag nach der US-Wahl haben Immobilienwerte in Europa Verluste verzeichnet. Die Aktien von LEG Immobilien beispielsweise gaben mehr als drei Prozent nach. Das Wahlergebnis bringt große Unsicherheit und die ist grundsätzlich schädlich für die Wirtschaft. „Für die Immobilienwirtschaft könnte sie sich allerdings erneut als geborgter Segen erweisen, denn Anleger flüchten bei zunehmender Unsicherheit in sicherheitsversprechende Assets. Dazu gehören auch Immobilien“, kommentierte Tobias Just, Geschäftsführer und wissenschaftlicher Leiter der Immobilienakademie IREBS. Allerdings, dieser Segen könnte nur „geborgt“ sein, fürchtet der Professor, denn durch neue Investitionsentscheidungen werde der Druck auf die Mietrenditen anhalten. „Das kurzfristige Plus an Wertsteigerungen wird erkauft durch ein weiter steigendes Risiko für ruckartige Korrekturen von Fehlbewertungen.“

Pfizer -Aktien gewannen 4,3 Prozent an Wert. Der US-Pharmakonzern erwägt Insidern zufolge einen Verkauf oder die Abspaltung seines Geschäfts mit rezeptfreien Medizinprodukten. Der Wert der Sparte wird auf bis zu 14 Milliarden Dollar geschätzt.

Von der Aussicht auf steigende Zinsen profitierten dagegen die Finanzwerte, die sich Hoffnungen auf höhere Einnahmen aus dem Kreditgeschäft machen können. Der US-Bankenindex erreichte den höchsten Stand seit der Finanzkrise von 2008. Die Titel von JPMorgan kletterten 4,6 Prozent. Goldman Sachs rückten um 4,3 Prozent vor.

Gefragt waren die Anteilsscheine von Fitbit, die sich um 3,6 Prozent verteuerten. Das Unternehmen ABM Capital mit Sitz in Shanghai hatte zuvor mitgeteilt, eine Offerte für den Hersteller von Fitness-Armbändern vorgelegt zu haben. Ob es sich dabei um ein seriöses Angebot handelte, blieb zunächst unklar.

Macy's verteuerten sich um fast sechs Prozent. Die Kaufhauskette hatte zuvor ihre Umsatzprognose für das Gesamtjahr angehoben.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 1,45 Milliarden Aktien den Besitzer. 1421 Werte legten zu, 1635 gaben nach und 68 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 2,95 Milliarden Aktien 1750 im Plus, 1109 im Minus und 161 unverändert.

Die US-Kreditmärkte gaben in Erwartung einer anziehenden Inflation nach. Die zehnjährigen Staatsanleihen verloren 19/32 auf 98-26/32. Die Rendite stieg auf 2,1325 Prozent. Der 30-jährige Bond sank 1-1/32 auf 86-13/32 und rentierte mit 2,9384 Prozent.

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