Börsen-Absturz: Die gefühlte Finanzkrise

Börsen-Absturz
Die gefühlte Finanzkrise

Extrem schwache Bank-Aktien, Angst vor faulen Krediten, schlechte Wirtschaftsdaten: Es kommt viel zusammen, um den Anlegern die Laune zu verderben. Und am Ende ist die schlechte Laune selbst auch noch ein Problem.

New YorkDie großen Banken scheinen jeden Tag an Substanz zu verlieren, wenn man ihre Aktienkurse als Maßstab nimmt. In Europa, etwa in Italien, spielt eine verschleppte Krisenpolitik dabei eine wichtige Rolle. Außerdem haben einige Geldhäuser wie die Deutsche Bank und Credit Suisse ihre speziellen Probleme, die nicht allein mit dem schwachen wirtschaftlichen Umfeld zu erklären sind.

In den USA haben dagegen noch vor wenigen Tagen die Analysten den Absturz der Bank-Aktien als gute Kaufgelegenheit angesehen. Aber sie denken um. Die Experten der Citigroup geben offen zu, dass sie ihre Meinung geändert haben und die Finanzbranche der USA jetzt negativer einschätzen. Und KBW, ein Analysehaus mit Schwerpunkt bei Finanztiteln, schreibt fein abgewogen: „Es gibt reale und legitime Bedenken über die Gewinne und die Kurs-Gewinn-Verhältnisse der Finanz-Aktien, auch wenn die Bilanzen stark sind.“

Die Stimmung ist so negativ, dass sie selber zum Problem wird. Der niedrige Ölpreis, der den Konsumenten nützt, wird nur noch als Problem gesehen. Die schwindende Erwartung, dass die US-Notenbank (Fed) die Zinsen weiter erhöht, gilt auf einmal als riesiges Problem der Finanzbranche. Während sonst niedrige Notenbank-Zinsen als gut für Aktien gewertet werden, setzen sie jetzt Bank-Aktien und damit den gesamten Markt unter Druck. Immer häufiger finden sich auch Hinweise, dass Investoren und Händler sich an das Jahr 2008 erinnert fühlen. Das erhöht den Druck noch ­– dabei ist der Vergleich nur in Grenzen zutreffend.

Auf den ersten Blick sind die Parallelen freilich erschreckend. Damals schmolzen die Bewertungen der Finanz-Aktien wie Schnee in der Sonne. Damals ging die große Finanzkrise von einem sehr speziellen Kreditbereich aus, den „Sub-Prime“-Immobiliendarlehen, also Baukrediten für Kunden mit geringer Bonität. Anfangs nahm diese Sorgen niemals sonderlich ernst, der Bereich galt als überschaubar, die Probleme schienen gut eingrenzbar zu sein. Doch es kam anders: Wie ein Pesthauch steckte dieser Bereich weite Teile des Kapitalmarkts an und riss beinahe die Weltwirtschaft in den Abgrund.

Jetzt ist es wieder ein angeblich überschaubarer Bereich, von dem die Sorgen ausgehen: Es sind die Aktien und noch mehr die Anleihen von amerikanischen Energie-Unternehmen, die sich im Boom der neuen Fördertechniken für Öl und Gas mit Schulden vollgesogen haben, die sie jetzt zum Teil nicht mehr bedienen können. Am Montag musste mit Chesapeake Energy ein größeres Unternehmen Gerüchte dementieren, es stehe unmittelbar vor dem Bankrott. Im vergangenen Jahr waren schon rund 40 Energieunternehmen pleite gegangen. Dabei zeigte sich vor allem im Bereich der Anleihen, dass durch die Probleme im Energie-Sektor auch die Kurse von Unternehmen in anderen Branchen unter Druck geraten.

Kein Wunder also, dass Erinnerungen an 2008 wach werden: Bodenlose Talfahrt der Finanztitel plus Schuldenproblemen, die von einem scheinbar eingrenzbaren Bereich auf den gesamten Kapitalmarkt übergreifen – so sah es damals aus, so sieht es jetzt wieder aus. Aber wie berechtigt ist der Vergleich?

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