Börsen-Absturz Die gefühlte Finanzkrise

Extrem schwache Bank-Aktien, Angst vor faulen Krediten, schlechte Wirtschaftsdaten: Es kommt viel zusammen, um den Anlegern die Laune zu verderben. Und am Ende ist die schlechte Laune selbst auch noch ein Problem.
Update: 09.02.2016 - 23:55 Uhr
Zum Gruseln finden es viele Anleger zur Zeit an den Märkten. Quelle: Reuters
Deutsche Börse

Zum Gruseln finden es viele Anleger zur Zeit an den Märkten.

(Foto: Reuters)

New YorkDie großen Banken scheinen jeden Tag an Substanz zu verlieren, wenn man ihre Aktienkurse als Maßstab nimmt. In Europa, etwa in Italien, spielt eine verschleppte Krisenpolitik dabei eine wichtige Rolle. Außerdem haben einige Geldhäuser wie die Deutsche Bank und Credit Suisse ihre speziellen Probleme, die nicht allein mit dem schwachen wirtschaftlichen Umfeld zu erklären sind.

In den USA haben dagegen noch vor wenigen Tagen die Analysten den Absturz der Bank-Aktien als gute Kaufgelegenheit angesehen. Aber sie denken um. Die Experten der Citigroup geben offen zu, dass sie ihre Meinung geändert haben und die Finanzbranche der USA jetzt negativer einschätzen. Und KBW, ein Analysehaus mit Schwerpunkt bei Finanztiteln, schreibt fein abgewogen: „Es gibt reale und legitime Bedenken über die Gewinne und die Kurs-Gewinn-Verhältnisse der Finanz-Aktien, auch wenn die Bilanzen stark sind.“

Diese Banken sind groß – und daher gefährlich
Klasse 1
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Der Finanzstabilitätsrat teilt die Banken in fünf Klassen ein. In der ersten Klasse befinden sich laut der vorgesellten Liste 18 Banken, die nicht als besonders systemrelevant gelten – eine mehr als im Vorjahr. Sie müssen nur ein Prozent Kapitalzuschlag vorhalten. Unter diesen nicht besonders gefährlichen Banken befinden sich Geldhäuser wie die Schweizer Großbank UBS, die Société Générale, die Santander, Credit Agricole, die Royal Bank of Scotland und die Bank of China. Neu hinzugekommen in diese Gruppe ist die US-Bank Morgan Stanley, die im Vorjahr noch einen höheren Kapitalpuffer vorhalten musste.

Klasse 2 – Morgan Stanley
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Die amerikanische Großbank Morgan Stanley landet auf Platz 11. Sie muss 1,5 Prozent Kapitalzuschlag vorhalten. Seit der weltweiten Finanzkrise konzentriert sich Morgan Stanley stärker auf die Vermögensverwaltung. Damit soll das Geschäft weniger schwankungsanfällig werden.

Klasse 2 – Mitsubishi UFJ FG (MUFG)
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Die Mitsubishi UFJ FG (MUFG) muss ebenfalls 1,5 Prozent Kapital als Zuschlag vorhalten. Zu der japanischen Holdinggesellschaft gehört die Bank of Tokyo-Mitsubshi UFJ. Die Bankengruppe gehört im japanischen Leitindex Nikkei neben Toyota, Toshiba und Sony zu den Schwergewichten. Japanische Banken wie die MUFG profitieren derzeit von der extrem expansiven Geldpolitik der japanischen Notenbank. Sie erzielen bessere Ergebnisse als ihre schwächelnden Konkurrenten in Europa.

Klasse 2 – Goldman Sachs
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Auch die amerikanische Investmentbank Goldman Sachs wird als „systemisch“ eingestuft, sie muss 1,5 Prozent Kapitalzuschlag vorhalten. Im Sommer litt die Bank unter der Flaute an den Märkten. Ein florierendes Beratungsgeschäft bei Fusionen und Übernahmen (M&A) konnte das dritte Quartal nicht retten: Der Nettogewinn brach um mehr als ein Drittel ein.

Klasse 2 – Credit Suisse
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Die zweitgrößte Schweizer Großbank Credit Suisse gilt als gefährlicher als ihr Konkurrent UBS. Der neue Chef der Bank, Tidjane Thiam, baut das angeschlagene Institut derzeit kräftig um. Er kündigte eine Kapitalerhöhung, einen Sparplan und einen Vorstandsumbau an. Aufschlag: 1,5 Prozent.

Klasse 2 – Bank of America
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Das größte Kreditinstitut der USA, die Bank of America, landet auf Platz 7 (Aufschlag: 1,5 Prozent). Die Bank hat die Finanzkrise überstanden und schreibt inzwischen wieder schwarze Zahlen.

Klasse 3 – Deutsche Bank
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Die Deutsche Bank ist das einzige deutsche Geldhaus, das vom Finanzstabilitätsrat als systemrelevant eingestuft wird. Sie muss zwei Prozent Kapital vorhalten. Der britische Neu-Chef John Cryan greift momentan durch und zeigt mit einem umfangreichen Stellenabbau und dem Streichen der Dividende Härte.

Die Stimmung ist so negativ, dass sie selber zum Problem wird. Der niedrige Ölpreis, der den Konsumenten nützt, wird nur noch als Problem gesehen. Die schwindende Erwartung, dass die US-Notenbank (Fed) die Zinsen weiter erhöht, gilt auf einmal als riesiges Problem der Finanzbranche. Während sonst niedrige Notenbank-Zinsen als gut für Aktien gewertet werden, setzen sie jetzt Bank-Aktien und damit den gesamten Markt unter Druck. Immer häufiger finden sich auch Hinweise, dass Investoren und Händler sich an das Jahr 2008 erinnert fühlen. Das erhöht den Druck noch ­– dabei ist der Vergleich nur in Grenzen zutreffend.

Auf den ersten Blick sind die Parallelen freilich erschreckend. Damals schmolzen die Bewertungen der Finanz-Aktien wie Schnee in der Sonne. Damals ging die große Finanzkrise von einem sehr speziellen Kreditbereich aus, den „Sub-Prime“-Immobiliendarlehen, also Baukrediten für Kunden mit geringer Bonität. Anfangs nahm diese Sorgen niemals sonderlich ernst, der Bereich galt als überschaubar, die Probleme schienen gut eingrenzbar zu sein. Doch es kam anders: Wie ein Pesthauch steckte dieser Bereich weite Teile des Kapitalmarkts an und riss beinahe die Weltwirtschaft in den Abgrund.

Jetzt ist es wieder ein angeblich überschaubarer Bereich, von dem die Sorgen ausgehen: Es sind die Aktien und noch mehr die Anleihen von amerikanischen Energie-Unternehmen, die sich im Boom der neuen Fördertechniken für Öl und Gas mit Schulden vollgesogen haben, die sie jetzt zum Teil nicht mehr bedienen können. Am Montag musste mit Chesapeake Energy ein größeres Unternehmen Gerüchte dementieren, es stehe unmittelbar vor dem Bankrott. Im vergangenen Jahr waren schon rund 40 Energieunternehmen pleite gegangen. Dabei zeigte sich vor allem im Bereich der Anleihen, dass durch die Probleme im Energie-Sektor auch die Kurse von Unternehmen in anderen Branchen unter Druck geraten.

Kein Wunder also, dass Erinnerungen an 2008 wach werden: Bodenlose Talfahrt der Finanztitel plus Schuldenproblemen, die von einem scheinbar eingrenzbaren Bereich auf den gesamten Kapitalmarkt übergreifen – so sah es damals aus, so sieht es jetzt wieder aus. Aber wie berechtigt ist der Vergleich?

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Nichts spricht für ähnliche Strukturen wie 2008
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