Börsen Asien: China lässt Finanzmärkte aufatmen

Börsen Asien
China lässt Finanzmärkte aufatmen

Erstmals seit mehreren Tagen wertet die Volksrepublik China ihre Währung nicht weiter ab. Das sorgt an den asiatischen Börsen für steigende Kurse, nur der Nikkei dreht nach anfänglichen Gewinnen erneut ins Minus.

TokioNach dem Börsen-Beben hat China am Freitag erstmals seit Tagen seine Währung nicht mehr weiter abgewertet und damit für steigende Kurse an den Märkten in Fernost gesorgt. Nach Einschätzung von Händlern kam den Börsen auch zugute, dass die Handelsplätze in Shenzen und Shanghai die erst zu Wochenbeginn eingeführten „Notbremsen“ zur Verhinderung drastischer Kursverluste wieder auf Eis gelegt haben, nachdem sie sich nicht bewährt haben. „Der Markt ist jetzt wieder im Normalzustand“, sagte Analyst Tian Weidong vom Handelshaus Kaiyuan Securities. „Die Investoren können kaufen und verkaufen wie sie wollen. Die Notbremse hatte den Markt erstickt.“

China hat seine Währung Yuan am Freitag erstmals seit Tagen nicht weiter abgewertet und damit an den asiatischen Börsen für deutlich steigende Kurse gesorgt. Die Notenbank (PBOC) legte den Mittelwert des Yuan zum Dollar auf 6,5636 Yuan fest. Im Vergleich zu den 6,5646 vom Vortag bedeutete dies sogar eine minimale Aufwertung. Zuvor hatte die Notenbank die Währung acht Handelstage in Folge abgewertet, was die Sorge vor einem Handelskrieg ausgelöst und drastisch fallende Kurse an den chinesischen Börsen und in der Folge auch an den anderen Handelsplätzen weltweit nach sich gezogen hatte.

Sobald der Handel am Freitag begann, stieg die Shanghaier Börse (SSEC). Der Handel des SSEC schloss bei 2,0 Prozent im Plus. Ebenso zulegen konnte die Börse in Shenzhen (SZSE), die um ein Prozent kletterte. Die größten Werte der beiden Börsen sind im chinesischen Leitindex CSI 300 zusammengesetzt. Dort schlug sich der positive Trend in einem Gewinn von zwei Prozent nieder. Der CSI 300 schloss damit auf 3362 Punkten. Ähnlich gut lief es für den MSCI-Index für asiatische Aktien außerhalb Japans. Er kletterte zeitweise um 2,2 Prozent.

Zwar drehte zeitweise auch der Nikkei-Index der Tokioter Börse zu Beginn des Handelstages ins Plus und legte rasch um mehr als 450 Yen zu. Dennoch überwogen nach der Mittagspause erneut die Sorgen. Der Nikkei schloss den Handelstag mit 0,4 Prozent im Minus auf 17.698 Punkten. Der breit gefasste Topix verlor mit insgesamt 0,7 Prozent sogar noch etwas mehr.

Das Aufatmen an Chinas Finanzmärkten verschaffte anderen asiatischen Börsen eine Verschnaufpause. Koreas Kospi rangierte hauchzart im Plus, ebenso die Börsen in Taiwan, Singapur und anderen südostasiatischen Staaten, für die China ein wichtiger Handelspartner ist. Der Hang Seng Index in Hongkong stieg bis zum Mittag sogar um ein Prozent.

Dabei hatte der Tag als Zitterpartie begonnen. Japans Anleger hatten bereits den schwärzesten Jahresanfang seit 20 Jahren hinter sich. Und so eröffnete der Markt als erster Asiens in Antizipation eines weiteren Debakels in Shanghai mit einem weiteren Minus von einem Prozent. Denn Chinas Regulierer hatten am Donnerstag den sogenannten „Circuit Breaker“ aufgehoben, der auch in den vergangenen Tagen den Handel automatisch ausgesetzt hatte, wenn der Composite Index der Shanghaier Börse mehr als sieben Prozent verlor.

Es werde ein weiterer Verlust von fünf bis sechs Prozent erwartet, orakelte daraufhin Bill Gross, Co-Manager des Janus Global Unconstrained Bond Fund, auf Bloomberg TV. Doch wenigstens zum Börsenauftakt bestätigten sich diese Befürchtungen nicht. Offenbar hatten die Aktionen der chinesischen Wirtschaftslenker vom Vortag die akute Angst vor einer weiteren Verkaufswelle gelindert.

China setzte zwar die automatische Handelsunterbrechung aus, sorgte an anderer Stelle für weitere Regulierung. So sollte am Freitag eigentlich ein Handelsverbot für Großinvestoren, die mehr als fünf Prozent Anteile besitzen, auslaufen. Diese Restriktion wird bis auf Weiteres nahtlos fortgesetzt. Das soll für Beruhigung am Markt sorgen.

Denn die Angst, dass Großinvestoren aus chinesischen Konzernen aussteigen könnte, hatte den Kursrutsch der vergangenen Tage maßgeblich mit ausgelöst. Chinas Anleger begannen am Montag, massiv Aktien abzustoßen. Sie wollten schnell noch Kursgewinne mitnehmen, bevor am Freitag das Stillhaltegebot für Großaktionäre ausgelaufen wäre, das Chinas Regierung beim Börsencrash 2015 zum Schutz des Marktes eingeführt hatte.

Ab Sonnabend dürfen nun Großaktionäre, die mehr als fünf Prozent an einem Unternehmen halten, innerhalb von drei Monaten nicht mehr als ein Prozent der Firmenaktien verkaufen. So soll eine Massenflucht verhindert werden. Außerdem wertete die Regierung den chinesischen Yuan nicht weiter ab.

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  • Sack Reis wurde wieder hingestellt, heute Mittag nehme ich die 6a

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