Börsen Asien
Journalisten „gestehen“ Mitschuld an Kurssturz

Am Montag geben die Börsen in China nach, auch in Tokio rutschen die Aktienmärkte ins Minus. An dem Kurssturz seit Juni in China sollen Journalisten eine Mitschuld haben. Ein Reporter soll bereits gestanden haben.
  • 6

SchanghaiIn den Ermittlungen der chinesischen Behörden wegen der jüngsten Börsenturbulenzen gibt es nach Darstellung amtlicher Medien mehrere Geständnisse. So habe ein Reporter des angesehenen Wirtschaftsmagazins „Caijing“, Wang Xiaolu, zugegeben, auf Grundlage von Gerüchten und eigener Mutmaßungen über den Aktienmarkt geschrieben zu haben, berichtete die Nachrichtenagentur Xinhua am Montag. Damit habe er dem Land sowie Investoren große Verluste beschert. Der Finanzjournalist hat nach Angaben der chinesischen Staatsmedien „gestanden”, durch seine Berichterstattung die jüngsten Turbulenzen an Chinas Börse verschuldet zu haben. Er habe zugegeben, dass die von ihm verbreiteten „falschen Informationen” zu „Panik und Unruhe” an den Aktienmärkten geführt und das Vertrauen der Anleger „ernsthaft untergraben” hätten.

Der staatliche Fernsehsender CCTV zeigte Wang, der sich vor laufender Kamera entschuldigte: „Ich hätte keinen Bericht veröffentlichen dürfen, der den Markt zu so einer heiklen Zeit stark und negativ beeinflusst”, erklärte er und fügt hinzu, dass er dem Land und Börseninvestoren große Verluste beigefügt habe. Dies tue im „zutiefst leid”.

Xinhua zufolge wurden neben Wang auch ein Beamter der Finanzaufsichtsbehörde sowie vier Manager des größten Wertpapierhändlers des Landes, Citic Securities festgenommen. Die Mitarbeiter von Citic, darunter Managing Director Xu Gang, haben nach Angaben von Xinhua Insiderhandelsgeschäfte gestanden. Bei den weiteren drei Mitarbeitern von Citic soll es nach Angaben von Xinhua um Liu Wei, Mitglied des Exekutiv-Komitees, Fang Qingli, Leiter des Finanzgeschäfts, und Chen Rongjie, Leiter alternative Investments handeln. Alle sechs Personen sollen am 30. August verhaftet worden sein.

Chinas Staatsmedien berichten bei Ereignissen von öffentlichem Interesse regelmäßig über angebliche Geständnisse von Verdächtigen. Menschenrechtler kritisieren dies als Verletzung der Strafprozessordnung.

Zudem hätten 197 Verdächtige Strafen wegen des Verbreitens von Gerüchten über die chinesische Börse sowie über die verheerende Explosionskatastrophe in Tianjin erhalten, teilte das Ministerium für Staatssicherheit mit. In diesem Zusammenhang seien 165 Profile bei sozialen Netzwerken im Internet gesperrt worden. Zur Art der Strafen machte das Ministerium keine Angaben.

Die chinesischen Aktienmärkte sind seit Juni um etwa 40 Prozent gefallen, weil sich das Wachstum der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt abkühlt und die Landeswährung Yuan im August überraschend abgewertet wurde. Die Behörden wollen die Märkte unter anderem stützen, indem sie gegen die Urheber von Falschinformationen vorgehen.

Seite 1:

Journalisten „gestehen“ Mitschuld an Kurssturz

Seite 2:

Wertpapieraufsicht drängt Firmen zu Aktienrückkäufen

Kommentare zu " Börsen Asien: Journalisten „gestehen“ Mitschuld an Kurssturz"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • @Dekant

    Natürlich ist das eine typisch chinesische Nebelkerze. Aber es ist trotzdem was dran, auch ganz ohne 'Haß'. Wenn Sie mehrere (Wirtschafts-)Zeitungen regelmäßig lesen, noch dazu in mehreren Sprachen, dann merken Sie schnell, wieviel <copy-paste> da betrieben wird.
    Und dann zählen Sie mal die Konjunktive. An jeden Furz wird ein tiefschürfend nichtsaagender Artikel angehängt und der Weltuntergang beschworen, oder das glatte Gegenteil. Das wesentliche passiert dann unbemerkt.

  • Die Menschen haben sich nicht geändert. Dem Boten der die schlechte Nachricht überbringt, wird der Kopf gekürzt...in China vielleicht sogar physisch.

    Wenn man die Teile der Berichte internationaler Unternehmen die China betreffen ansieht, Umsatzstagnation, Umsatzrückgänge, Stagnation des Stromverbrauchs, Verminderung des Kohleimports, so muss man einen guten Glauben aufbringen um den staatlichen, chinesischen Zahlen zum Wirtschaftswachstum Glauben zu schenken.

    In D kann das zum Glück nicht passieren. Wirtschaftszahlen werden bislang nicht als politisch bedeutsam empfunden. Die Journalisten der "Qualitätsmedien" halten sich bei ideologisch heiklen Themen, WKII, Einwanderung, Feminismus und den anderen links-ökologischen Themen an die vorgegebene Linie des Systems.

  • Das einzelne Journalisten in China einen solchen Kurssturz auslösen können ist doch ein Ammenmärchen. Hier wurde ein Bauernopfer gesucht und gefunden, um vom Versagen der Einparteienführung abzulenken.

    Es ist schon bedrückend wenn diese Propaganda dann von deutschen online Kommentatoren begierig aufgegriffen wird, nur weil es so schön in den Journohass auf "die da oben" passt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%