Börsen auf Talfahrt

Schwarzer Tag für den Dax

Der Dax beendet den Handelstag mit dem größten Tagesverlust seit fast drei Jahren. Panik beherrschte die Märkte, die Anleger fürchten sich vor Rezession. Einzelne Dax-Aktien stürzten um zehn Prozent ab.
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Ein Händler an der Frankfurter Börse Quelle: dpa

Ein Händler an der Frankfurter Börse

(Foto: dpa)

FrankfurtDer Dax begann am Donnerstag wie erwartet schwach und notierte knapp über einem Prozent im Minus. Schlechte Vorgaben aus den USA und die Enttäuschung über die "EU-Reförmchen" veranlassten die Anleger zum Verkauf ihrer Aktien veranlasst. Bis zur Veröffentlichung der US-Konjunkturdaten am Nachmittag gab der Dax bereits deutlich nach, weil Anleger mit schlechten Nachrichten rechneten.

Doch die Zahlen aus Übersee fielen noch schlechter aus als erwartet und ließen die Aktienkurse einbrechen. Innerhalb von Minuten baute der Dax sein Minus auf bis zu sieben Prozent ein, sein Tagestief markierte der Index bei 5.535 Punkten. Er lag damit 400 Punkte hinter seinem Vortagswert zurück. Bis zum Handelsschluss stabilisierte sich die Lage nur noch leicht, der Dax beendete den Handelstag mit einem Minus von 5,8 Prozent auf 5.602 Punkte.

In der zweiten Reihe sah es ähnlich aus. Der MDax verlor sechs Prozent und schloss bei 8.532 Punkten, der TecDax ging mit 4,9 Prozent minus auf 686 Zähler aus dem Handel.

Auch die US-Börsen präsentierten sich tiefrot: er Dow-Jones-Index stürzte zur Eröffnung um 500 Punkte ab und lag damit über vier Prozent im Minus. Später konnte er, wie der Dax, seine Verluste reduzieren und notierte 3,6 Prozent auf 10.997 Punkte im Minus. Der breiter gefasste S&P 500 Index verlor 3,9 Prozent auf 1.147 Punkte und der Technologieindex Nasdaq-100 gab 4,2 Prozent auf 2.090 Punkte nach.

Auslöser des Kurssturzes an der Wall Street waren enttäuschende Konjunkturdaten aus den USA: Die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe stiegen in der vergangenen Woche um 9.000 auf 408.000 und damit stärker als erwartet. Schlimmer noch: Trotz der spürbaren Verlangsamung der US-Wirtschaft zieht die Inflation weiter an. Die Verbraucherpreise zogen im Juli gegenüber dem Vormonat um 0,5 Prozent an, Experten hatten lediglich einen Anstieg um 0,2 Prozent erwartet.

Zudem fiel der Philly-Fed-Index im August auf den tiefsten Stand seit März 2009. Mit einem Minus von 30,7 Punkten lag der Indikator deutlich unter den Erwartungen von Analysten. Im Vormonat waren die Daten mit einem plus von 3,2 Zählern noch besser ausgefallen. Ein Wert über null signalisiert, dass die Produktion gewachsen ist. Der Philly-Fed-Index umfasst die Fabriken im Osten Pennsylvanias, im Süden von New Jersey und in Delaware. Er gilt als einer der wichtigsten Früh-Indikatoren für die US-Produktion.

Damit bewahrheiteten sich die Befürchtungen der europäischen Anleger, die bereits am Vormittag aus Sorge vor einem Abgleiten der Weltwirtschaft in die Rezession Aktien verkauft hatten. Zu Beginn der Woche hatte es bereits aus der Euro-Zone enttäuschende Wachstumsdaten gegeben, seither ist die Konjunkturangst noch einmal spürbar gestiegen.

Bereits nach dem Kurssturz am späten Vormittag sprachen Börsianer von einem ganzen Schwall an Stopp-Loss-Verkäufen im Dax-Future, die unter dem vorherigen Tagestief bei 5.835, dann bei 5.800 Punkten und in weiteren Stufen darunter ausgelöst worden seien. Für eine weitere Verunsicherung sorgte Börsianern zufolge der kleine Verfall am Terminmarkt. Dort werden am Freitag die Optionen auf Indizes und Aktien fällig. Kaum jemand hatte mit einem so starken Kursrutsch in den vergangenen vier Wochen gerechnet. Der Dax hat seit dem Juli-Verfallstermin fast 19 Prozent verloren. Wie stark der Druck vom Terminmarkt auf den Dax ist, zeigte der Einbruch am späten Vormittag.

Im Dax zogen sich die Verluste quer durch alle Branchen. Sämtliche Indexwerte verloren mehr als zwei Prozent. Am härtesten erwischte es wieder einmal die Papiere der Commerzbank, die um 10,4 Prozent auf 1,90 Euro absackten. Die Aktie der Deutschen Bank verbilligte sich um sieben Prozent auf weniger als 28 Euro. Zudem standen vor allem die Aktien von konjunktur-abhängigen Aktien auf den Verkaufslisten der Anleger. Die größten Abschläge am heutigen Handelstag mussten die Aktien von MAN und ThyssenKrupp mit minus zehn bzw. 9,4 Prozent hinnehmen. Bei Thyssen-Krupp drückte auch eine Kursziel-Senkung von den Analysten der DZ Bank auf die ohnehin schlechte Stimmung. Diese sehen das Kursziel jetzt nur noch bei 32 Euro, vorher hatte es bei 35 Euro gelegen. Allerdings sind Thyssen-Aktien aktuell nur noch 22 Euro wert.

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  • Das ist die richtige Antwort für dieses inhaltslose Treffen von Merkosy. Frankreich soll selbst die Schuldenbremse einführen. Eine Wirtschaftsregierung die als Konferenz nur einmal im halben Jahr tagt, das ist ja lachhaft.

  • Die Börse ist eine Diva, wenn sie nicht bekommt was sie will dann reagiert sie verstimmt und beleidigt.
    Die momentanen Börsenkurse spiegeln in keinster Weise die Werte der Unternehmen wieder.
    Manche haben mehr Bargeld am Konto als ihr derzeitiger Börsenwert darstellt - völlig irreal, nur noch ein Kasino von Zockern.

  • Man, woher haben Sie denn den Scheiß her ???

    Sind Sie auf Drogen ???

    Mit klarem Verstand kann man jedenfalls solch ein Blödsinn nicht schreiben !!!

  • Nun, da können wir uns gewiss sein, der schwarze Freitag kommt. Der Euro bricht auseinander und jedes Land denkt innerhalb seiner grenzen, "ich bin mir der nächste" Das bittere Ende wird sein, Duetschland wir allein da stehen. Deutschland hat alle Staaten in die EU eingekauft!! Nun müssen wir Sie teuer halten und das gefällt den PIGS Ländern. Jedenfalls liegt Deutschlands-Übergangswährung bereits in den Tresoren. Einige kennen Sie und hatten Sie sogar schon in den Händen!!
    Das verbissene festhalten an den Euro wird teurer werden als wir uns das je vorstellen können.

  • DU müßtest locker OHNE diese Tradermeinungen auskommen. Was willst du dir denn von diesen daytradern abgucken? Diese Leute haben in diesem tagelangen Wahnsinnsab-auf-undwiederabschwung so gut wie nichts verdient. Die raten jeden morgen aufs Neue. Null Strategie, nur raten, Fingernägel kauen und aufpassen. Die wissen NICHTS besser als DU! Die geben viel Geld für ihre Plattformen aus und erzählen hier fast ausschließlich von ihren Erfolgen. Die Tatsache, daß sich hier "echte" daytrader outen und massenweise Post abliefern zeigt nur eins: Sie sind auf der Suche nach Gleichgesinnten, weil sie völlig verunsichert auf den Markt schauen und gefühlsmäßig immer noch eine andere Meinung suchen. Wer cool ist, Geld hat und erfolgreich tradet oder investiert, der postet hier gar nix! Der macht sein Ding ALLEINE!
    Das solltest DU auch tun. Wenns das nicht klappt, laß es sein.

  • Nein, einfach nur dämlich.

  • Lasst die Börsen zusammenkrachen. Jede Spakulationsgewinne (Vermögen ohne Arbeit) muss durch einen armen Arbeiter real erarbeitet werden, ohne das dieser das verdiente Geld dafür bekommen. Jesus wusste schon warum er die Geldwechsler aus dem Tempel geworfen hat.

  • Ich schau mal in die Glaskugel:

    Ich rechne morgen bis 13:00 mit festeren Kursen, möglich ist ein Anstieg bis zum 61er des heutigen Tages bei 5755. wahrscheinlicher ist aber schon am 50er Schluss. mit vorzeitigen Schwächeanfällen rechne ich nicht. Das alles fällt aus, wenn ein neues Tief unter 5480 markiert wird.

  • Eure Prognose für morgen? Wieder Gegenbewegung oder tönerne Füsse?

  • "Die Fed fürchtet sich vor einem Überschwappen der Euro-Krise auf den US-Bankensektor. Ein Auslöser ist, dass sich ein europäisches Institut 500 Mio. Dollar bei der EZB geliehen hat." Hier zeigt sich, dass die Banken derzeit teilweise extreme Refinanzierungsprobleme haben, da Institutionelle und Privatanleger fluchtartig ihr Geld abziehen. Über Target2-Kredit, eigentlich geschaffen, um laufende Transaktionen über den Tag zu erleichtern, haben kriselnde Euro-Banken gigantische und von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommene 340 Mrd. Euro an Kurzfristschulden. Das zeigt die desolate Lage einiger Institute, aber auch das völlige Versagen von Europas Kontrollmechanismen. Denn hier im Verborgenen wird ein Vielfaches an Geld der bisherigen Rettungsschirme zusätzlich verschoben - vorbei an Parlamenten und der Öffentlichkeit. Das ist ein Desaster, zutiefst undemokratisch und letztendlich tödlich für unsere angeschlagenen Volkswirtschaften.

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