Börsen in Asien
Deutliche Verluste in Shanghai

Schlechte Konjunkturdaten in China haben den Kursrutsch der asiatischen Börsen zum Wochenende noch einmal beschleunigt. Erinnerungen an die Finanzkrise 2009 werden wach. Doch die Zahlen müssen im Kontext gesehen werden.
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PekingDie schlechten Nachrichten aus China reißen nicht ab. Die Stimmung in der verarbeitenden Industrie ist auf den tiefsten Wert seit der globalen Finanzkrise gefallen. Mit 47,1 Punkten lag der Wert auf dem tiefsten Stand seit März 2009, wie das Wirtschaftsmagazin „Caixin“ auf Grundlage einer vorläufigen Schätzung mitteilte. Im Juli lag der Indikator nach endgültigen Zahlen noch bei 47,8 Punkten. Ein Wert unter 50 Punkten zeigt ein Schrumpfen der Industrie an. Chinas Leitindex Shanghai Composite fiel am Freitag um 4,27 Prozent auf 3507 Punkte.

Die Zahlen müssen jedoch im Kontext von Chinas Strukturwandel gesehen werden. Peking will seine Wirtschaft von der Schwerindustrie weg hin zu mehr Dienstleistungen steuern. Der Wandel deutet sich bereits an. Der Indikator für den Dienstleistungssektor lag mit einem Wert von 53,8 Punkten auf dem höchsten Wert seit elf Monaten. Das heißt, Chinas Industrie schrumpft, aber der Dienstleistungssektor wächst.

Allerdings geschieht der Wandel mit großen Verwerfungen. Der Einbruch in der Industrie könnte das Wachstumsziel von etwa sieben Prozent für Chinas gesamte Wirtschaft für dieses Jahr gefährden, meint Xu Yating vom Analyseunternehmen IHS Global Insight. „Deshalb wird es vermutlich Konjunkturspritzen und Erleichterungen im Finanzsektor in den kommenden Monaten geben, um die sieben Prozent Wachstum 2015 zu erreichen“, sagte Xu. Im kommenden Jahr werde Peking das Wachstumsziel vermutlich noch vorsichtiger auf 6,5 Prozent setzen. Schon sieben Prozent wären der schwächste Zuwachs für die Volksrepublik seit mehr als drei Jahrzehnten.

In Tokio schloss der 225 Werte umfassende Nikkei -Index 2,98 Prozent niedriger bei 19.435 Punkten. Der breiter gefasste Topix verlor 3,13 Prozent auf 1573 Zähler. Die Furcht vor einem Schwächeanfall der chinesischen Wirtschaft hatte zuvor auch schon den US-Anlegern die Stimmung verhagelt. Die großen Indizes der Wall Street schlossen mehr als zwei Prozent im Minus. "Lange schlugen sich die US-Börsen gut und wurden als so etwas wie der sichere Hafen betrachtet. Nun bekommt dies Kratzer", sagte der Chefstratege Chris Weston vom Händler IG in Melbourne.

"Die Märkte preisen jetzt schon das Schlimmste ein", sagte Herald Van Der Linde, Chefstratege für asiatische Aktien bei der HSBC. Insbesondere die Unwägbarkeiten bei der chinesischen Währung führten dazu, "dass die Leute sagen, dies ist ein Risiko, und wir halten uns vom Markt fern".

Japans Wirtschaftsminister Akira Amari rief die Regierung in Peking dazu auf, etwas zu unternehmen, bevor die aktuelle chinesische Schwäche zu einem globalen Problem werde. Hinzu kamen die schlechten Vorgaben aus den USA. "Lange schlugen sich die US-Börsen gut und wurden als soetwas wie der sichere Hafen betrachtet. Nun bekommt dies Kratzer", sagte der Chefstratege Chris Weston vom Händler IG in Melbourne.

Mit Material von Reuters

Stephan Scheuer ist China-Korrespondent des Handelsblatts. Quelle: Mirela Hadzic für Handelsblatt
Stephan Scheuer
Handelsblatt / Korrespondent China

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