Börsen New York Wall Street nach Trump-Schock wieder im Plus

Die Wall Street hat den Schock über die Wahl von Trump zum US-Präsidenten überraschend schnell verdaut. Dass die Republikaner die Mehrheit in beiden Kongresskammern besitzen, wird von einigen Börsianern positiv bewertet.
Update: 10.11.2016 - 00:19 Uhr

„Kehrtwende an der NYSE“

New YorkDer Sieg von Donald Trump bei der US-Präsidentenwahl hat die Finanzmärkte rund um den Globus durchgerüttelt. Investoren verdauten den ersten Schock aber überraschend schnell. Viele hoffen nun auf einen Konjunkturschub und einen pragmatischeren Politikstil des Milliardärs.

Versöhnliche Töne in der Siegesrede des 70-jährigen Republikaners hatten die Nerven der Anleger beruhigt. „Trump hat sich in seiner Rede sehr präsidial gezeigt“, sagte Devisenspezialist Jordan Rochester von der Investmentbank Nomura.

Erst kam der Schock, dann kehrte doch schnell Ruhe ein: Die Wall Street schloss am Tag nach der US-Wahl, bei der der der New Yorker Immobilienmogul Donald Trump zu 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gewählt wurde, im Plus. Quelle: AP
Wall Street

Erst kam der Schock, dann kehrte doch schnell Ruhe ein: Die Wall Street schloss am Tag nach der US-Wahl, bei der der der New Yorker Immobilienmogul Donald Trump zu 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gewählt wurde, im Plus.

(Foto: AP)

An der Wall Street schloss der Dow-Jones-Index der Standardwerte 1,4 Prozent höher auf 18.589 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 rückte um 1,1 Prozent auf 2163 Zähler vor. Der Index der Technologiebörse Nasdaq erhöhte sich um 1,1 Prozent auf 5251 Punkte.

In Frankfurt ging der Dax mit einem Plus von 1,6 Prozent auf 10.646 Punkte aus dem Handel, nachdem er am Morgen noch Verluste von drei Prozent verzeichnet hatte. Der EuroStoxx50 gewann 1,1 Prozent auf 3056 Zähler.

Trump, der sich in einem harten Wahlkampf gegen die Demokratin Hillary Clinton durchgesetzt hatte, rief dazu auf, die Spaltung der Gesellschaft im Land zu überwinden. Er wolle „fair“ mit der Weltgemeinschaft umgehen. In den Wochen vor der Wahl hatten Börsianer starke Turbulenzen im Fall eines Trump-Sieges wegen der umstrittenen Pläne des Freihandelsgegners in der Wirtschafts- und Außenpolitik vorausgesagt.

Positiv sahen einige Börsianer auch, dass die Republikaner die Mehrheit in beiden Kongresskammern behaupteten. „Die Ergebnisse sind klar, und der Markt mag Klarheit“, sagte Analyst John Canally vom Broker LPL Financial.

Wie Donald Trump durch die Wirtschaft fegt

STXE 600 FOOD & BEVERAGE INDEX (PRICE) (EUR)

WKN
ISIN
EU0009658749
Börse
DJSTOXX

+8,77 +1,41%
0,00€
Chart von STXE 600 FOOD & BEVERAGE INDEX (PRICE) (EUR)
1 von 10

Flop Nr. 1: Nahrungsmittel und Getränke

Stoxx Europe 600 Food & Beverage

Die größten Verlierer des US-Wahlausgangs an den Aktienmärkten sind Lebensmittelhersteller. Mit dem Wahlsieg des Polit-Außenseiters Donald Trump sieht die Branche einen ihrer größten Wachstumsmärkte in Gefahr: Mexiko. Denn Trump hatte den Kampf gegen illegale Migranten, aber auch gegen Billigimporte aus dem Mittelamerikastaat zu einem Hauptanliegen seines Wahlkampfs gemacht. Prompt folgten die ersten Analystenkommentare, die Nahrungsmittel- und Getränkehersteller abstuften. Tate & Lyle aus England etwa brachen um elf Prozent ein, aber auch die Brauerei Anheuser-Busch Inbev verlor zwei Prozent.

STXE 600 AUTOMOBILES & PARTS INDEX (PRICE) (EUR)

WKN
ISIN
EU0009658681
Börse
DJSTOXX

+7,68 +1,21%
0,00€
Chart von STXE 600 AUTOMOBILES & PARTS INDEX (PRICE) (EUR)
2 von 10

Flop Nr.2: Autos und Zulieferer

Stoxx Europe 600 Automobiles & Parts

Fahrzeugbauer gehörten zu den schwächsten Titeln am Mittwoch. Mit Donald Trump kommt ein neuer Präsident an die Macht, der den Freihandel beschränken will. Europas Autobauer fürchten um ihren Zugang zum zweitgrößten Pkw-Markt der Welt. Der deutsche Autoverband VDA warnte die USA bereits vor Protektionismus und zusätzlichen Handelsbarrieren. Dies brächte weder den Vereinigten Staaten etwas, noch den Handelspartnern. Vor allem die Deutschen fürchten um ihr gutes Amerika-Geschäft, zählen sie doch zu den Favoriten der US-Kunden im Oberklasse-Segment.

STXE 600 PERS. & HOUSEH.GOODS INDEX (PRICE) (EUR)

WKN
ISIN
CH0019112330
Börse
DJSTOXX

+9,62 +1,22%
0,00€
Chart von STXE 600 PERS. & HOUSEH.GOODS INDEX (PRICE) (EUR)
3 von 10

Flop Nr. 3: Gebrauchsgüter

Stoxx Europe 600 Personal & Household Goods

Wie bei jedem politischen Umbruch, der für konjunkturelle Unsicherheit sorgt, sind die Einzelhändler die ersten, die Federn lassen. Seien es Kosmetiker wie Beiersdorf und Loreal, Luxuslabels wie Burberry oder Hugo Boss oder Unterhaltungssoftware-Hersteller wie Ubisoft. All ihrer Investoren eint die Angst, einer konjunkturellen Abkühlung, zumal Donald Trump mit seiner „America first“-Devise mit protektionistischen Allüren kokettiert.

STXE 600 OIL & GAS INDEX (PRICE) (EUR)

WKN
ISIN
EU0009658780
Börse
DJSTOXX

+3,15 +1,06%
0,00€
Chart von STXE 600 OIL & GAS INDEX (PRICE) (EUR)
4 von 10

Flop Nr. 4: Energie

Stoxx Europe 600 Oil & Gas

Europas Energie-Unternehmen müssen mit schärferen Gegenwind aus den USA rechnen. Trump setzte im Wahlkampf auf Energie-Autarkie und das Wiederbeleben der kohlebasierten Energiegewinnung. Zudem ist unklar, wie sich Amerika außenpolitisch und gegenüber der Opec positionieren wird.

STXE 600 BANKS INDEX (PRICE) (EUR)

WKN
ISIN
EU0009658806
Börse
DJSTOXX

+1,80 +0,97%
0,00€
Chart von STXE 600 BANKS INDEX (PRICE) (EUR)
5 von 10

Flop Nr. 5: Banken

Stoxx 600 Banks Index

Finanztitel waren im schwierigen Frühhandel von allen Branchen am meisten unter die Räder gekommen, konnten sich im Laufe des Handels aber fangen. Kriselnde Geldhäuser wie die Deutsche Bank oder italienische Institute sehen sich nun einer schwierigeren Kapitalbeschaffung gegenüber, weil die generelle Unsicherheit wächst. Zudem muss die Deutsche Bank mit einer härteren Gangart der neuen US-Führung in der Aufarbeitung von Rechtsstreitigkeiten aus der Finanzkrise rechnen. Und einige spanische Banken fürchten, dass mit Trumps Anti-Mexiko-Kurs das Mittelamerikageschäft in Gefahr gerät.

STXE 600 INDUSTRIAL G&S INDEX (PRICE) (EUR)

WKN
ISIN
EU0009658905
Börse
DJSTOXX

+6,49 +1,24%
0,00€
Chart von STXE 600 INDUSTRIAL G&S INDEX (PRICE) (EUR)
6 von 10

Top Nr. 5: Industriegüter- und -dienstleistungen

Stoxx Europe 600 Industrial Goods & Services

Die große Gruppe von Industrietiteln gab ein unklares Bild ab. Während einige Anlagebauer, vor allem aber Logistiker wie die Deutsche Post, aus Angst vor einem Abschwung der Konjunktur und der Zunahme von Handelsbeschränkungen Punkte lassen mussten, schossen Papiere der Verteidigungsindustrie in die Höhe. Das Kalkül der Anleger: Mit Trumps Isolationismus und dem angekündigten Zurückfahren des amerikanischen Engagement innerhalb der NATO werden Europas Regierungen die Ausrüstungsausgaben hochfahren.

STXE600 REAL ESTATE INDEX (PRICE) (EUR)

WKN
ISIN
CH0043274395
Börse
DJSTOXX

+3,62 +2,19%
0,00€
Chart von STXE600 REAL ESTATE INDEX (PRICE) (EUR)
7 von 10

Top Nr. 4: Immobilien

Stoxx Europe 600 Real Estate
Am Tag nach der US-Wahl haben Immobilienwerte in Europa Verluste verzeichnet. Die Aktien von LEG Immobilien beispielsweise gaben mehr als drei Prozent nach. Das Wahlergebnis bringt große Unsicherheit und die ist grundsätzlich schädlich für die Wirtschaft. „Für die Immobilienwirtschaft könnte sie sich allerdings erneut als geborgter Segen erweisen, denn Anleger flüchten bei zunehmender Unsicherheit in sicherheitsversprechende Assets. Dazu gehören auch Immobilien“, kommentierte Tobias Just, Geschäftsführer und wissenschaftlicher Leiter der Immobilienakademie IREBS. Allerdings, dieser Segen könnte nur „geborgt“ sein, fürchtet der Professor, denn durch neue Investitionsentscheidungen werde der Druck auf die Mietrenditen anhalten. „Das kurzfristige Plus an Wertsteigerungen wird erkauft durch ein weiter steigendes Risiko für ruckartige Korrekturen von Fehlbewertungen.“

Gefragt waren wegen Spekulationen auf steigende Militärausgaben Aktien von Rüstungsfirmen. Northrop-Grumman-Scheine verteuerten sich um 5,4 Prozent.
Auch Pharmawerte legten eine Rally aufs Parkett. So stiegen die Aktien von Pfizer um mehr als sieben Prozent. Allergan-Papiere schossen fast neun Prozent in die Höhe. Wahlverliererin Clinton hatte sich in den vergangenen Monaten für Zwangsrabatte auf Medikamente starkgemacht.

Die Aussicht auf steigende Wirtschaftsinvestitionen half den Banken. JP Morgan legten 4,6 Prozent und Goldman Sachs 5,9 Prozent zu.

Nach dem Wahlsieg Trumps sorgten sich Investoren dagegen vor einem Platzen der 85 Milliarden Dollar schweren Fusion zwischen dem Medienkonzern Time Warner und dem Mobilfunkriesen AT&T. Die Aktien von Time Warner fielen um 1,4 Prozent. A&T legten dagegen 1,2 Prozent zu.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 1,43 Milliarden Aktien den Besitzer. 1671 Werte legten zu, 1344 gaben nach, und 93 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 2,8 Milliarden Aktien 2072 im Plus, 800 im Minus und 172 unverändert.

Die US-Kreditmärkte brachen ein. Die zehnjährigen Staatsanleihen verloren 1-27/32 auf 94-30/32. Die Rendite stieg auf 2,0754 Prozent. Der 30-jährige Bond fiel 4-19/32 auf 87-21/32 und rentierte mit 2,8694 Prozent. Das war der höchste Anstieg der Rendite seit mehr als fünf Jahren. Händler begründeten die Tendenz mit Erwartungen, dass höhere Staatsausgaben unter Trump die Inflation ankurbeln dürften.

  • rtr
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