Börsen weltweit auf Talfahrt
„Gewaltige Spekulationsblase könnte platzen“

Nach dem Börsencrash in China und Warnungen des früheren US-Notenbankchefs Greenspan vor einer Rezession in den USA sind die Aktienmärkte am Dienstag weltweit auf Talfahrt gegangen. Investoren befürchten, dass in China eine gewaltige Spekulationsblase platzen könnte. Der Dax verlor fast drei Prozent. Auch die Wall Street erlebte einen drastischen Kurseinbruch.

HB FRANKFURT/SCHANGHAI. Chinesische Aktien haben heute ihren größten Einbruch seit zehn Jahren erlebt. In Shanghai verlor der wichtigste Aktienindex knapp neun Prozent, nachdem Profianleger wie Fonds und Versicherungen in großem Stil Gewinne mitgenommen hatten. Der Shanghai Composite Index fiel um 8,84 Prozent auf 2771,79 Punkte. Gestern hatte die Börse zum ersten Mal über 3000 Zählern geschlossen.

Es war in Prozent gerechnet der größte Kurseinbruch seit Februar 1997. Viele Anleger seien vor der Sitzung des Volkskongresses in der nächsten Woche nervös, sagten Börsianer, die für den starken Kursrutsch keine konkrete Erklärung hatten. Es wird erwartet, dass Chinas Parlament einige marktfreindliche Gesetze verabschiedet, was in den Kursen aber schon weitgehend berücksichtigt war. Viele fürchteten nun, dass das Potential nach oben ausgeschöpft ist. Auch in Hongkong und Singapur gaben die Kurse deutlich nach. In Tokio verlor der Nikkei-Index 0,5 Prozent.

In Europa setzte sich die Talfahrt an den großen Börsen nahtlos fort. Nach den kräftigen Kursgewinnen der vergangenen Monate machten viele Investoren mit Aktien Kasse. Als sicheren Anlagehafen steuerten sie die als weniger riskant geltenden Staatsanleihen an. Der Deutsche Aktienindex verlor fast 3 Prozent auf 6.819,65 Punkte. Der MDax büßte 4,70 Prozent auf 9.787,10 Zähler ein, der TecDax sogar 6,25 Prozent auf 816,40 Punkte. "Die Investoren sind verunsichert und fürchten, in China könnte eine gewaltige Blase platzen", sagte ein Händler in Frankfurt.

Hans-Jörg Naumer von Allianz Global Investors beschwichtigte: "Das ist ein gesundes Durchatmen", meinte Kapitalmarkt-Analyst . "Der Markt hat nach Gründen gesucht, um die Gewinne der letzten Monate mitzunehmen. Er brauchte so eine Vorlage. Da schwingt auch etwas Höhenangst mit."

Thyssen-Krupp unter Druck

Erst am Montag hatte der Dax mit dem höchsten Stand seit November 2000 geglänzt und war auf 7.028,53 Punkte gestiegen. Bei der internationalen Talfahrt büßte der Index aber mehr als 200 Punkte ein. Besonders betroffen waren die Werte Henkel (minus 5,74 Prozent), Thyssen-Krupp (minus 5,02) und Eon (minus 4,51). Zu Thyssen-Krupp meinte ein Händler: "Wenn sich die chinesische Wirtschaft abkühlen sollte, dann drückt das natürlich auf den Stahlpreise."

Auch die Schweizer Börse sackte ab: Der Swiss Market Index (SMI) ausgesuchter Werte gab im Vergleich zum Vorabend zeitweise um bis zu 3,6 Prozent nach. Bei Handelsschluss stand er mit 8.909,9 Punkten noch 313 Zähler oder 3,4 Prozent niedriger als am Vorabend.

Die Londoner Börse wurde vor allem vom der Einbruch der Bergbauwerte belastet. Einige Minengesellschaften seien angesichts der Rohstoff-Hausse der vergangenen Jahre besonders stark von der Entwicklung in China abhängig. Die Aktien des weltgrößten Bergbaukonzerns BHP Billiton verloren rund fünf Prozent an Wert. "Eine Abkühlung der chinesischen Wirtschaft könnte eine geringere Nachfrage nach Basismetallen bedeuten", sagte Rohstoffexperte Peter Fertig von Dresdner Kleinwort.

Die internationalen Verluste wirkten sich auch auf den Handel in den USA aus: Die Wall Street erlebte bei hektischem Handel einen drastischen Kurseinbruch. Der Dow-Jones-Index fiel um 415,30 Zähler oder 3,29 Prozent auf 12 216,96 Punkte. Das war der schlimmste Kursverlust seit mehr als fünf Jahren. Der Dow war im Tagesverlauf zeitweise sogar um 546 Punkte oder 4,3 Prozent eingebrochen. Analysten sprachen von regelrechten Panikverkäufen.

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