Börsen weltweit auf Talfahrt
Vorsicht, Ansteckungsgefahr!

Erst die Schwellenländer, jetzt die großen Volkswirtschaften: Anleger sorgen sich um den Aufschwung in den USA und China. Die Börsen in New York, Tokio und Frankfurt geben kräftig nach. Ist dies das Ende der Rally?
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DüsseldorfDie Verunsicherung frisst sich wie ein Virus durch die Finanzmärkte, von den Rändern bis zum Kern: Zuerst war es die Sorge um Schwellenländer wie die Türkei, Südafrika oder Indonesien. Die sogenannten Emerging Markets stürzten ab, nachdem Investoren innerhalb kurzer Zeit massiv Kapital abgezogen hatten. Jetzt greift die Nervosität auf die großen Volkswirtschaften über. Die Kurse an den Börsen in New York, Tokio und Frankfurt gehen auf Talfahrt.

Am Montagabend fiel der S&P500 an der Börse in New York um mehr als zwei Prozent auf 1.741 Punkte. Noch heftiger erwischte es den Nikkei in Tokio, der um mehr als vier Prozent auf 14.008 Punkte abstürzte. In Frankfurt startete der Dax mit einem Minus von einem Prozent bei 9.087 Zählern. Ist dies das Ende einer langen Rally? Der Beginn einer großen Korrektur?

Es schien nur eine Frage der Zeit zu sein, bis der Dax die 10.000-Punkte-Marke knackt. Da waren sich die Experten am Beginn des Jahres einig. Angeführt von den wiedererstarkten USA sollte die Weltwirtschaft insgesamt wieder an Fahrt aufnehmen. Europa schien die Krise endlich hinter sich zu lassen. China sah stabil aus. Doch nur wenige Wochen später sieht das Bild ganz anders aus – und die Anleger könnten den Aufschwung überschätzt haben.

„Die Konjunkturdaten sind durch die Bank weg sehr schwach“, sagte Paul Zemsky von ING Investment Management in New York. „Es ist wirklich schwer, irgendwo gute Nachrichten zu finden.“

Die beiden größten Volkswirtschaften der Welt meldeten am Montag deutlich schwächere Konjunkturdaten als erwartet, zuerst China, dann die USA. Der Dienstleistungssektor in China wuchs im Januar so langsam wie seit mindestens einem Jahr nicht mehr. In der Industrie zeigte sich ein ähnliches Bild. Später enttäuschten dann auch die Daten zur Industrieproduktion in den USA. Für viele Anleger war das endgültig der Anlass, um nach dem guten Börsenjahr 2013 ein paar Gewinne mitzunehmen.

In den vergangenen Tagen hatte bereits die Kapitalflucht aus einigen Schwellenländern für Unruhe gesorgt. Besonders heftig erwischte es Länder wie die Türkei, die auf Kapital aus dem Ausland angewiesen sind. Sie könnten in eine Spirale aus Währungsverfall und Rezession geraten. Zunächst hielten die meisten Experten die Probleme für lokal begrenzt, sie setzten weiter auf die Story vom stärkeren Wachstum in den Industrieländern. Doch das eine lässt sich nicht von dem anderen trennen.

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  • Der Grund für den Zusammenbruch des Weltfinanzbetrugssystems anno 2008 war, dass die Investmentbankster aus den ca. 12 Bio. $ Hypothekenkrediten ein „Vermögen“ von ca. 600 Bio. $ aus dem Nichts erschufen, Weihnachtspakete, die mit AAA geratet und mit heißer Luft gefüllt waren und auf der ganzen Welt verkauft wurden. Der größte Betrug aller Zeiten, mit dem die USA seit 2000 auf Kosten der übrigen Welt ihren Wohlstand finanzierten.

    Ein Perpetuum-Mobile, das anno 2008 aufgehört hatte zu laufen. Jetzt ist Feierabend, nicht nur in den USA, sondern in allen westl. Ind.staaten, die auf horrenden Schulden sitzen und jeglichen Aufschwung bereits im Keim ersticken.

    Nur durch einen Reset im Finanzbetrugssystem, einem Trennbankensystem, die Geldschöpfung zurück in staatliche Hände und in Europa die Wiedereinführung der Landeswährungen kann die westl. Ind.staaten vor einem jahrzehntelangem Siechtum mit inneren Unruhen und Bürgerkriegen vielleicht noch bewahren.

    Die Billionen der Zentralbanken schieben den Zusammenbruch lediglich hinaus und verschlimmern alles, sie verhindern ihn nicht. Sie bekämpfen die Symptome und lösen nicht die Ursache. So wird das nix. Das herrschende neoklassische Wirtschaftsdogma ignoriert in seinen Modellen die Kreditgeldschöpfung durch die Banken. Die Lösungsvorschläge der „Experten“ sind darum alle zum Scheitern verurteilt und die Politik schlecht beraten.

    Albert Einstein: „Die Welt ist nicht gefährlich wegen denen, die Böses tun, sondern wegen denen, die tatenlos dabei zusehen“.

    „Nicht wir Politiker machen die Politik, wir sind nur die Ausführenden. Was in der Politik geschieht, diktieren die internationalen Großkonzerne und Banken“.
    Johannes Rau (*16.01.1931-†27.01.2006), ehem. Bundespräsident

    +++ Die Wert-Zerstörer +++
    Banker, die in der Londoner City arbeiten und jährlich zwischen 500.000 und zehn Millionen Pfund einstreichen, zerstören für jedes Pfund Sterling, das sie an Wert schaffen, sieben Pfund Gemeinschaftsvermögen.

  • Teil II
    Schulden ohne Ende sind nicht möglich.
    Die Anleger hoffen auf Geldspritzen der amerikanischen Zentralbank. Mehr Geld zu drucken und höhere Schulden zu machen, sei aber riskant, erklärt William White, der ehemalige Chefökonom der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich. Die wirtschaftliche Lage sei sehr fragil. In erster Linie weil die Probleme, die in die Krise geführt hätten, noch nicht gelöst seien.

    Der globale Kreditrausch – die Droge für die Börsen.
    Die Weltverschuldung hat sich seit 1990, damals 18 Bio. $, bis Anfang 2010 auf 96 Bio. $ und bis Ende 2010 auf 200 Bio. $ erhöht. Und das meiste Geld floss in die weltweiten Aktienmärkte. Was sagt uns das, wenn die Fed nun anfängt, die Kreditmenge nicht mehr so stark wie bisher auszuweiten, von Reduktion mal gar nicht zu reden?
    Wenn bei den Börsenwerten das Komma um ein oder zwei Stellen nach links versetzt wird, dann geht es auch mit der Weltwirtschaft wieder aufwärts.

  • Nicht nur die DAX-Entwicklung ist vorhersehbar, sondern die Börsen der westl. Industriestaaten allgemein.
    So lange die Zentralbanken immer neue Milliarden und Billionen zur Verfügung stellen, um die Realwirtschaft anzukurbeln, davon aber ca. 80% für die Aktienmärkte abgezweigt werden, so lange geht es mit den Börsen, den Blasen und der Arbeitslosigkeit weltweit aufwärts – mit der Realindustrie, die Arbeitsplätze schafft, allerdings abwärts.

    Was lernen wir daraus? Wir befinden uns in der größten Finanzblase aller Zeiten! Rund 80 Prozent der Tarp-Gelder, die dazu gedacht waren, die Wirtschaft zu beleben, gingen direkt in Spekulationen an den Aktienmärkten. Alleine deswegen sind die Aktienkurse so stark gestiegen. Wenn wir künftig zurückblicken, werden wir sehen, dass wir uns in der größten Finanzblase aller Zeiten befinden. Ein Grund dafür ist der Bankensektor, der völlig außer Kontrolle geraten ist, sagt Prof. Steve Keen aus Australien.
    Die Lösung: Schuldabschreibung, Bankrott der Banken, Verstaatlichung der Geldschöpfung, Trennbankensystem, Neustart. Nur so kann ein jahrzehntelanges Siechtum mit inneren Unruhen und Bürgerkriegen vielleicht noch verhindert werden.

    Faber erwartet den großen Crash. Der Börsenguru Marc Faber warnt: Die Börsen werden einbrechen. Der Weltwirtschaft geht die Puste aus, das globale Finanzsystem werde eines Tages implodieren. Notenbanken und Politik riskierten den Zusammenbruch. Faber ist sicher, dass eines Tages das ganze globale Finanzsystem auf null gesetzt wird. Für einen allfälligen Neustart des Systems sorgen werden aber nicht Notenbanken, sondern implodierende Währungs-, Kredit- oder Aktienmärkte.

    Die Märkte boomen – die Krise bleibt.
    „Der aktuelle Aufschwung läuft auf Pump“, schimpft Unger, „er wurde erkauft durch die höchste Staatsverschuldung in der aktiven Erinnerung der Menschheit.“ Allein britischen Banken fehlen 25 Milliarden Pfund – pro Monat, errechnete die unabhängige New Economics Foundation.

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