Börsenbarometer im Höhenflug Warum der Dax wieder im Rallymodus ist

Der Laie staunt, der Fachmann wundert sich: Trotz schwächelnder Wall Street und starkem Euro nimmt der Dax am Freitag sein Rekordhoch ins Visier. Ein neues Allzeithoch dürfte die Anleger auf dem falschen Fuß erwischen.
Update: 19.01.2018 - 14:33 Uhr 1 Kommentar
Optimistische Anleger glauben, dass der Dax erhebliches Nachholpotenzial hat. Quelle: Reuters
Börse Frankfurt

Optimistische Anleger glauben, dass der Dax erhebliches Nachholpotenzial hat.

(Foto: Reuters)

DüsseldorfSeit Monaten herrscht an den Börsen eine Zwei-Klassen-Gesellschaft. Die US-Märkte eilen von einem Rekordhoch zum nächsten, während der Dax seit Monaten seitwärts tendiert. Sein Allzeithoch hat das deutsche Börsenbarometer Anfang November mit 13.525 Punkten markiert. Seitdem notierte die Frankfurter Benchmark – grob betrachtet – in einer Spanne zwischen 12.800 und 13.200 Punkten.

Lediglich Mitte Dezember und Anfang Januar gab es Ausbruchsversuche nach oben – die aber schnell wieder beendet wurden. „In den USA peitscht die Unternehmenssteuerreform die Wirtschaft an, in Deutschland lähmen die Probleme der Regierungsbildung“, meint Börsenexperte Stephan Heibel. Zuletzt verhinderten Gedankenspiele der Europäischen Zentralbank (EZB), ihr Anleihenkaufprogramm vorzeitig zu beenden, steigende Kurse am deutschen Aktienmarkt.

Mittlerweile beträgt die Performance-Differenz zwischen dem Dow-Jones-Index und dem Dax seit Sommer 2017 circa 20 Prozent. Optimistische Anleger glauben deshalb, dass das deutsche Börsenbarometer nun erhebliches Nachholpotenzial hat. Pessimisten hingegen erwarten deutlich fallende Kurse bei deutschen Aktien, sollte die Wall Street mal korrigieren.

Mit diesen Aktien machten Anleger 2017 Kasse

PROSIEBENSAT.1 MEDIA SE NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE000PSM7770
Börse
L&S

+0,13 +0,45%
+29,62€
Chart von PROSIEBENSAT.1 MEDIA SE NAMENS-AKTIEN O.N.
Pro Sieben Sat 1
1 von 30

Der Fernsehmarkt verändert sich radikal, und der Medienkonzern Pro Sieben Sat 1 bekommt das deutlich zu spüren. Unterhaltung lieferte der Konzern aus Unterföhring mit der Posse um Vorstandschef Thomas Ebeling selbst. Dieser muss nach unbedachten, teils diskriminierenden Äußerungen über die eigenen Kunden gehen. 23,7 Prozent beträgt das Minus des Aktienkurses in diesem Jahr. Ein Papier ist inzwischen weniger als 29 Euro wert. Experten glauben, dass der Konzern gar aus der ersten Börsenliga absteigen könnte, sollte sich dieser Trend im neuen Jahr fortsetzen.

Quelle: Bloomberg

FRESENIUS SE & CO. KGAA INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0005785604
Börse
L&S

-0,79 -1,21%
+64,83€
Chart von FRESENIUS SE & CO. KGAA INHABER-AKTIEN O.N.
Fresenius
2 von 30

Erst hui, dann eher pfui: Fresenius fiel in der zweiten Jahreshälfte an der Börse deutlich ab. Grund für den Kursverlust dürfte insbesondere der Preisdruck in der US-Medikamentenbranche sein. Auch Verzögerungen bei der Übernahme des US-Konzerns Akorn drückten die Stimmung der Anleger. 13 Prozent beträgt das Minus auf Jahressicht.

MERCK KGAA INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0006599905
Börse
L&S

+0,30 +0,36%
+81,78€
Chart von MERCK KGAA INHABER-AKTIEN O.N.
Merck
3 von 30

Der Pharma- und Chemiekonzern Merck muss an der Börse auf ein eher schwaches zweites Halbjahr zurückblicken – auch die Umsätze waren im dritten Quartal rückläufig. In nächster Zeit soll entschieden werden, ob die Sparte mit rezeptfreien Medikamenten verkauft werden soll. Die Aktie sank von 101,25 Euro auf 89,75 Euro (minus 11,4 Prozent).

DEUTSCHE TELEKOM AG NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0005557508
Börse
L&S

+0,09 +0,68%
+14,07€
Chart von DEUTSCHE TELEKOM AG NAMENS-AKTIEN O.N.
Deutsche Telekom
4 von 30

Die Deutsche Telekom hat kürzlich angekündigt, den österreichischen Kabelnetzbetreiber UPC zu übernehmen. Experten erwarten dadurch neue Impulse für den Aktienkurs. Die Telekom könnte ein solches Signal gut gebrauchen. Durch den hohen Preisdruck und eine weitgehende Sättigungen der Kernmärkte war die Performance auf dem Parkett 2017 eher schwach – minus zehn Prozent.

HENKEL AG & CO. KGAA INHABER-VORZUGSAKTIEN O.ST.O.N

WKN
ISIN
DE0006048432
Börse
L&S

-1,15 -1,10%
+103,77€
Chart von HENKEL AG & CO. KGAA INHABER-VORZUGSAKTIEN O.ST.O.N
Henkel
5 von 30

Zuletzt hatte Henkel mit weiteren Investitionen in den US-Markt geliebäugelt. Ob das dem Aktienkurs stärken würde? Anleger müssen für 2017 ein Minus von vier Prozent hinnehmen.

BAYERISCHE MOTOREN WERKE AG STAMMAKTIEN EO 1

WKN
ISIN
DE0005190003
Börse
L&S

-0,23 -0,25%
+90,90€
Chart von BAYERISCHE MOTOREN WERKE AG STAMMAKTIEN EO 1
BMW
6 von 30

Zum Jahresende konnte sich der Autobauer über das Milliardengeschenk von US-Präsident Trump in Form der Steuerreform freuen. Zuvor gab es bei BMW, zumindest hinsichtlich des Aktienkurses, wenig zu feiern. Die Aktie, die zu Jahresbeginn noch mit über 90 Euro gehandelt wurde, fiel Ende Juli auf ein 52-Wochen-Tief von 77 Euro. Minus 3,5 Prozent unterm Strich insgesamt.

SIEMENS AG NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0007236101
Börse
L&S

+0,06 +0,05%
+108,11€
Chart von SIEMENS AG NAMENS-AKTIEN O.N.
Siemens
7 von 30

Die Nachricht eines Stellenabbaus bei Siemens sorgte im November für sehr starke Aufmerksamkeit. SPD-Parteichef Schulz schaltete sich ein und attackierte das Management des Konzerns scharf, das die Vorwürfe wiederum in einem Brief entscheidend zurückwies. Wie dem auch sei: Der Siemens-Aktienkurs büßte nach einem starken ersten Halbjahr seine Gewinne ein – minus 1,5 Prozent auf Jahressicht.

Einige Indizien sprechen dafür, dass der Dax mit dem Erreichen der Marke von 13.400 Punkte am Freitag wieder in den Rallymodus geschaltet hat und bald ein neues Allzeithoch erreicht – zumal der Index am Freitagmittag nur noch 120 Punkte unterhalb des Rekordhochs notierte.

Das ist durchaus überraschend, schließlich waren die Voraussetzungen für steigende Kurse zuletzt eher schlecht. Die US-Börsen tendieren seit vier Tagen nur noch seitwärts, außerdem ist die europäische Gemeinschaftswährung auf 1,2283 US-Dollar gestiegen und liegt nur knapp unterhalb einer Mehrjahreshoch-Marke. Je stärker der Euro ist, desto mehr kann er zum Belastungsfaktor für exportstarke deutschen Unternehmen werden. „Dass der Dax die Stärke trotz eines Euros weiter in der Nähe der 1,23er-Marke zum Dollar entwickelt, ist ein starkes Signal“, betont Marktanalyst Jochen Stanzl vom Brokerhaus CMC Markets.

Vor allem die Börsenstimmung spricht für weiter steigende Kurse: Laut dem Börsenexperten Joachim Goldberg ist der deutsche Leitindex zum einen sehr gut unterstützt, weil sich viele Anleger nach den Äußerungen der europäischen Notenbanker zu einem vorzeitigen Ende des Anleihekaufprogramms von ihren Aktien getrennt haben, einige sogar offenbar mit Verlusten. Deswegen würde das Börsenbarometer bei stärkeren Kursrückgängen auf entsprechende Nachfrage dieser Pessimisten treffen.

„Noch interessanter gestaltet sich jedoch das Geschehen, wenn man sich einen möglichen Run auf das Allzeithoch des Dax vorstellt“, meint der Verhaltensökonom. Dann nämlich kämen die Skeptiker von heute in Verlegenheit und müssten womöglich dem Markt hinterherrennen – was wahrscheinlich die Rally beflügeln dürfte.

Hinter Umfragen zur Börsenstimmung wie dem Dax-Sentiment stehen zwei Annahmen: Wenn die große Masse von Anlegern bereits investiert hat, bleiben wenige übrig, die noch zusätzlich kaufen und damit die Kurse in die Höhe treiben könnten. Umgekehrt gilt natürlich entsprechendes: Wenn die Anleger mehrheitlich nicht investiert haben, können nur noch wenige verkaufen und damit die Kurse drücken.

Auch die Handelsblatt-Umfrage Dax-Sentiment signalisiert seit mehreren Wochen steigende Kurse. „Meiner Erwartung nach wird der Dax diese im Vergleich zum US-Markt schwache Entwicklung aufholen, sobald sich für das Problem der Regierungsbildung eine Lösung abzeichnet – egal ob dies eine GroKo sein sollte, oder Neuwahlen benötigt werden“, erläutert Stephan Heibel, der die Umfrage seit dem Start im September 2014 auswertet. „Ungewissheit lastet auf dem Dax, Gewissheit, welche auch immer, wird von Börsianern stets begrüßt“, sagte er.

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1 Kommentar zu "Börsenbarometer im Höhenflug: Warum der Dax wieder im Rallymodus ist"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Vor einiger Zeit habe ich einmal geschrieben: vergleicht man die (globalen) Anleihenmärkte mit den Aktienmärkten, dann haben erstere das Volumen des Atlantischen Ozeanes, während zweitere vielleicht gerade einmal das der Nordsee besitzen.
    Was würde passieren, wenn im großen Stil Wasser aus dem Atlantik in die Nordsee strömen würde?
    Daher sollten einen auch nicht so sehr die Aktien- , sondern vielmehr die Bondmärkte interessieren - und hier im Speziellen ein bestimmter Chart (auf den schauen nämlich fast Alle):
    https://www.investing.com/rates-bonds/u.s.-10-year-bond-yield
    Der Kurs der US-Staatsanleihen ist also im Sinken (ebenso der USD).
    Anleihen sind Forderungen, Aktien als Unternehmensbeteiligungen jedoch sind Realwerte (wie natürlich aber auch z.B. Rohstoffe, Edelmetalle, Grund und Boden usw.).
    Nun ist es so: möglicherweise sind diverse Aktien / Aktienindices durchaus überbewertet, aber entscheidende Anleihen sind das noch weitaus stärker. Was könnte also die Folge sein?

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