Börsencrash in Fernost
Angst vor der nächsten Asienkrise

Wer die derzeitige Entwicklung der asiatischen Märkten beobachtet, sieht beängstigende Parallelen zum Beginn der Asienkrise in den 90ern. Doch längst nicht alle Ökonomen sind pessimistisch.
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DüsseldorfAsiens größte Volkswirtschaft kühlt sich ab, die Federal Reserve steht kurz vor einem Straffungszyklus und China hat die Landeswährung soeben abgewertet: Es ist diese Kette von Ereignissen, die 1994 einen Abwertungswettlauf auslöste, der mit zur Asienkrise beigetragen hat. Die Vorkommnisse führten zu Zusammenbrüchen von Banken und Unternehmen und sorgten für Rezessionen in der ganzen Region.

Werfen die aktuellen Turbulenzen den Schatten eines weiteren Absturzes in der Region voraus? Es gibt mit Sicherheit Parallelen, ebenso aber auch wesentlich Unterschiede. Dieses Mal verfügen die asiatischen Volkswirtschaften über stärkere Leistungsbilanzsalden, Haushaltspositionen und Devisenreserven, was ein dickeres Polster gegen Verwerfungen schafft.

Die Risiken steigen dennoch, während Chinas überraschende Wende in ihrer Yuan-Politik vom 11. August weltweit Wellen schlägt, wie etwa in Kasachstan und Vietnam, und die Volkswirtschaften anfälliger Schwellenländer von Brasilien bis hin zur Türkei bedroht.

Zu Chinas Yuan-Abwertung kommt noch die scharfe Verlangsamung der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt und der größten Asiens hinzu (Japan war 1994 die Nummer eins) sowie der Einbruch der Rohstoffpreise, der Länder wie Brasilien, Australien, Malaysia und Südafrika belastet. Chinesische Firmen könnten beim Export ihre Wettbewerber in Asien und den Schwellenländern ausboten, just während die US-Notenbank ihre erste Zinserhöhung seit der globalen Finanzkrise vorbereitet.

„Ein scheußlicher Sturm ist nicht nur möglich, sondern wahrscheinlich“ in Ländern wie Brasilien und Südafrika, sagt Stephen Jen, Mitbegründer des Hedgefonds SLJ Macro Partners in London. „Ich erwarte aber keine Krise oder sehr angespannte Lage in Asien. Der Hauptgrund dafür ist, dass die Asienkrise von 1997 das asiatische Finanzsystem bereits bereinigt hat und die Widerstandsfähigkeit Asiens höher sein sollte.“

Vor 1994 war Asien der Liebling der Investmentwelt und wurde von einigen als das Wachstumswunder des späten 20. Jahrhunderts betrachtet. Die Euphorie hielt nicht lange an. Chinas Abwertung vor 21 Jahren wird oft als unmittelbare Ursache für die folgende Schwellenmarktkrise genannt, während die Zinserhöhung der Fed im selben Jahr der Auslöser war, erklärt Lombard Street Research.

In diesem Jahr sorgte Chinas überraschender Währungsschritt dafür, dass Vietnam den Dong abwertete. Und der kasachische Tenge brach vergangenen Donnerstag um mehr als 20 Prozent gegenüber dem Dollar ein, als das Land den Wechselkurs freigab. Der südafrikanische Rand und die türkische Lira bauten derweil ihre Verluste aus.

Bei der Asienkrise ging es um unhaltbare Währungsanbindungen an den Dollar, unangemessene Fremdwährungsreserven und spekulativen Kapitalzuflüssen stark ausgesetzt zu sein, sagt Stephen Roach, Senior Fellow an der Universität Yale.

Bei den ersten beiden Punkten sieht die Lage heute anders an. Doch es gibt eine beunruhigende Ähnlichkeit: Chinas etwa eine Billion Dollar schwere Bankverbindlichkeiten in der US-Währung, während nach der Abwertung der People's Bank of China die Rückabwicklung von Yuan-Carry-Trades beginnt, erklärt Roach, der während der Asienkrise Chefökonom von Morgan Stanley war.

Eine schwächere Lokalwährung steigert die Schuldenlast der ohnehin angeschlagenen Firmen in China, die nun mehr Yuan auf den Tisch legen müssen, um ihre Dollar-Schulden zurückzuzahlen.

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