Börsenjahr 2008
Dax: Nur Japan war noch schlechter

Zumindest einen schwachen Trost haben Deutschlands Aktionäre, wenn sie jetzt zum Jahresende auf das heimische Marktbarometer blicken: Die Japaner hat es noch schlimmer erwischt. Ansonsten muss sich der Dax mit der traurigen Rolle abfinden, die zweitschlechteste Bilanz unter den wichtigsten Finanzmärkten der Welt abgeliefert zu haben.

HB FRANKFURT. Weit über 40 Prozent beträgt das Minus seit Jahresbeginn, und es war gar schon bei knapp 50 Prozent, ehe die ersten Dezembertage zumindest eine leichte Erholung brachten. Aber selbst in den USA und Großbritannien, wo die Finanzkrise bisher weitaus stärker wütete als hierzulande, waren die Verluste in den Leitindizes geringer als am Frankfurter Markt.

Für den erfolgsverwöhnten Dax ist das eine herbe Niederlage. Jahrelange schaffte er Zuwächse jährlich von über 20 Prozent, verwies alle anderen großen Finanzmärkte weltweit auf die Plätze und zog so Kapital von überall her an. Das dürfte nun vorerst vorüber sein, glauben Experten. Der Grund liegt zum einen in der Krise selbst, da internationale Investoren dringend Kapital brauchen und ihre Bestände an deutsche Aktien abgebaut haben.

Zum anderen macht aber auch die Zusammensetzung des Dax selbst zu schaffen. Der Index, der ein Abbild der deutschen Wirtschaft darstellen soll, ist stark von Finanz- und Automobiltiteln geprägt. Und die Krise hat zuerst die einen, dann die anderen nach unten gerissen. "Das Gute ist, dass wir das Jahr 2008 bald geschafft haben", sagt Ulrich Kater, Chef-Volkswirt bei der Dekabank mit einer Mischung aus Ironie und Sarkasmus.

Diese beiden deutschen Schlüsselbranchen werden auch 2009 das Geschehen im Dax bestimmen. Und weil bei beiden wohl auch in den ersten Monaten des neuen Jahres nur wenig Positives zu erwarten ist, stehen auf den Empfehlungslisten der großen Banken und Vermögensberater nur defensive Titel. Falls dort nach dem Fiasko dieses Jahres überhaupt noch Aktien stehen.

Pharmawerte, Versorger und ausgerechnet die seit Jahren so gescholtene Aktie der Deutschen Telekom finden sich dort bestenfalls noch wie ein Überbleibsel aus einer vergangenen Finanz-Epoche. Langweiler von einst wie der Pharma-Produzent Fresenius Medical Care (FMC) oder der Konsumgüter-Hersteller und Dax-Aufsteiger Beiersdorf sind zwischenzeitlich gar hoch angesehen. An lebensnotwendigen Dialyse-Produkten lässt sich trotz Finanzkrise ebenso wenig sparen wie an Gebrauchsgütern wie Nivea-Creme oder Hansaplast geknausert wird.

Trotz der Unklarheit, wie lange die Krise noch anhalten und vor allem, welche Horrornachrichten sie noch bringen wird, richten viele Experten den Blick bereits auf die Zeit danach. "Anleger sollten im Hinterkopf behalten, dass sich wirtschaftliche Rezessionsjahre in der Vergangenheit oftmals als Erholungsjahre für den Aktienmarkt erwiesen haben", sagt Ingo Mainert, oberster Anlageberater bei Commerzbank Private Banking. Deswegen kann er sich gut vorstellen, dass Deutschland mit seinen sehr zyklischen Branchen Maschinenbau und Chemie im europäischen Vergleich bald wieder ganz oben sein wird, sollte sich die aktuelle Rezessionsphase ihrem Ende zuneigen.

Für den Dax selber könnte das 2009 bedeuten: Schwacher Start mit positivem Happy-End. Die Tiefststände bei knapp über 4 000 Punkten könnte das deutsche Marktbarometer durchaus noch einmal erreichen. Oder vielleicht im Extremfall auch darunter fallen. Die größten Pessimisten wie die Experten des Hamburger Bankhauses M.M. Warburg halten Dax-Stände von 3 000 Punkten im ersten Halbjahr für denkbar. Dem gegenüber stehen kühne Optimisten wie in der Frankfurter Privatbank Metzler, die die doppelte Punktzahl am Jahresende als durchaus realistisch betrachten. Insofern dürfte das Jahr 2009 ähnlich große Überraschungen für den Dax bereit halten wie das zu Ende gehende Jahr.

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