Bridgewater Starinvestor Ray Dalio wettet gegen europäische Aktien – und hortet Gold

Der Hedgefonds-Guru Ray Dalio hat vor dem jüngsten Crash seine Goldbeteiligungen ausgeweitet. Unbeliebt dagegen: Aktien.
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Der Bridgewater-Gründer sichert sich gegen politische Risiken ab. Quelle: IMAGO
Ray Dalio

Der Bridgewater-Gründer sichert sich gegen politische Risiken ab.

(Foto: IMAGO)

DüsseldorfDer Gründer des weltgrößten Hedgefonds, Ray Dalio, setzt auf Gold. So hat Bridgewater im vergangenen Quartal seine Anteile bei zwei durch das Edelmetall gedeckte Beteiligungen aufgestockt. Der Hedgefonds hält nun insgesamt 3,91 Millionen Anteile am SPDR-Gold-Shares-ETF (ein Plus von 14.049 Anteilen), was die Position zur fünftgrößten in seinem Portfolio macht, wie der Finanzdienstleister Bloomberg unter Berufung auf veröffentlichungspflichtige Unterlagen meldet.

Darüber hinaus hat Bridgewater seine Anteile am iShares Gold Trust aufgestockt. Zugleich reduzierte Bridgewater seine Beteiligungen bei ETFs, die auf Schwellenländer-Aktien setzten.

Dalio dürfte an seinen Beteiligungen glänzend verdient haben – schließlich hat er aufgestockt, kurz bevor goldgedeckte ETFs die längste Gewinnstrecke seit dem Jahr 2012 begonnen haben. Insgesamt hat das Edelmetall Gold im vergangenen Quartal 1,9 Prozent zugelegt. Übrigens folgte Dalio mit der Aufstockung seinem eigenen Ratschlag. Im August riet er Investoren, fünf bis zehn Prozent ihres Vermögens in Gold zu stecken. Als Grund dafür nannte der Starinvestor politische Risiken.

In seinem Goldrausch beschränkt sich Dalio nicht auf goldgedeckte ETFs allein. So hat Bridgewater auch bei Aktien von dem Minenbetreiber Newmont Mining zugelangt und auf 148.185 Anteilsscheine aufgestockt. Zugleich reduzierte der Hedgefonds seine Beteiligung bei Barrick Gold.

Weniger glänzend sieht Bridgewater dagegen die Zukunft von europäischen Aktien. So wurde am Montag bekannt, dass Dalio eine eine Milliarde Dollar schwere Short-Position auf den deutschen Technologiekonzern Siemens eingegangen ist. Insgesamt belaufen sich die Short-Positionen des Hedgefonds gegenüber europäischen Werten auf rund 14 Milliarden US-Dollar.

Neben Siemens hat Bridgewater Wetten vor allem gegen italienische Unternehmen wie Intesa Sanpaolo (790 Millionen Dollar), Enel (692 Millionen Dollar) und Eni (656 Millionen Dollar) laufen. Der Grund: Der Fonds befürchtet politische Turbulenzen. So rechnen die Investoren damit, dass bei den anstehenden Wahlen im März kein klarer Gewinner das Rennen machen werde, was wiederum politischen und wirtschaftlichen Reformen im Wege stünde.

Insgesamt gibt sich Dalio pessimistisch. In einem Blogeintrag schrieb der Star-Investor zuletzt, dass er in den kommenden 18 bis 24 Monaten eine Korrektur erwartet. Grund sei unter anderem das von der US-Regierung angekündigte Konjunkturpaket und die damit verbundene Erwartung, dass die Regierung den US-Anleihenmarkt mit Treasuries flutet, um es zu finanzieren. Sorgen bereitet dem Manager auch, dass die Spielräume der Zentralbanken, die Konjunktur durch Zinsanpassungen zu stützen, geringer ausfielen.

Bei diesen Konzernen wettet der Hedgefonds Bridgewater auf einen Kurscrash

SIEMENS AG NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0007236101
Börse
Xetra

-0,02 -0,02%
0,00€
Chart von SIEMENS AG NAMENS-AKTIEN O.N.
Siemens
1 von 11

Offenbar rechnet der Chef-Anlagestratege und Gründer des Hedgefonds Ray Dalio nicht damit, dass der Crash am Aktienmarkt bald vorbei ist. Die Siemens-Aktie ist die größte sogenannte „Short-Position“ Bridgewaters auf europäische Aktien – eine Milliarde US-Dollar hat der Hedgefonds des Investmentguru auf den Technologiekonzern gewettet. Short-Positionen sind Leerverkaufsposten, die Aktienhändler nutzen, um auf fallende Kurse zu spekulieren oder sich gegen fallende Kurse abzusichern.

TOTAL S.A. ACTIONS AU PORTEUR EO 2,50

WKN
ISIN
FR0000120271
Börse
Xetra

+0,10 +0,18%
0,00€
Chart von TOTAL S.A. ACTIONS AU PORTEUR EO 2,50
Total
2 von 11

Siemens ist nicht die einzig hohe Wette in Europa, die Stratege Dalios eingegangen ist. Auch gegen den französischen Mineralölkonzern Total hat Bridgewater Leerverkäufe in Höhe von einer Milliarde Euro gesetzt. Bei Leerverkäufen leihen sich die Investoren Aktien von Unternehmen, bei denen sie mit Kursverlusten rechnen. Diese Papiere verkaufen sie danach und hoffen darauf, dass die Notierungen fallen. Dann können sie die Aktien später günstiger zurückkaufen und an den Verleiher zurückgeben.

INTESA SANPAOLO S.P.A. AZIONI NOM. EO 0,52

WKN
ISIN
IT0000072618
Börse
Xetra

-0,01 -0,45%
0,00€
Chart von INTESA SANPAOLO S.P.A. AZIONI NOM. EO 0,52
Intesa
3 von 11

Einzelne Wetten von Dalio richten sich vor allem gegen italienische Unternehmen, unter anderem gegen das Kreditinstitut Intesa mit 800 Millionen Dollar. Nach der Parlamentswahl im März befürchtet der Fonds politische Unklarheiten im Land, die wirtschaftlichen Reformen im Weg stehen könnten. Zwei weitere italienische Unternehmen sind von den Wetten ebenfalls stark betroffen.

ENEL S.P.A. AZIONI NOM. EO 1

WKN
ISIN
IT0003128367
Börse
Xetra

-0,14 -2,69%
0,00€
Chart von ENEL S.P.A. AZIONI NOM. EO 1
Enel
4 von 11

Der italienische Energiekonzern Enel zum Beispiel. Gegen das Unternehmen ist Bridgewater ebenfalls eine Short-Position in Höhe von 743 Millionen Euro eingegangen. Ray Dalio warnt: „Wir befinden uns derzeit an der Stelle des Aktienmarkt-Zyklus, an der es schwierig ist, die richtigen geldpolitischen Entscheidungen zu treffen. Das Risiko einer Rezession wird in den nächsten 18 bis 24 Monaten zunehmen.“

BANCO SANTANDER S.A. ACCIONES NOM. EO 0,50

WKN
ISIN
ES0113900J37
Börse
Xetra

-0,14 -2,60%
0,00€
Chart von BANCO SANTANDER S.A. ACCIONES NOM. EO 0,50
Santander
5 von 11

Auch die spanische Bank Santander ist mit 708 Millionen Dollar von den Wetten des Hedgefonds betroffen. Eine Übersicht der Leerverkaufspositionen zeigt eine Übersicht der entsprechenden Handelsblatt-Datenbank. Die Onlineanwendung zeigt alle Leerverkäufe von Investoren („Positionsinhaber“), die mehr als 0,5 Prozent der ausstehenden Aktien eines Unternehmens („Aktiengesellschaft“) ausmachen und im „Bundesanzeiger“ veröffentlicht werden.

ENI S.P.A. AZIONI NOM. O.N.

WKN
ISIN
IT0003132476
Börse
Xetra

-0,22 -1,33%
0,00€
Chart von ENI S.P.A. AZIONI NOM. O.N.
Eni
6 von 11

Das dritte italienische Unternehmen, das von den Leerverkaufspositionen betroffen ist, ist der Mineralölkonzern Eni. Bridgewater hat eine Wette von 702 Millionen Dollar gegen die Aktien der Firma laufen.

SANOFI S.A. ACTIONS PORT. EO 2

WKN
ISIN
FR0000120578
Börse
Xetra

+0,28 +0,42%
0,00€
Chart von SANOFI S.A. ACTIONS PORT. EO 2
Sanofi
7 von 11

655 Millionen Dollar setzt der amerikanische Hedgefonds auch auf fallende Aktien des französisches Pharmakonzerns Sanofi.

Inwieweit sich Dalios Befürchtungen bestätigen, ist schwer zu sagen. Zuletzt bereiteten die überraschend hohen Inflationszahlen in den USA Kopfzerbrechen. Viele Investoren rechnen inzwischen mit vier statt mit den bislang drei erwarteten Zinsanpassungen in diesem Jahr. Für Anleger, die besonders sensibel auf Inflation reagieren, dürfte Gold deshalb verstärkt in den Fokus rücken.

Am heutigen Mittwoch gewann das Edelmetall rund 1,9 Prozent auf 1346 Dollar je Feinunze. Auch Silber legte zuletzt gut ein Prozent zu.

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