China-Aktien
Ladenhüter aus Fernost

Es klingt paradox: Während der Dax trotz Eurokrise in den vergangenen Monaten gut gelaufen ist, fallen chinesische Aktien trotz kräftigem Wirtschaftswachstum immer weiter zurück. Ist der Kursrutsch berechtigt?
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PekingDer wichtige chinesische Aktienindex Shanghai Composite hat am Mittwoch nur noch knapp über der wichtigen Marke von 2000 Punkten geschlossen. Damit ist er auf das Niveau zu den schlimmsten Zeiten der Finanzkrise im Februar 2009 zurückgefallen. „Die Investoren sorgen sich um die Unternehmensgewinne in diesem Quartal“, sagte Analyst Wu Kan von der Geldanlagefirma Dazhong vor wenigen Tagen. „Die Regierung hat nicht mehr viel geldpolitischen Handlungsspielraum, weil eine Zinssenkung die Inflation anheizen könnte.“

Die Anleger haben im Frühjahr 2011 das Vertrauen in chinesische Aktien verloren und seitdem nicht wiedergewonnen. Zu offensichtlich war, dass die Sonderkonjunktur der zwei Jahre davor ein Strohfeuer war, ausgelöst durch die Freisetzung von 400 Milliarden Euro Konjunkturgeld und einer runden Billion Euro an billigen Krediten.

In den vergangenen Wochen sind dazu noch die Unternehmen pessimistisch geworden. Von Januar bis Juli waren ihre Gewinne im Vergleich zum Vorjahreszeitraum unterm Strich um 2,7 Prozent zurückgegangen, wie das Nationale Statistikamt in Peking mitteilt. Die Profite sehen zwar immer noch sehr ordentlich aus, denn der Rückgang kommt von einem hohen Niveau. Aber aus Sicht der Börsenanleger ist in den sinkenden Zahlen jedoch keine Musik drin.

Hintergrund der schlechten Stimmung in China ist ein Rückgang des Wachstums von den gewohnten zehn Prozent auf etwa sieben bis acht Prozent in diesem Jahr. In dem Schwellenland hinterlässt der Rückgang Bremsspuren in allen Bereichen. Es sinken nicht nur die Firmengewinne. Auch die Darlehensqualität der Banken dürfte in den kommenden Quartalen verfallen, was zu einer Kreditklemme führen kann.

Eine schnelle Erholung der Gewinne erscheint nicht wahrscheinlich. „Das Wachstum der Industrieproduktion bleibt voraussichtlich schwach“, schreibt Ökonom Yu Song von Goldman Sachs in Hinblick auf die September-Daten, die am Wochenende herauskommen. Hauptgrund sei der schwache Export.

Doch auch im Inland läuft es derzeit nicht mehr so rund wie ehemals. Viele Projekte aus Zeiten der Konjunkturprogramme sind fertiggebaut. Häuslebauer kommen nur noch schwer an Kredite. Die Firmen sitzen bereits auf vollen Lagern und bauen derzeit eher Kapazitäten ab als auf.

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