China erhöht Steuer auf Aktiengeschäfte
Kalte Dusche für Börse in Schanghai

Der wichtigste Aktienindex in China hat am Mittwoch kräftig nachgegeben. Doch der Kurseinbruch gehört zum Kalkül der chinesischen Regierung, die mit einer Steuererhöhung das Börsenklima abkühlen will. Der Versuch, Spekulanten zu bremsen, sorgte auch an den anderen asiatischen Aktienmärkten für Verluste und dürfte auch die europäischen Märkte belasten.

HB PEKING/SCHANGHAI. Der Shanghai Composite Index fiel bereits zur Handelseröffnung um 5,78 Prozent auf 4 087,41 Punkte und rutschte zeitweise bis auf 4 015 Punkte ab. Im Verlauf lag er rund sieben Prozent im Minus. Die chinesische Regierung hatte zuvor die Stempelsteuer auf Wertpapiergeschäfte verdreifacht. Am Dienstag hatte der Shanghaier Börsenindex allerdings auf einem Rekordhoch geschlossen.

Der Steuersatz für Aktientransaktionen solle auf 0,3 Prozent von bisher 0,1 Prozent angehoben werden, ließ das Finanzministerium äußerst kurzfristig über die Nachrichtenagentur Xinhua verbreiten. Seit 2001 war dieser Steuersatz unverändert gewesen. Die Steuer wird von Käufern und Verkäufern von Aktien gleichermaßen verlangt. Analysten sagten, die höhere Steuer - offenbar ein Versuch der Regierung, die Spekulationsblase nicht weiter anschwellen zu lassen - könne dem Markt kurzfristig schaden, auf lange Sicht aber nicht. Sie rechneten nicht mit einem Markteinbruch.

Seit Jahresanfang waren Bedenken von führenden Ökonomen laut geworden, die eine Blase an Chinas Börsen befürchten. Zuletzt hatten auch der Unternehmer Li Ka-shing, der als reichster Mann in Hong Kong gilt, sowie Ex-US-Notenbankchef Alan Greenspan vor einem Platzen der Blase gewarnt. Der Schanghaier Index ist in diesem Jahr bereits um mehr als 60 Prozent gestiegen und hatte gerade erstmals die Marke von 4 300 Punkten überschritten. Im jahr 2006 hatte er 130 Prozent zugelegt. Die Anzahl der Aktienkonten in China hatte am Wochenanfang zum ersten Mal über 100 Mill. betragen.

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An den europäischen Börsen dürfte der Kurseinbruch in China nicht spurlos vorbei gehen und am Mittwoch zur Handelseröffnung für Kurseinbußen sorgen. Ein Händler sagte, die Erhöhung der Aktiensteuer habe für Unruhe unter den Investoren im reich der Mitte gesorgt. Auch die Notierungen in Tokio zeigen sich davon belastet. Die Entwicklung in China sollte angesichts der dortigen Kursentwicklung der vergangenen Wochen für die europäischen Börsen allerdings nicht überbewertet werden, hieß es. Die chinesische Regierung und zuletzt Alan Greenspan hatten vor einer Blase an den Aktienmärkten gewarnt.

Händler in Europa stellen sich für Mitwoch insgesamt auf einen ruhigen Handelstag ein, der Terminkalender sei leer. Erst am Abend könnte es mit der Veröffentlichung des Protokolls der Sitzung des Fed-Offenmarktausschusses vom 9. Mai etwas spannender werden. Das könnte Einfluss auf die Märkte am Donnerstag haben.

In Tokio schloss der 225 Werte umfassende Nikkei-Index 0,5 Prozent im Minus bei 17 588 Zählern. Der breiter gefasste Topix-Index gab 0,24 Prozent nach auf 1733 Zähler. Wegen der Marktentwicklung in China hielten sich Anleger zurück. Der unerwartete Rückgang der Industrie-Produktion im April habe zudem Sorgen vor einer Abkühlung der Nachfrage aus den USA verstärkt und den Markt belastet, sagten Händler. Zu den Verlieren gehörten Konsumelektronik-Titel wie TDK. Die Papiere gaben rund ein Prozent nach.

An den Aktienmärkten in Südkorea, Hongkong Taiwan und Singapur kam es ebenfalls überwiegend zu Kursverlusten. Die Ankündigung Chinas, die Steuer zu erheben, fiel in den späten US-Aktienhandel und hatte bereits dort auf die Stimmung gedrückt und die Kursgewinne gebremst.

Der Dollar notierte im frühen Geschäft fester bei 121,59-62 Yen nach 121,30-32 Yen am späten Dienstag. Der Euro notierte nahezu unverändert mit 1,3450-55 Dollar nach 1,3453-55 Dollar am Vortag. Zum Yen notierte der Euro fester mit 163,53-58 Yen nach 163,19-23 Yen am Dienstag.

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