Chinas Aktiencrash
Wie Peking Verschwörungstheorien pflegt

Ein Reporter soll die Turbulenzen an Chinas Börsen verschlimmert haben. Im Staatsfernsehen wird er vorgeführt. Und gesteht. Er ist nicht der Einzige, den Chinesische Behörden als Sündenbock auserkoren haben.
  • 9

PekingPeking sucht im Internet und unter Chinas Journalisten nach Schuldigen für den Börsencrash. 197 Menschen wurden wegen der „Verbreitung von Gerüchten“ bestraft, wie das Ministerium für Öffentliche Sicherheit am späten Sonntagabend mitteilte. Die Bürger sollen falsche Informationen über die Turbulenzen an den Börsen und die Explosion in der Hafenmetropole Tianjin verbreitet haben.
Ein Journalist des renommierten Finanz- und Wirtschaftsmagazin Caijing wurde im Staatsfernsehen vorgeführt. In einem Statement sagt er, er habe gemeinsam mit Komplizen mit falschen Informationen den Absturz der Börsen angetrieben.

Finanzexperten übten scharfe Kritik an Pekings Vorgehen. „Das Regime scheint in der Öffentlichkeit Journalisten für den Aktien-Crash verantwortlich machen zu wollen“, schrieb Ulrich Leuchtmann von der Commerzbank. „Das ist im Westen nicht anders. Auch nach dem Aktiencrash Anfang des Jahrtausends sowie nach 2008 wurde immer ein Buhmann gefunden. Das Muster ist stets das gleiche und ist hinlänglich beschrieben.“
Das verhindere eine vernünftige Auseinandersetzung mit den Ursachen und Folgen des Crashs. „Langfristige Stabilität erreicht man so nicht“, kritisierte Leuchtmann.

Der Caijing-Reporter hatte nach Darstellung der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua gefälschte Berichte über einen Rückzug der staatlichen Hilfen an den Aktienmärkten am 20. Juli veröffentlicht. Caijing und andere Finanzmedien hatten an dem Tag unter Berufung auf Regierungskreise über Pläne berichtet, dass Peking seine Staatsgelder zum Stützen der Aktienkurse zurückfahren könnte. Daraufhin waren die Kurse an den Börsen erneut eingebrochen.

Seite 1:

Wie Peking Verschwörungstheorien pflegt

Seite 2:

Persönliche Meinung unerwünscht

Kommentare zu " Chinas Aktiencrash: Wie Peking Verschwörungstheorien pflegt"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • KOmmunisten halt.....

    die Radikal Europäer Sozialistischer gesinnung,

    hätten sicher auch gern so Vollmachten...

    könnte man endlich die lästige Eurokritik eindämmen...

    und abtrünnige Provinzen züchtigen.....

  • Ich darf nur an die Finanzkrise 2008 erinnern und wie in der Zeit ein Schauerartikel nach dem anderen lanciert wurde, jede Zeitung sich mit noch schlimmeren Mitteilungen nach vorne schob, wo sogar Rundfunk und Fernsehen nicht genug davon kriegten, Spekulationen über das Ende unseres Systemes oder gar der Welt zu verbreiten. Hemmungslaos wurde drauflosgeschrieben, bis die Finger bluteten. Keine von den Zeitungen oder Fernsehsendern hatte zur Mässigung geraten, alle wollten Sie viel Blut sehen..... denn das lässt sich verkaufen !
    Und es kann mir keiner erzählen, dass nicht auch die Verantwortlichen an den Händlertischen und die entsprechenden Führungskräfte sowie Politiker davon unbeeindruckt und unbeeinflusst blieben. Hier wurde bewusst mit den Möglichkeiten der Medien Meinung gemacht und damit alles in eine bestimmte Richtung zu drängen.
    Als Händler kann ich ganz klar sagen, dass keiner von uns durch die damalige Berichterstattung unbeeinflusst geblieben ist.
    Nochmal - Pressefreiheit heisst auch Verantzwortung zu tragen und nicht nach dem Motto zu handeln - nach mir die Sinflut, egal was ich damit angerichtet habe !

  • Wir haben uns schon vor Jahren aus dem Chinageschäft zurückgezogen. Mit Chinesen kann man keine korrekten Geschäfte machen. Wenn wir uns sicher waren das wir nicht übervorteilt wurden und alles ok war, zeigte die Spektralanalyse das uns "Reststoffe" beigemischt wurden... Warum sollte der Rest des Staates (incl. der Medien) seriös sein? Wir wissen doch das dort von der Todesstrafe gern Gebrauch gemacht wird. Religiöse oder moralische Bedenken? Vergessen Sie es. Die Religion in China heisst GELD! Dennoch pflegt die Deutsche Politkaste enge Kontakte mit Peking. Auch mit Südkorea tritt man gern in engen Kontakt. Abe, der Frau Merkel ihre Grenzen aufweist wird hingegen gemieden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%