Chinas Börsen auf Talfahrt
Zweifel an Reformwillen der Regierung wachsen

Die chinesischen Börsen werden noch länger unter Turbulenzen leiden. Fehlen jetzt Zeit und Wille für nötige Reformen, verlangsamt sich Chinas Wachstum weiter. Davon wäre auch Deutschland empfindlich getroffen.
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SchanghaiDie massive staatliche Intervention an Chinas Börsen weckt Zweifel an der Entschlossenheit der Regierung, dringend nötige marktwirtschaftliche Reformen umzusetzen. Nach einem Handelsauftakt am Mittwoch im Plus lagen die Aktienmärkte in Schanghai und Schenzhen gegen Mittag wieder leicht im Minus.

Die neue Talfahrt hatte am Montag mit dem größten Tagesverlust seit acht Jahren angefangen. Hintergrund waren Sorgen über einen Rückzug der staatlichen Unterstützung und schlechte Nachrichten aus der Realwirtschaft. Experten rechnen damit, dass Chinas Aktienmärkte noch über Monate größeren Schwankungen ausgesetzt sein werden, weil sie jetzt extrem von staatlicher Unterstützung abhängig seien.

„Schon die kleinsten Hinweise auf einen möglichen Rückzug des Staates aus den Märkten können zu Panikverkäufen führen“, sagte die Wirtschaftsexpertin Sandra Heep vom Berliner China-Institut Merics der Deutschen Presse-Agentur in Peking. Der Parteistaat habe mit seinen massiven Interventionen „eine neue Quelle der Instabilität geschaffen“, sagte Heep. Niemand wisse, wie lange die staatliche Unterstützung anhalten oder wie die Märkte bei einer Verringerung der Hilfe reagieren werden.

Angesichts der massiven Interventionen gebe es große Zweifel an der Entschlossenheit der Partei, ihre 2013 abgegebenen Reformversprechen in einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld umzusetzen. „Zudem frisst das permanente Krisenmanagement der Aktienmärkte die Energie wichtiger staatlicher Akteure, die von der dringend notwendigen Planung struktureller Reformen abgelenkt werden“, sagte Heep.

Werde die Umsetzung der Reformen, die auf Stärkung des Binnenkonsums und der Innovationsfähigkeit chinesischer Unternehmen abzielen, weiter verzögert, werde es „unweigerlich einen weiteren Einbruch der Wachstumsraten zur Folge haben“, sagte Heep. „Das würde auch die deutsche Wirtschaft empfindlich treffen, die sich in eine starke Abhängigkeit vom chinesischen Markt begeben hat.“

Seit vergangenem Monat hatten Chinas Aktienmärkte eine extreme Berg- und Talfahrt hingelegt: Getrieben von Privatanlegern, die in großen Stil Aktien auf Pump kauften, war der Leitindex in Schanghai binnen eines Jahres um über 150 Prozent gestiegen. Mitte Juni begann dann ein rasanter Kurseinbruch. Innerhalb von nur 18 Handelstagen verlor der Index 32 Prozent an Wert. Mit radikalen Eingriffen gelang es der Regierung, zunächst die Kurse zu stabilisieren.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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