Citigroup-Analysten sehr pessimistisch
ISE-Index verliert mehr als 1 000 Punkte

Die politische Krise in der Türkei hat dem Aktienmarkt des Landes am Wochenanfang die stärksten Kursverluste seit einem Jahr eingebrockt.

HB ISTANBUL. Der Leitindex an der Börse in Istanbul verlor am Dienstag mehr als zwei Prozent, nachdem er schon am Montag angesichts des Streits um die Präsidentenwahl und der Furcht vor dem Eingreifen des Militärs um vier Prozent eingebrochen war - zwischenzeitlich hatte sogar ein Minus von acht Prozent auf der Kurstafel gestanden.

Weder der Aufruf zu Einheit und Ruhe von Ministerpräsident Tayyip Erdogan noch die beruhigenden Worte des Wirtschaftsministers konnten den Börsianern Vertrauen einflößen. Die Citigroup äußerte sich am Dienstag drastisch pessimistischer zum türkischen Aktienmarkt und nahm ihre Empfehlung auf „untergewichten“ von „übergewichten“ zurück. Es drohe möglicherweise eine lange Phase politischer Unsicherheit, erklärten die Volkswirte der Bank. Die Proteste in Istanbul zum 1. Mai trugen am Dienstag zusätzlich zur Unsicherheit bei, sagten Börsianer.

Der Aktien-Leitindex ISE National gab am Dienstag mehr als 1 000 Punkte nach und lag am Nachmittag mit 43.865 Zählern 2,5 Prozent im Minus. Die Landeswährung Lira verlor zum Dollar ebenfalls weiter auf 1,38 Lira je Dollar, nach 1,36 am Montagabend und 1,33 am Freitag. Zum Euro fiel die türkische Währung auf 1,88 Lira je Euro.

Der Konflikt um die Präsidentenwahl droht die Türkei trotz eines Einheitsappells von Regierungschef Tayyip Erdogan zu spalten. Die Polizei lieferte sich am Maifeiertag Straßenschlachten mit linken Demonstranten und nahm 600 Menschen fest. Der einflussreiche Berichterstatter des Verfassungsgerichts, Hikmet Tülen, sprach sich Zeitungen zufolge dafür aus, die Wahl anders als von der Opposition gefordert fortzusetzen. Bei der Abstimmung will die regierende Partei AKP erstmals einen ehemaligen Islamisten zum Staatsoberhaupt wählen.

Angesichts einer drohenden Intervention des Militärs wegen der Nominierung des derzeitigen Außenministers Abdullah Gül sagte Erdogan am Montag in einer Fernsehansprache: „Einheit, Zusammenhalt, Solidarität - diese Dinge brauchen wir am meisten. Viele Probleme können wir lösen, solange wir uns gegenseitig mit Liebe behandeln.“ Dennoch schlugen die Spannungen am Dienstag in Gewalt um: Nach einer von den Behörden genehmigten Gedenkfeier für die 34 Todesopfer einer Schießerei bei einer Mai-Demonstration vor 30 Jahren versammelten sich hunderte von Protestierern im Zentrum Istanbuls. „Es geht um die Wahl und den 1. Mai. Ich bin für beide Dinge gekommen“, sagte ein Demonstrant. Die Polizei setzte Tränengas und Wasserwerfer ein, um die Menge zu zerstreuen. Jugendliche steckten mit Molotow-Cocktails Autos in Brand. Auch in anderen Teilen der Metropole kam es zu Zusammenstößen.

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