Citigroup-Studie Warum die Märkte austrocknen

Viele Banken ächzen wegen immer neuer Regulierungsvorschriften. Sie machen die Behörden für den illiquiden Anleihemarkt verantwortlich. Das sieht die Citigroup ähnlich – nennt aber auch noch einen anderen Grund.
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Banken beklagen sich über illiquide Märkte. Quelle: Imago
Dürre

Banken beklagen sich über illiquide Märkte.

(Foto: Imago)

New YorkAn den Kapitalmärkten gibt es neben der anstehenden Zinserhöhung durch die US-Notenbank (Fed) vor allem ein Thema: die schwache Liquidität gerade bei Anleihen. Und beide Themen hängen miteinander zusammen. Investoren befürchten, dass sie nicht genügend Käufer finden, wenn es nach einem Zinsschritt der Fed zu Unruhen am Markt kommt und sie größere Pakete an Wertpapieren loswerden wollen.

Alle bewegt die Frage: Woher kommt es, dass die Märkte austrocknen? Die Banken nennen als Grund häufig, dass sie wegen neuer gesetzlicher Regeln keinen Eigenhandel mehr betreiben dürfen und daher auch weniger Wertpapierbestände im Bestand halten. Das führt dazu, dass weniger finanzstarke Teilnehmer am Markt sind. In diese Richtung argumentiert auch eine neue Studie von PwC, die vom Großbanken-Verband IIF in Auftrag gegeben wurde.

Frank Wiebe
Der Autor

Frank Wiebe ist Handelsblatt-Korrespondent in New York.

Eine neue Studie der Citigroup versucht, die Ursachen genauer zu klären. Das Ergebnis: Nicht nur die Regulation, sondern auch die Geldpolitik und die Konzentration in der Finanzbranche tragen zu den Problemen bei.

Zunächst stellt der Analyst Matt King ein Paradox fest: Alle klagen über einen Mangel an Liquidität, obwohl die Spannen zwischen An- und Verkauf sehr gering sind. „Meistens kann man sehr günstig handeln“, schreibt er. Das Problem aber: „Es ist schwieriger, große Transaktionen durchzuführen.“ Ähnlich sieht das auch die US-Notenbank (Fed). Die Märkte sind nicht mehr so „tief“ wie früher, und die ausstehenden Papiere werden insgesamt auch weniger häufig umgesetzt.

Das wirkliche Problem ist, dass an bestimmten Tagen plötzlich, ohne erkennbaren Anlass, die Liquidität verschwindet. Mitte Oktober vor einem Jahr ist das bei US-Staatsanleihen passiert, und es könnte sich laut King jederzeit wiederholen. Eine Studie der Fed und anderer Aufseher zu dem Vorfall kam letztlich zu keiner überzeugenden Erklärung. Deutlich wurde aber, dass dabei Hochfrequenzhändler eine Rolle spielten: Diese Unternehmen sind zwar immer bereit, Kurse zu stellen, aber können in der Regel keine großen Volumina verkraften. King sieht dies zumindest auch als Teil des Problems an.

Welche Länder Rendite-Chancen bieten
Australien
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Das Analysehaus Keppler Asset Management hat seine Kandidaten für seine Strategie „Top Value“ veröffentlicht. Zu dieser Liste gehören nur Industrieländer – die „Emerging Markets“ wurden bewusst ausgeblendet. Keppler setzt nach dem Prinzip des Value-Investing auf unterbewertete Märkte. Ausgehend von Einzelaktien, die den Markt des jeweiligen Landes wiederspiegeln, baut Fonds-Manager Keppler Länderwerte zusammen. Um sie anschließend zu bewerten, sieht der Analyst unter anderem auf das durchschnittliche Preis-Buchwert-Verhältnis, Preis-Cash-Flow-Verhältnis, Preis-Gewinn-Verhältnis und auf die durchschnittliche Dividenden- und Eigenkapitalrendite. Keppler sieht für Australien in den nächsten Jahren ein überdurchschnittliches Renditepotenzial.

Geschätzte Index-Entwicklung (3-5 Jahre): 26,9 Prozent
Geschätzte Rendite (3-5 Jahre): 48,9 Prozent

Quelle: Keppler Asset Management Inc., Developed Markets Country Selection

Österreich
2 von 10

Ebenfalls zu den unterbewerteten Märkten gehört laut Keppler der österreichische Aktienmarkt. Hier verspricht sich der Fondsmanager überdurchschnittliche Zuwächse.

Geschätzte Index-Entwicklung (3-5 Jahre): 44,4 Prozent
Geschätzte Rendite: (3-5 Jahre): 57,9 Prozent

Frankreich
3 von 10

Die zweitgrößte Volkswirtschaft der EU ist laut Keppler einen Kauf wert. Der Aktienmarkt Frankreichs werde überdurchschnittlich (verglichen mit dem MSCI World) zulegen.

Geschätzte Index-Entwicklung: 22,9 Prozent
Geschätzte Rendite: 36,4 Prozent

Deutschland
4 von 10

Deutschland gehört schon seit mehreren Jahren zur „Top Value“ Strategie von Keppler. Bereits im Jahr 2013 sah Keppler den deutschen Markt als unterbewertet an. Im Frühling 2015 hat sich die Einschätzung immer noch nicht geändert – obwohl der deutsche Leitindex Dax in diesem Jahr bereits mehr als 20 Prozent zugelegt hat. Doch die Experten sehen noch Luft nach oben.

Geschätzte Index-Entwicklung (3-5 Jahre): 22,9 Prozent
Geschätzte Rendite (3-5 Jahre): 34,3 Prozent

Hong Kong
5 von 10

Hong Kong zählt ebenfalls zu den Märkten, die einen Kauf wert sind. Hier sieht das Fondshaus Keppler jährliche Zuwachsraten von mehr als elf Prozent.

Geschätzte Index-Entwicklung (3-5 Jahre): 39,2 Prozent
Geschätzte Rendite: 53,9 Prozent

Italien
6 von 10

Italiens Aktienmarkt hat sich von dem Absturz im Jahr 2007, dem Jahr der Finanzkrise, nicht wirklich erholt – anders als der deutsche. Auch deshalb sieht Keppler den italienischen Markt als unterbewertet.

Geschätzte Index-Entwicklung (3-5 Jahre): 22,9 Prozent
Geschätzte Rendite (3-5 Jahre): 35,7 Prozent

Japan
7 von 10

Japans Notenbank flutet den Markt mit Geld. Noch hat das Geldpolitik-Experiment keine Früchte gebracht, die Wirtschaft stottert weiterhin. Doch der schwache Yen hilft den Exportunternehmen und Experten hoffen, dass das Programm der Notenbank bald fruchtet.

Geschätzte Index-Entwicklung (3-5 Jahre): 22,8 Prozent
Geschätzte Rendite (3-5 Jahre): 30,8 Prozent

Ein wichtiger Punkt laut King ist: Es gibt sehr viel mehr verschiedene Zinspapiere als Aktien. Die einzelnen Papiere werden jeweils viel seltener gehandelt als Aktien, dafür aber im Durchschnitt in größeren Paketen. Damit ist der Anleihe-Markt grundsätzlich schon anfälliger für Probleme als der Aktienmarkt. Weil der Markt so kompliziert ist, findet relativ wenig Handel direkt zwischen Investoren statt, sondern meist werden die Deals über „Market-Maker“ vermittelt. Wenn diese „Market-Maker“, häufig große Banken, weniger Eigenbestände halten, wirkt sich das daher auf den Anleihemarkt sehr viel stärker aus als auf den Aktienmarkt.

Banken halten sich zu sehr zurück
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8 Kommentare zu "Citigroup-Studie: Warum die Märkte austrocknen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Einen großen Teil dieses Papiere hin- und hergeschiebe könnte ersatzlos entfallen. Es werden Null-Werte geschaffen. Mit Realwirtschaft hat das nichts zu tun. Es sind eher die Parasiten, die das Blut der Wirtschaft aussaugen. Wenn die Geschäfte mit Derivaten und ähnlichem Zeugs die Realwirtschaft um ein zig-faches übersteigt, dann ist das nich Investieren, sondern nur spekulieren.

  • @ Fred Meisenkaiser
    „Das Problem sollte wohl an der Konzentration der weltweiten Vermögen in der der Hand immer weniger Akteure liegen!“
    Bisher konnte nirgends empirische nachgewiesen werden, dass eine erhöhte Ungleichheit in der Vermögensverteilung negative Folgen für das Wirtschaftswachstum hat. Wenn Sie davon ausgehen, dass sich das Vermögen konzentriert, dann ja wohl bei jenen die damit auch wirtschaften. Anders wäre es ja nicht möglich stetig mehr zu Akkumulieren. Was wiederum bedeutet, dass diese Ihr Vermögen wohl gezielter einsetzen als jene, welche nicht so sehr zur Akkumulation neigen. Also fließt das Vermögen direkt dort hin wo es seine stärkste und profitabelste Anwendung findet.
    Genau genommen ist die Vermögenskonzentration eine folge erfolgreicher Kapitalakkumulation, welche einen Wachstumsfaktor darstellt.
    „Es fehlt der Markt.“ Offensichtlich ja nicht, denn wie oben umrissen, sammelt sich das Vermögen wohl an jener Stelle, wo der Markt am ehesten im Fokus steht.

  • @ Heiner Ettwein
    Weil der allg. Kunde als zu dumm betrachtet wird, man geht grundsätzlich von seiner Ahnungslosigkeit und Unfähigkeit aus. Dies überträgt man auf die Gesamtheit der Anleger und versucht die Produkte per Gesetz idiotensicher zu machen, was natürlich auch die kompetenten Anleger trifft und ihre Möglichkeiten einschränkt.
    Zudem neigen bürokratische Behörden immer dazu ihre Macht und ihren Kontrollbedarf permanent ausdehnen zu wollen.

  • @Fred Meisenkaiser
    Wieso...wie war Ihr Urlaub?

  • Das Problem sollte wohl an der Konzentration der weltweiten Vermögen in der der Hand immer weniger Akteure liegen! Daran geht das System kaputt. Es fehlt der Markt.
    Hinzu kommt, dass sich das Finanzsystem viel zu weit von der Realität entfernt hat. Aus geld Geld machen funktioniert nicht auf Dauer.

  • Lange nicht die EEG-Spam gelesen! Urlaub gehabt?

  • Den Märkten gehen die Investoren aus. Das hängt damit zusammen, dass mit der "CO2 Verteufelungspolitik" der US-EU-Deutschen Politik = Energiewende die Willkür (Gesetze und Verordnungen) der Politik den Markt so stark reguliert, dass es immer weniger Investoren gibt, die in immer weniger werdenden, vom Staat nicht regulierten Märkten, investieren können. Und die Freiheit des Investor ist die Voraussetzung für das Erblühen von Märkten. Der Staat reguliert mit diesen "CO2 Bashing" die gesamte Wirtschaft und die Investitionen. Das Verteufeln des CO2 als böses Klimagas ist der Investitionskiller Nummer 1. Dabei ist das CO2 kein Klimagas, sondern ein Pflanzendünger, der unsere Natur zum Ergrünen bringt. Das "Märchen vom menschengemachten CO2 Klimawandel" ist ein Märchen, dass dem staatlichen Ablasshandel einer markt- gesellschaftsfeindlichen Lobby dient. Märkte werden immer mehr austrocknen und der Mangel und die Armut werden durch staatliche Eingriffe (EEG, Energieeinsparzwang, CO2-Ächtung) durch die Politik in den USA, EU und Deutschland weiter und weiter gefördert.

  • Warum gibt es immer neue Vorschriften? Wahrscheinlich weil Banken - Sparkassen uns Anleger -
    Kreditnehmer immer wieder " ausgenommen " haben !

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