Datenfehler der Nasdaq
Bloomberg, Yahoo und Co. zeigen falsche Aktienkurse

Mehrere Datenanbieter haben aus Versehen Testdaten statt echter Daten von Aktien veröffentlicht, die an der Nasdaq notiert sind. Der Fehler sorgte kurzzeitig für Tumulte in den Handelssälen.
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Düsseldorf/New YorkKann es passieren, dass auf einmal mehr als ein Dutzend Aktien, darunter Amazon, Apple, Google und Microsoft, exakt dasselbe kosten, nämlich 123,47 Dollar? Natürlich nicht. Aber für eine Weile sah es am späten Montagabend nach amerikanischer Zeit und im frühen asiatischen Handel im Dienstag aus. Mehrere Webseiten, darunter Yahoo Finance, Google Finance und Bloomberg Terminals, zeigten falsche Daten für Unternehmen an, die an der New Yorker Technologie-Börse Nasdaq gelistet sind. Die eigene Aktie der Nasdaq war ebenfalls betroffen.

Auf den ersten Blick hatten damit zahlreiche amerikanische Tech-Giganten Milliarden Dollar an Marktwert eingebüßt. Für die Amazon-Aktie ging es etwa von knapp 950 Dollar um 87 Prozent abwärts, die Papiere der Google-Mutter Alphabet fielen um 86 Prozent und Apple um 14,3 Prozent.

Dafür sahen sich Unternehmen, deren Kurs unterhalb der 123,47 Dollar dümpelt, kurzzeitigen Preissprüngen ausgesetzt. So schnellten die Aktien des Software-Herstellers Microsoft um fast 80 Prozent nach oben, was zu einem theoretischen Marktwert von mehr als einer Billion Dollar führte. Der Kurs der Videospieleschmiede Zynga stieg sogar vermeintlich um mehr als 3.000 Prozent.

Screenshot eines Twitter-Users

Zwar kam es zu kurzen Tumulten in den Handelssälen, stärkere Marktreaktionen aufgrund des Datenfehlers wurden an den asiatischen Börsen aber nicht verzeichnet. Die US-Börsen sind an diesem Dienstag aufgrund des Nationalfeiertags geschlossen. Der Fehler blieb regional beschränkt, in Deutschland zeigten die Finanzinformationsdienste am Dienstagmorgen keine falschen Anteilspreise an

Die Nasdaq stellte eine Warnung auf ihre Website, in der es heißt: „Einige Anwender haben inkorrekterweise Daten veröffentlicht, die als Teil einer normalen Testroutine am Abend verteilt wurden.“ Bloomberg News, deren Konzern selber betroffen war, veröffentlichte ebenfalls diese Version und zitierte einen Nasdaq-Sprecher mit den Worten: „Es gab kein technisches Problem bei der Nasdaq.“ Er fügte hinzu, es seien keine Abschlüsse zu den falschen Kursen getätigt worden.

Offen bleibt allerdings, wieso gleichzeitig mehrere Datenabnehmer fälschlich Testdaten veröffentlicht haben. Das „Wall Street Journal“ zitiert eine Quelle aus dem Bereich der Abnehmer mit der Erklärung, die Nasdaq habe ihr Verfahren geändert und darüber nicht informiert. Von der Nasdaq selber war dazu, auch bedingt durch einen Feiertag, zunächst keine Stellungnahme zu bekommen.

Bei der Panne handelte es sich nicht um eine Störung des Handels, sondern um Falschinformationen, die offenbar außer Verwirrung keinen Schaden gestiftet haben. In den letzten Jahren hatte es immer wieder auch kurzzeitige, sehr starke Kursschwankungen in einzelnen Marktsegmenten gegeben, bei denen aber tatsächlich auch Käufe und Verkäufe zustande kamen. Am bekanntesten wurde der „Flash-Crash“ an der New Yorker Aktienbörse (Nyse) im Mai 2010, bei dem die Kurse kurzzeitig tief einbrachen. Angeblich wurde er durch einen Händler in London ausgelöst, der mit Scheingeschäften den Handel aus dem Gleichgewicht brachte. 2013 war der Handel an der Nasdaq für drei Stunden wegen technischer Probleme ausgesetzt, 2015 legte eine ähnliche Panne die Nyse für rund vier Stunden lahm. Beide, Nyse und Nasdaq, stehen in harter Konkurrenz zueinander.

In der Vergangenheit musste sich die US-Techbörse Nasdaq allerdings auch schon in mehreren Fällen mit technischen Problemen auseinandersetzen. So ist die Nasdaq zu einer Entschädigung von 26,5 Millionen Dollar verurteilt worden aufgrund eines technischen Fehlers während des Facebook-Börsengangs. Damals wurden Auftragsorder erst mit mehreren Stunden Verzögerung ausgeführt.

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