Dax aktuell
„Börsen lassen etwas Druck aus dem Kessel“

Aus Furcht vor wachsenden Spannungen in Nahost haben sich Anleger zurückgezogen. Der Dax beendet den Handel knapp unter der Marke von 13.000 Punkten. Im MDax stürzen die Papiere des Möbelherstellers Steinhoff ab.
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FrankfurtDer deutsche Leitindex verlor zum Schluss 0,4 Prozent und ging mit 12.998 Punkten aus dem Handel. Zwischenzeitlich lag das Börsenbarometer mehr als 100 Punkte und, konnte sich im Laufe des Nachmittags von den deutlichen Verlusten erholen. Größere Rückschläge seien aber nicht zu erwarten, sagte Marktanalyst Milan Cutkovic vom Brokerhaus AxiTrader. „Die Börsen lassen lediglich etwas Druck aus dem Kessel. Wir sehen vielmehr eine Verschnaufpause anstatt den Beginn einer Korrektur.“ Seit Jahresbeginn hat der Dax etwa 13 Prozent zugelegt.

Bauchschmerzen bereitete Investoren der Plan von US-Präsidenten Donald Trump, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen. „Es besteht das Risiko, dass dies zu Demonstration in und um Jerusalem führt, die sich zu Zusammenstößen entwickeln“, sagte Volkswirt Inan Demir vom Brokerhaus Nomura. Den von Israel annektierten Ostteil der Stadt beanspruchen die Palästinenser als Hauptstadt ihres künftigen Staates. Vor diesem Hintergrund verkauften Anleger die israelische Währung. Dies trieb den Kurs des Dollar bis zu 0,4 Prozent in die Höhe auf 3,5174 Schekel.

Wegen der holprigen Brexit-Verhandlungen stand auch das Pfund Sterling unter Verkaufsdruck. Es verbilligte sich um 0,5 Prozent auf 1,3376 Dollar. Einem britischen Medienbericht zufolge ist in dieser Woche keine Einigung in kritischen Streitfragen zwischen Großbritannien und der EU zu erwarten. Die britische Premierministerin Theresa May sieht die Gespräche dagegen auf einem guten Weg.

Vor diesem Hintergrund nahmen einige Investoren Kurs auf „sichere Häfen“ wie Bundesanleihen. Die Rendite der zehnjährigen Titel fiel daraufhin auf 0,293 von 0,324 Prozent. Die „Antikrisen-Währung“ Gold verteuerte sich um 0,2 Prozent auf 1269,24 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm). Das „digitale Gold“ Bitcoin legte zeitweise neun Prozent zu und markierte mit 12.809 Dollar erneut ein Rekordhoch. Damit summiert sich das Kursplus der Cyber-Devise seit Jahresbeginn auf etwa 1200 Prozent.

Ohne größeren Einfluss auf die Börsenkurse blieben die im Rahmen der Erwartungen ausgefallenen US-Beschäftigtenzahlen der privaten Arbeitsagentur ADP. Investoren warteten auf die offiziellen Zahlen am Freitag, sagten Börsianer.

Aktienanleger warfen vor allem Technologiewerte aus ihren Depots. Der Branchenindex verlor 1,2 Prozent. Die Quartalsergebnisse der Firmen seien nicht gut genug ausgefallen, um die Kurse weiter nach oben zu treiben, sagte Ken Hsia, Portfolio-Manager für europäische Aktien beim Vermögensverwalter Investec. „Daher haben wir teilweise verkauft und das Geld in andere Teile des Marktes gesteckt.“

Im deutschen Nebenwerte-Index MDax sorgte der Rekord-Kurssturz von Steinhoff für Aufsehen. Die Aktien des Betreibers der „Poco“-Möbelhäuser fielen um bis 72 Prozent und waren mit 0,85 Euro so billig wie noch nie. Zum Handelsschluss betrug das Minus 64 Prozent. Das Unternehmen räumte ein, dass „in Bezug auf Bilanzunregelmäßigkeiten neue Informationen ans Licht gekommen sind“. Parallel dazu gab es den Rücktritt des langjährigen Firmenchefs Markus Jooste bekannt. „Es herrscht Furcht, dass da noch mehr kommt“, sagte Analyst Jürgen Kolb vom Vermögensberater Kepler Cheuvreux. Steinhoff-Bonds ließen Investoren ebenfalls fallen wie eine heiße Kartoffel. Dadurch verdreifachte sich die Rendite der bis 2025 laufenden Titel auf 11,583 Prozent.

In London stiegen die Aktien von Intu dagegen um mehr als 20 Prozent - so stark wie noch nie. Der Rivale Hammerson will den britischen Betreiber von Einkaufszentren für umgerechnet 3,8 Milliarden Euro übernehmen.

„Hammerson verfügt über eine gute Bilanz, wenn es um Einsparungen geht“, schrieben die Analysten der Investmentbank Liberum in einem Kommentar. Hammerson-Papiere fielen dennoch um bis zu 5,1 Prozent auf ein Eineinhalb-Jahres-Tief von 507 Pence.

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Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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