Dax am 21. November 2017
Jahresendrally statt Sondierungsfrust

Dass die wochenlangen Jamaika-Gespräche gescheitert sind, scheint auf dem Parkett nicht zu verfangen. Ganz im Gegenteil: Den Anlegern gelang am Dienstag ein Befreiungsschlag. Der Dax konnte sich deutlich absetzen.
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FrankfurtGraue Wolken über Berlin – Sonnenschein in Frankfurt. Während sich die Politiker in der Hauptstadt nach den gescheiterten Sondierungen in Gedankenspielen und Geplänkel verlieren, trauten sich die Anleger in der Main-Metropole weit aus der Deckung. Der Deutsche Aktienindex kletterte am Dienstag deutlich rauf und ging mit 13.167 Punkten 0,8 Prozent fester aus dem Handel. Zeitweise hatte der Dax mehr als ein Prozent zugelegt. Dabei ist Unsicherheit doch der Börsianer größter Schreck – zumal im eigenen Lande.

Auf dem Parkett scheint man die ganze Situation aber nicht allzu kritisch zu sehen. Offensichtlich traut man den Bundespolitikern eine stabile Regierungsbildung zu. Und zu verlockend ist der Wunsch nach einer Jahresendrally, als dass die Anleger einer politischen Börse keine langen Beine machen.

Wie es Berlin weitergeht, ist aktuell alles andere als klar. In der Nacht zum Montag waren die wochenlangen Sondierungen zwischen Union, FDP und Grünen überraschend ergebnislos zu Ende gegangen. Die Liberalen hatten die Gespräche platzen lassen, eine sogenannte Jamaika-Koalition ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit vom Tisch. Die SPD schlossen eine Große Koalition unter den Christdemokraten und -sozialen erneut aus. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier erteilte Neuwahlen zunächst eine Absage und mahnte den politischen Akteuren Verantwortung an.

Stabilität ist es auch, was die Finanzwelt von Deutschland erwartet. „Der Markt wünscht sich in der größten Volkswirtschaft Europas eine stabile Mehrheitsregierung mit Planungssicherheit“, betonte etwa Commerzbank-Analystin Antje Praefcke. Auf die Stimmung in den Handelsräumen schlug sich das aktuelle Fehlen einer solchen aber nicht sonderlich nieder. „Noch profitiert der Markt von der positiven Stimmung an den weltweiten Börsen und anhaltend starken Konjunkturdaten aus Deutschland und der Eurozone“, meinte Milan Cutkovic vom Brokerhaus AxiTrader.

Der Dax wendete nach einem schwachen Frühhandel ins deutliche Plus. Bereits am Montag hatte sich die Wirkung des überraschenden Scheiterns der Sondierungen in Grenzen gehalten. „Ignorieren sollte man das politische Risiko nach dem Scheitern der Jamaika-Gespräche aber nicht“, so Cutkovic. Ökonom Jan Bottermann von der Essener National-Bank sieht die politischen Risiken nun zwar höher, „einen grundlegenden Kurswechsel erwarten wir allerdings nicht.“

Unterstützung für die Beschleunigung kam vom Devisenmarkt. Dort hatte der Euro im Laufe des Vormittags seine Aufwertung unterbrochen. Für Aktien ist das ein tendenziell positives Signal, sorgt eine schwache Währung doch tendenziell für billigere Exporte und somit für höhere Absatzchancen. Vor allem die Bundesrepublik mit ihrem Schwerpunkt auf Ausfuhren hat einen euro-sensiblen Handel.

Von einer leichten Verteuerung rutschte die Gemeinschaftswährung ins leichte Minus, Den plötzlichen Schwung im europäischen Aktienhandel kann das aber nicht allein erklären. Der Leitindex der Euro-Raums, der Euro-Stoxx-50 legte 0,5 Prozent zu auf 3579 Zähler. Auch in New York präsentierte sich der Handel schwungvoll – und das, obwohl wegen Thanksgiving die Wall Street am Donnerstag geschlossen bleibt und am Freitag früher Feierabend macht. Der Dow-Jones-Index rückte 0,8 Prozent vor auf 23.613 Stellen und markierte damit ein neues Allzeithoch, ebenso der S&P-500 und die Nasdaq.

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  • Viellicht sind die Anleger einfach nur darüber erleichtert, dass eine gewisse Partei jetzt erst einmal nicht in der Regierung mitredet?

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