Dax an der Börse Frankfurt
Dax verliert mehr als 50 Punkte

Von der Rally an der Wall Street kommt in Europa nicht viel an. In einem schwierigen Mittwochshandel kann der Dax seine Verluste zum Handelsschluss nur begrenzen. Wie wird sich die vermutliche US-Zinserhöhung auswirken?
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Düsseldorf/FrankfurtDer Dax ist zur Wochenmitte eingeknickt. Nicht nur ist ihm erneut kein Durchbruch gelungen. Nachdem ein Angriff auf die 10.800 Punkte ausgeblieben ist, stiegen Anleger zeitweise entmutigt aus und bescherten dem Deutschen Aktienindex deutliche Verluste. Zum Handelsschluss kam er etwas erholt mit 10.662 Punkten auf ein Minus von 0,5 Prozent. Dabei hatten erfreuliche Vorgaben – die Wall Street hatte ihre Trump-Rally mit erneuten Höchstständen gekrönt – Schwung nicht nur hoffen, sondern erwarten lassen.

Damit bleibt der Dax zwei Wochen nach den US-Präsidentschaftswahlen zwar auf einem immer noch hohen Niveau, doch den nachhaltigen Durchstoß über die 10.800er-Marke trauen sich die Anleger nicht zu. Die New Yorker Börsen gaben am Nachmittag keine richtige Rückendeckung, die Börsianer zeigten sich angesichts Thanksgivings am Donnerstag in schwungloser Feiertagsvorfreude. Nach dem Allzeithoch vom Vortag trat der Dow-Jones-Index auf der Stelle, während Gewinnmitnahmen S&P und Nasdaq leicht drückten.

Der zögerliche Kurs dürfte sich in den nächsten Wochen fortsetzen. Zu groß ist die Unsicherheit rund um die Sitzung des Fed-Offenmarktausschusses im Dezember. Die Wahrscheinlichkeit, dass die US-Notenbank die Zinsen noch im laufenden Jahr erhöht, hat sich mit der überraschend freundlichen Börsenstimmung infolge des Trump-Wahlsieges zwar unerwartet erhöht. Doch ist sie nicht so hoch, dass die Börsianer sicher davon ausgehen können. Dementsprechend hoch ist die Anspannung in den Handelswochen bis zum 14. Dezember.

Inzwischen geht das Gros des Parkettvolkes davon aus, dass die Fed-Chefin Janet Yellen nach der letzten Sitzung des Jahres steigende Leitzinsen verkünden wird. Dies zeigen zumindest Daten der Nachrichtenagentur Bloomberg. Demzufolge ist die Wahrscheinlichkeit auf eine weitere Straffung der Geldpolitik bis Juni 2017 erstmals auf über 50 Prozent gestiegen. Der Grund: Anleger spekulieren mit dem Wahlsieg der Republikaners Donald Trump auf höhere Staatsausgaben und eine anziehende Inflation.

Genau deswegen stehen die Fed-Protokolle im Fokus des Interesses. Von der Veröffentlichung der Protokolle der Novembersitzung erhoffen sich Anleger neue Hinweise auf den zukünftigen Kurs der Notenbanker – wie sie es immer tun. Doch die Schriftstücke kommen erst nach Börsenschluss. US-Konjunkturdaten indes konnten überzeugen, sorgten aber nicht für Impulse. Die Industrie in den Staaten hat im Oktober den stärksten Auftragszuwachs seit einem Jahr verbuchen können.

Das lockere Zinsumfeld ist Hauptreiber der immer noch anhaltenden Aktienrally. Bisher hatten Finanzmarktturbulenzen eine Erhöhung der US-Zinsen in diesem Jahr immer wieder verhindert. Konjunkturdaten hätten laut Ökonomen eine Straffung durchaus gerechtfertigt. Doch die Volatilität an den Märkten hatte den Währungshütern in Washington ein ums andere Mal einen Strich durch die Rechnung gemacht. Die erste Zinserhöhung seit der Finanzkrise – und damit schon die bisher letzte – ist auf den Dezember des vergangenen Jahres datiert.

Generell gilt, dass Anleger das billige Geld der Notenbanken immer gerne annehmen, sorgt es doch für steigende Aktienkurse. Doch einmal mehr bewahrheitet sich die alte Weisheit, wonach Börsianer nichts weniger mögen als Unsicherheit. Wenn geldpolitisch mittelfristig Klarheit herrscht, dürfte auch der Schlingerkurs ein Ende nehmen, weil die Akteure dann umschichten können.

Doch erstmal kommen Europas Börsen nicht vom Fleck. Nicht nur der Dax, auch der Leitindex der Eurozone notierte quasi unverändert. Der Euro-Stoxx-50 kam mit 3035 Zählern auf ein Minus von 0,3 Prozent. In Frankfurt wirbelte die zweite Reihe ebenfalls nur Staub auf: Der MDax lief praktisch unverändert bei 20.697 Punkten, der volatile TecDax hingegen rutschte um 1,3 Prozent ab auf 1717 Stellen. Derzeit dürften wohl nicht wenige Anleger einen neidischen Blick nach Amerika werfen und ein US-Engagement durchspielen.

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  • "Herr Fritz Porters - 18.11.2016, 11:43 Uhr

    @ Herr Hoffmann

    ich habe nicht diesen enormen politischen Sachverstand wie Sie, aber die von Ihnen beschriebene "Grünen-Sozialistischen Vernichtungspolitik".... ist das sowas wie ein "Gemüseauflauf"? :-D
    Herrlich, die Kommentare sind echt Comedy... einige Artikel im HB sind echt besorgniserregend, aber die Kommentare können einem das Lachen zurückzaubern. Danke ...muss weiter arbeiten...aber nachher schaue ich noch mal in die Kommentare...will doch auch später noch was zu schmunzeln haben..."

    @Porters

    VIELEN DANK Herr Porters,
    es ist wirklich ein immenser Zeitaufwand, von morgens bis abends zu jedem Artikel so witzige Kommentare zu schreiben.
    Bei manchen Artikeln sogar mehrere.
    Schön das Sie das zu schätzen wissen.

    Aber die Ehre gebührt nicht mir alleine. An den Comedy-Kommentaren sind noch weitere Leute beteiligt die auch gewürdigt sein wollen:
    Paff, von Horn, Trautmann, Vinci Queri, Delli, Bollmohr, Caruso....

    ohne sie wäre ich hier sehr einsam !
    Danke

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