Dax an der Börse Frankfurt
Vom Börsenschreck zum Börsenliebling

Ein US-Präsident Trump war das Schreckensszenario der Anleger. Nun ist es eingetreten. Und bis auf einen kurzen Schock war nichts zu spüren. Der Dax drehte gar ins dicke Plus. Die Erklärung dafür wirft einige Fragen auf.
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FrankfurtVon wegen Börsenbeben – der überraschende Wahlsieg von Donald Trump hat Europas Märkte kalt gelassen. Der befürchtete Totalabsturz bei einem Sieg des republikanischen Präsidentschaftskandidaten blieb nicht nur aus. Am Nachmittag wendeten die Kurse gar ins Plus. Am Ende schloss der Dax mit 10.646 Punkten 1,6 Prozent fester. Der Leitindex war mit einem Drei-Prozent-Minus in den Handel gestartet, das er stetig abbaute. Auch an den anderen Börsen Europas und am Devisenmarkt war der anfängliche Schock nur von kurzer Dauer. Ein Handelsverlauf, der weder vorherseh– noch nachvollziehbar ist.

Die Begründung, die man allerorten auf dem Parkett hört: Der für unwahrscheinlich gehaltene Sieg Trumps sorgt für weiterhin niedrige Zinsen in Amerika. Mit ihm als designiertem Staatsoberhaupt der Vereinigten Staaten ändert sich das politische Umfeld so sehr, dass die Notenbank die Leitzinsen kurz- bis mittelfristig nicht erhöhen wird. Darauf zumindest spekulieren die Börsianer. Sicher ist: Die auf Vorsicht bedachte US-Notenbank Federal Reserve wird alles andere tun wollen als Unruhe in die Finanzmärkte zu bringen.

„Die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im Dezember, gefolgt von zwei weiteren Zinssteigerungen 2017, ist nun stark gesunken“, schätzt Dominic Rossi, Anlageexperte beim Fondsanbieter Fidelity. Was zuerst wie ein Wehmutstropfen für das Parkettvolk klang, entwickelte sich zum Kurstreiber. Mit dem weiterhin billigen Notenbankgeld bleibt der Brennstoff für steigende Kurse erhalten. Mal wieder ist die Geldpolitik der Fed Trumpf. Dass sie in ihrer Wirkmächtigkeit gar einen politischen Umbruch in Washington überstrahlt, ist jedoch tatsächlich beeindruckend.

Vor allem, weil Donald Trump im Vorfeld des Wahltags als Börsenschreck gehandelt wurde. Bis zuletzt galt ein Sieg des republikanischen Kandidaten als Worst-Case-Szenario auf dem Parkett. Nach seinem Jahreshoch vor zwei Wochen, hatte der Dax mit dem Erstarken Trumps in den Umfragen kurz vor den Wahlen für eine Talfahrt gesorgt. Der deutsche Leitindex hatte seitdem bis zu fünf Prozent verloren, an der Wall Street gab es mit neun Verlusttagen infolge eine Serie, die zuletzt in den Achtzigerjahren zu bestaunen war. Die Abschläge waren so stark ausgefallen, dass ein Wahlsieg Trumps schon als größtenteils eingepreist galt.

Die Börsianer hatten auf Hillary Clinton als 45. Staatsoberhaupt der Vereinigten Staaten gesetzt, auch wenn diese als Demokratin traditionell weniger wirtschaftsfreundlich ist als der republikanische Kandidat. Anlegern aber schien das zweitrangig, selbst mit der Aussicht auf höhere Steuern hatten sie sich arrangiert. Es sollte anders kommen. Denn mit Trump tritt jemand auf den Plan, von dem noch nicht sicher ist, welchen Kurs er wirtschaftlich und politisch einschlagen wird. Seine Ankündigungen im Wahlkampf kommen einer Zäsur gleich und die große Frage wird nun sein, wie viele seiner Vorhaben er umsetzten kann – und tatsächlich will.

Und dennoch steigen die Kurse. Man kommt nicht umher das Börsentreiben an diesem Mittwoch zu hinterfragen. Zieht man die schlüssige Erklärung mit der Hoffnung auf ein weiterhin lockeres Zinsumfeld heran, bleibt dennoch die Frage, warum ein Sieg Trumps im Vorfeld mit Ausverkäufen antizipiert wurde, nicht aber die Möglichkeit, dass damit die Geldpolitik so locker bleiben dürfte wie bisher.

Schon die rasche Erholung der Märkte nach dem Brexit-Votum, das anders als die heutigen Wahlen ein echtes Börsenbeben auslöste, hatte diesen Mechanismus präsentiert. Nach einer politischen Zäsur, die kurzfristig die Notierungen an den Wertpapierbörsen durchschüttelt, setzt der Glaube an die Notenbanken ein, und die Kurse steigen zurück auf ihr Ausgangsniveau. Als ob nichts gewesen wäre. Im Umkehrschluss müsste das heißen, dass weder Brexit-Referendum noch US-Wahlen das wahre Highlight des Jahres sind, sondern die nächste Fed-Sitzung. Und wenn nicht diese, dann die folgende, oder die wiederum darauf folgende. Die Regelmäßigkeiten von früher scheinen nicht mehr zu gelten.

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  • ...........auch hier.....wie ich hier neulich schon schrieb......die von mir beschriebene Szene......kein Crash.....keine brutaler Abstieg in die Indianer-Abgründe.....nach Entscheid......daß es Trump macht.....

    .......und so frage ich mich......und muß auch für die Allgemeinheit fragen.....was sind das für Kandidaten.....die Predigten von Untergangsszenarien hier und woanders abgaben...wenn es der Herr Unternehmer Trump es machen würde.....entlarvt sich eine Klientel.....der Dummköpfe und Schmarozzer.....die gefährlich sind.....für unbescholtene Anleger.....glaubt man diesen "Leuten"....daß sie doch von der Materie etwas verstehen müßten.....nichts ist....garnichts....rote Karten müssen diese Leute erhalten + nichts anderes......und sollten weiter diese Aspiranten in die Lehre gehen.......und nach 20 oder 25 Jahren sich wieder zu melden......wenn sie ihre Lehrzeit mit einem Briefing beendet haben....
    es ist unglaublich.......beleuchtet man die Szene realistisch......was sich heute an den Märkten tummelt......Hauptsache.......auch mal etwas gesagt zu haben....und wenn es noch so unqualifiziert gewesen ist......
    Ist die Kwintessenz......alleine sich auf den Weg machen.....und die Finger von diesen fachlich Halbgebildeten zu lassen......es ist so.....leider....

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