Dax-Ausblick
Anleger brauchen starke Nerven

Die Kursverluste der vergangenen Woche haben gezeigt, wie sensibel die Börsen derzeit reagieren. Ist die Rally nun vorbei? So weit würden Experten nicht gehen. Was die nächste Woche bringt.
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FrankfurtDa sind sie wieder, die bangen Fragen: „War’s das jetzt? Ist die Rally nun vorbei?“ Seit mehr als drei Monaten kannte der Dax quasi nur eine Richtung: nach oben. Doch am vergangenen Mittwoch wurden viele Anleger recht unsanft daran erinnert, dass auch ein Index plötzlich große Verluste verzeichnen kann. Innerhalb weniger Stunden ging es etwa 400 Punkte abwärts, ein Tagesverlust von 3,2 Prozent. Am Ende der durch den Feiertag verkürzten Handelswoche stand der Dax dann bei 11.454 Punkten. Die Angst vor weiteren Rückschlägen dürfte Anleger auch in der kommenden Woche begleiten.

Grund für die Kursverluste zur Wochenmitte waren enttäuschende Wachstumszahlen aus den USA. Im ersten Quartal legte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) aufs Jahr hochgerechnet nur magere 0,2 Prozent zu. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten dagegen mit 1,0 Prozent gerechnet, Ende 2014 hatte das Plus noch 2,2 Prozent betragen. Auf diese Nachricht hin war der Euro deutlich nach oben geklettert und die Kurse der Bundesanleihen waren eingebrochen.

Auch in der kommenden Woche dürfte sich der Blick der Anleger wieder auf die USA richten. An den Aktienmärkten ging es dort schon am Freitag wieder aufwärts. Der Dow Jones schaffte ein Plus von einem Prozent auf 18.024 Dollar. Im Fokus werden dieses Mal die aktuellen Arbeitslosenzahlen stehen.

Am Mittwoch kommen Zahlen der privaten Arbeitsagentur ADP. Diese liefern einen Vorgeschmack auf die offiziellen US-Daten, die am 8. Mai veröffentlicht werden. Schon in dieser Woche hatte das US-Arbeitsministerium vermeldet, dass die Zahl der Anträge auf Arbeitslosenhilfe in den vergangenen acht Wochen stets unter 300.000 geblieben war. Bei Werten unter dieser Marke sehen Ökonomen üblicherweise einen Aufschwung am Arbeitsmarkt.

Das wiederum dürfte zu einer Erholung der US-Wirtschaft beitragen, die zu etwa 70 Prozent von den privaten Konsumausgaben abhängt. Sollten die Zahlen jedoch schwach ausfallen, könnte das Spekulationen auf eine Verschiebung der Zinserhöhung schüren. Die Folge könnte eine beschleunigte Aufwertung des Euro sein, der derzeit rund 1,12 Dollar kostet. Ein Ende der Dollar-Rally könnte neuen Schwung für die US-Märkte bedeuten. Doch aus europäischer Sicht wäre ein starker Euro ungünstig. Zuletzt hatte die Schwäche der Gemeinschaftswährung als Kurstreiber gewirkt. Sie trug dazu bei, dass Geld aus dem Dollar-Raum in europäische und deutsche Aktien investiert wurde.

Zur Frage, wann sie mit Zinserhöhungen beginnen will, kamen von der Fed in einer Sitzung am vergangenen Mittwochabend noch immer keine konkreten Aussagen. Aber: „Die Fed sichert nicht mehr zu, dass die Leitzinsen für einen bestimmten Zeitraum unverändert bleiben werden“, sagt Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank. Stattdessen lasse sie sich von den Daten leiten. „Dies bedeutet, dass der Ausblick für die Geldpolitik unsicherer wird – und dass sich die Fed einen größeren Handlungsspielraum einräumt.“

Patrick Franke von der Helaba erwarte die Zinswende „unverändert im Sommer – frühestens im Juni, spätestens im September“. Der Juni sei aus heutiger Sicht aber nicht mehr der wahrscheinlichste Termin. Robert Halver dagegen rechnet nicht mit einer langen Wartezeit: „Ich glaube, dass die US-Wirtschaft ein wunderbares, robustes zweites Quartal hinlegen wird“, sagt der Leiter Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank. „Und dann ist die Zinswende wieder in aller Munde, auch wenn sie sich letztendlich als Zinswendchen entpuppen wird. Und auch die EZB macht natürlich weiter mit ihrem Anleihekaufprogramm.“

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