Dax-Ausblick: Anleger im Bann der Katastrophe

Dax-Ausblick
Anleger im Bann der Katastrophe

Die Katastrophe in Japan schockiert die Welt - und schickt die Märkte auf Talfahrt. Auch in der kommenden Woche werden diese gebannt nach Japan blicken. Zudem rückt durch den EU-Gipfel die Schuldenkrise in den Fokus.
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Frankfurt/Düsseldorf

In Japan ist seit einer Woche nichts mehr wie vorher. Nachdem der durch ein Erdbeben der Stärke 9,0 ausgelöste Tsunami weite Teile des Landes zerstört, tausende Menschen getötet und Hunderttausende in die Obdachlosigkeit getrieben hat, kämpft das Land verzweifelt gegen eine atomare Katastrophe. Mit Löschflugzeugen, Wasserwerfern und Notstrom-Leitungen versuchen Arbeiter unter Lebensgefahr die Brennstäbe der Reaktorblöcke in Fukushima zu kühlen - und den nuklearen Super-GAU doch noch zu verhindern. Angesichts des gewaltigen menschlichen Leids, das auf die Menschen in Japan hereinprasselt, fällt es nicht leicht, sich mit den nüchternen wirtschaftlichen Folgen der Katastrophe zu beschäftigen.

Rund um den Globus hat die Japan-Krise die Aktienmärkte in der abgelaufenen Woche auf Talfahrt geschickt und zu erheblicher Verunsicherung an den Märkten geführt. Am stärksten traf es den Nikkei 225, der zwischenzeitlich um 18 Prozent einbrach. Aber auch der Dax musste in den Tagen nach dem Beben starke Verluste hinnehmen. Erst nachdem am Donnerstag erste vorsichtige Hoffnungsschimmer eine Entspannung der atomaren Krise in Aussicht gestellt hatten, konnte der deutsche Leitindex einen Teil seiner achtprozentigen Verluste wieder gut machen. Am Freitagnachmittag schloss der Index bei 6.664 Punkten. Doch die kurzzeitige Erholung des Leitindex ist labil. Jede neue Schreckensmeldung aus Japan kann die Aktienmärkte unter Druck setzen und dazu führen, dass Investoren ihr Geld in Sicherheit bringen - und Aktien verkaufen.

Schon jetzt steht fest, dass die Tragödie in der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt nicht ohne Folgen bleiben wird. Analysten sind jedoch uneins, welche Konsequenzen für Japan - und den Euroraum drohen: "Global haben wir eigentlich einen sehr kräftigen konjunkturellen Aufschwung, der die Aktienmärkte trägt. Aber die Ereignisse in Japan und im Nahen Osten belasten die Stimmung deutlich", sagt Marktstratege Jörg Rahn von Marcard, Stein & Co. Eine Talfahrt erwartet er in den nächsten Tagen dennoch nicht. Denn die Tragödie in Japan könne die weltweite Konjunktur zwar abschwächen, aber nicht stoppen. "Die Intervention der Zentralbanken hat gezeigt, dass die Staatengemeinschaft im Notfall zusammensteht. Das stärkt das Vertrauen der Investoren." Auch die Analysten der DZ Bank glauben, dass die Indizes in Bälde wieder zur Tagesordnung übergehen werden - gesetzt den Fall, es kommt in Japan nicht zum Super-GAU. Baldige Konjunkturimpulse erhoffen sich die Experten durch den Wiederaufbau der betroffenen Regionen. Zudem seien die konjunkturellen Auswirkungen der Japan-Krise auf den Euroraum, und somit auch auf Deutschland, gering.

Das sehen die Experten der Weberbank anders: Zwar werden nur ein Prozent der deutschen Waren nach Japan exportiert, doch die enorme Verflechtung Japans mit den Volkswirtschaften Asiens könne die Wirtschaft hierzulande belasten - und den (asiatischen) Motor für das deutsche Wachstum abwürgen. Und ob sich Japan wirklich schnell von der Krise erholen wird, steht ebenfalls in den Sternen. Abseits der gravierenden Folgen der Katastrophe kämpft das Land mit einer horrenden Staatsverschuldung, politischem Stillstand und einer nicht enden wollenden Deflation.

Wie stark die Krise in Japan und die politischen Unruhen in mehreren arabischen Ländern die Wirtschaft im Euroraum bereits abbremsen, werden verschiedene Stimmungsindikatoren in der neuen Woche zeigen. Am Donnerstag werden die europäischen Einkaufsmanagerindizes veröffentlicht, am Freitag der Ifo-Geschäftsklimaindex. Investoren interessieren sich auch dafür, wie Energieversorger wie Eon oder RWE auf die neue Atompolitik der Bundesregierung reagieren werden.

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Hohe Erwartungen an den EU-Gipfel

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