Dax-Ausblick
Anleger lechzen nach Lösung der Schuldenkrise

Der Aktienmarkt dümpelt weiter in unruhigem Fahrwasser: Börsianer fürchten sich vor einem Übergreifen der Krise auf starke Euro-Länder und hoffen auf den Masterplan der Politik. Auch US-Daten rücken in den Fokus.
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Frankfurt, DüsseldorfDie Euro-Krise zieht immer weitere Kreise, doch auf ein umfassendes Lösungspaket zur Bekämpfung der ausufernden Schulden in einigen südeuropäischen Staaten warten die Anleger weiter vergebens. Entsprechend vorsichtig dürften sich die Investoren auch in der neuen Woche am deutschen Aktienmarkt zeigen. „Das nervöse Auf und Ab im Dax sollte uns erhalten bleiben“, sagt Aktienstratege Jörg Rahn vom Vermögensverwalter Marcard, Stein & Co. Der schleichende Abwärtstrend in den letzten Wochen verheiße jedenfalls nicht Gutes.  Allein an den vergangen fünf Handelstagen hat der Dax bis Freitagnachmittag gut sechs Prozent auf 5448 Punkte verloren, seit Monatsbeginn summiert sich das Minus auf mehr als elf Prozent.

Für Unruhe sorgt vor allem, dass der Vertrauensverlust zunehmend auch auf die starken Länder Europas überzugreifen droht. So blieb Deutschland am Mittwoch überraschend auf mehr als einem Drittel seiner angebotenen Bonds mit zehn Jahren Laufzeit sitzen. Die Analysten der Landesbank Berlin warnten allerdings davor, das geringe Interesse zu hoch zu bewerten. Das Kapitalmarktumfeld sei derzeit schwierig und die Renditen hätten mit knapp zwei Prozent eine Rekordtiefe erreicht, hieß es ein einem Kommentar.

EZB oder Euro-Bonds – das ist die große Frage?
Aus Sicht von Aktienstratege Rahn hat nur noch die Europäische Zentralbank (EZB) die Macht, dem Negativtrend entgegenzuwirken, indem sie Bonds aus den europäischen Kernstaaten inklusive Italien und Spanien ab einem bestimmten Zinssatz ohne Mengenbeschränkung ankauft. Die derzeit wieder aufgeflammte Diskussion über die Einführung von Euro-Bonds hält er für wenig zielführend. „Euro-Bonds wären nur bei einer flankierenden Vereinheitlichung und Kontrolle der Fiskalpolitik dauerhaft stabil und damit hilfreich“, sagte er.

„EZB oder Euro-Bonds - die Anleger lechzen nach einer Lösung für die Schuldenkrise, aber es ist kaum absehbar, dass uns dazu in der nächsten Woche etwas präsentiert wird“, sagte ein Händler. Bislang wehrt sich vor allem Deutschland gegen die Einführung europäischer Gemeinschaftsanleihen, weil es derzeit die niedrigsten Zinsen bezahlen muss und ein gemeinsamer Zins wohl höher ausfallen würde.

Etwas mehr Klarheit erhoffen sich die Anleger in der neuen Woche dagegen in puncto Griechenland: Auf ihrem Treffen am Dienstag wollen die Euro-Finanzminister entscheiden, ob das von der Pleite bedrohte Land die letzte Tranche aus dem ersten Hilfspaket überwiesen bekommt. Dafür sei es notwendig, dass alle relevanten Parteien in Griechenland sich zu dem vereinbarten Reformkurs bekennen, betonte Regierungssprecher Steffen Seibert.

Ebenfalls auf der Agenda stehen die Hebelungsmodelle des EFSF, die festgezurrt werden sollen. Die Euro-Staats- und Regierungschefs hatten Ende Oktober grünes Licht dafür gegeben, die Schlagkraft des Euro-Rettungsfonds über zwei Modelle zur Hebelung durch Mittel externer Geldgeber zu erhöhen.

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  • @ fjv2,
    keine Lösung ist auch nicht schmerzfrei, am Gegenteil, es ist die Schmerzhafteste Alternative.
    Was Dein Vorschlag (eigener Währung) betrifft, bin ich Deiner Meinung, leider keines der Euroländer will es, Deutschland auch nicht. Für Italien wäre es auf jeden Fall besser, dadurch könnte Italiens Wirtschaft vielleicht zur alten Stärke zurück finden. Seit Einführung des Euro hat Italien enorm an Wirtschaftskraft verloren weil der Euro für Italien überbewertet war und ist immer noch. Eine schleichende Deindustrialisierung ist die Folge des Euro für Italien. Anstelle von Wirtschaftskonvergenz ist über den Euro eine noch stärkere Divergenz erreicht worden.

  • @ BaburderBiber,
    Der Ausdruck "Nazikeule" ist eine Erfindung der deutsch-nationalen und wird als Mundknebel bebutzt

  • Nur weil jemand mit so einem Rating droht, muss das noch lange nicht heißen, dass es auch so kommen wird.

    Wenn Sie sich ernsthaft fragen sollten, wer da freiwillig Eurobonds kaufen sollte, dann haben Sie den Ernst der Lage nicht verstanden.

    Die EWU oder die EU waren nie das Problem, sondern die USA. Normalerweise würden allgemeine Ratgeber für Krisen zum Kauf von Staatsanleihen und zum Halten von Liquidität raten. Beides scheint aber bei einem Ausbruch der Krise bzw. beim Absturz der Börsenkurse kein Rettungsanker zu sein. Wo bringen also nun die Reichen und Wohlhabenden ihr Geld unter, wenn es tatsächlich bergab gehen sollte?
    Die Antwort lautet Eurobonds, die zwangsläufig irgendwann EU-Bonds heißen werden.
    Mit anderen Worten, einfach jeder, der sein Geld sicher durch die Krise bringen will, wird Eurobonds kaufen. Nur der Depp auf der Straße, der auf Mainstream-Medien und das Gewäsch irgendwelcher Poltiker oder Ratingagenturen hört, wird zurückbleiben.

    Sie sollten ernsthaft darüber nachdenken wohin die Reise noch gehen wird. Und dabei sollten Sie nicht unberücksichtigt lassen, dass die USA-Kritiker ebenfalls seit dem ersten Tag der US-Bonds schreien und bis heute -viele viele Jahrzehnte später- nicht verstummten. Die Kritik mag richtig sein, aber ändern wird das nichts.

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