Dax-Ausblick
Anleger leiden unter Höhenangst

Kaum hat der Dax die 10.000-Punkte-Marke erklommen, bekommen es einige Experten mit der Angst zu tun. Dabei ist der wahre Dax noch weit von seinem Rekord entfernt. Gefahr droht der Börse eher von anderer Seite.
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DüsseldorfAnfang der vergangenen Woche stieg der Dax bis auf 10.034 Punkte. Ein neues Allzeithoch. Doch genauso schnell ging es wieder nach unten, zeitweise um mehr als 200 Punkte. Damit meldeten sich die Pessimisten wieder zu Wort. Der Index habe die 10.000 Punkte nicht verteidigen können – das sei ein schlechtes Zeichen, kommentierten Experten. Eine größere Korrektur stehe bevor.

Um eines klar zu stellen: Es mag viele gute Gründe geben, an der Börse vorsichtiger zu werden. Aber dafür braucht es mehr als nur eine runde Zahl. Man könnte etwa die geopolitischen Risiken nennen. Oder die stagnierenden Unternehmensgewinne. Oder das verdächtig geringe Handelsvolumen an der Börse.

Aber bitte nicht die 10.000-Punkte-Marke. Zumal der Dax, so wie wir ihn kennen, gar nicht der echte Dax ist. Das liegt an einer ungewöhnlichen Methode, mit der dieser Index berechnet wird. Anders als der Dow Jones oder der S&P500 in den USA ist der Dax ein sogenannter Performance-Index. Bei einem solchen Index werden nicht nur die Kursentwicklung, sondern auch die ausgeschütteten Dividenden einberechnet – als wären diese gar nicht ausgezahlt oder direkt wieder investiert worden.

Das führt über die Jahre zu einer Verzerrung, die den Dax viel besser aussehen lässt als er tatsächlich ist. Seit seiner Einführung bis heute machen Dividenden fast die Hälfte des aktuellen Punktestands aus. Anders ausgedrückt: Der Dax stünde ohne Dividenden also gar nicht bei 10.000, sondern nur bei gut 5.000 Punkten. Das lässt sich am weniger bekannten Dax-Kursindex (ISIN DE0008467440) ablesen, der – wie der Name schon sagt – nur die reine Kursentwicklung widergibt. Er stand am Freitagnachmittag bei genau 5.064 Punkten.

Im langfristigen Vergleich wird schnell deutlich: Der „ehrlichere“ Kursindex hat längst noch keine schwindelerregenden Höhen erreicht, sondern notiert fast 20 Prozent unter dem Allzeithoch aus dem Jahr 2000. In dieser Hinsicht gibt es also keinen Grund zur Höhenangst.

Sorgen bereitet allerdings die Lage in Irak. Islamisten habe große Gebiete im Norden des Landes unter ihre Kontrolle gebracht. Die Offensive könnte die Ölproduktion des Iraks gefährden. Die irakische Armee hat den Kämpfern offenbar nichts entgegenzusetzen. Die USA erwägen eine militärische Intervention, auch die Nachbarländer Türkei und Iran

„Ein Kurssprung der Ölpreise ist immer dazu geeignet, die Marktteilnehmer zu verschrecken“, sagt Mark Andersen, Anlagestratege bei der Vermögensverwaltung der UBS in Zürich. Durch die Unruhen wachse die Gefahr von Förderunterbrechungen des zweitgrößten Opec-Produzenten. „Wie angespannt die Lage mittlerweile im Irak gerwoden ist, zeigen Aussagen von US-Präsident Barack Obama, wonach Luftschläge nicht ausgeschlossen sind“, ergänzt Analyst Christian Schmidt von der Helaba.

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